Löwe im Bergzoo Halle soll zurück in Privathaltung

Pro Wildlife e.V. | Zoo News
von hallelife.de | Redaktion

Tierschützer fordern dringend strengere Gesetze

Der Bergzoo Halle beherbergt seit kurzem einen weißen Löwen, den ein Privathalter aus Zielitz, Sachsen-Anhalt, kurzfristig dort untergebracht hat. Der Löwe wurde etwa eineinhalb Jahre lang auf einem Privatgelände in Sachsen-Anhalt gehalten. Der Besitzer soll den Löwen offenbar nach dem Umbau seines Geheges wieder zurück bekommen.

„Die Gesetzgebung in Deutschland versagt beim Thema exotische Haustiere. Hierzulande kann jeder, der möchte, fast alles halten, was in einen Käfig, in ein Aquarium oder in ein Terrarium passt. Nicht einmal die Haltung eines Löwen im Hinterhof ist verboten. Hier besteht dringender Handlungsbedarf“, betont Sandra Henoch von Pro Wildlife.

Es gibt kein Gesetz, das die Haltung von exotischen Wildtieren in Deutschland bundeseinheitlich regelt. Lediglich neun Bundesländer haben ein Gefahrtiergesetz, Sachsen-Anhalt gehört nicht dazu.

Der Besitzer des Löwen hatte bereits 2015 für Schlagzeilen gesorgt, als die zwei Löwenbabys Elsa und Marley aus seinem Haus entkamen und auf einem Parkplatz gefunden wurden. Trotzdem konnte er sich erneut eine Raubkatze kaufen. Mojo, 21 Monate alt, soll von einem tschechischen Züchter stammen.

Eine Studie von Pro Wildlife zu Online-Angeboten exotischer Säugetiere in Deutschland fand rund 100 Arten und Unterarten von Raubtieren, die im Zeitraum von fünf Jahren auf Internetplattformen angeboten wurden. Darunter waren auch 63 Löwen, 44 Tiger und 37 Leoparden. „Die Löwenhaltung in Zielitz ist ein weiterer trauriger Fall, der zeigt, wie dringend der Gesetzgeber nachbessern muss. In Deutschland gibt es nur sehr wenige geeignete Auffangstation, die sich um Exoten wie Löwen adäquat kümmern kann. Stichting AAP aus den Niederlanden würde einspringen – wie bereits bei den beiden Löwenbabys 2015“, so Henoch.

Die 2015 entlaufenen Löwenbabies leben heute in einer Auffangstation für Wildtiere der niederländischen Tierschutzorganisation AAP. Diese wurde zwischen 2001 und 2018 für die Rettung von 908 Tieren aus Deutschland angefragt und konnte in diesem Zeitraum 183 Tiere aufnehmen. Die Kosten für die Rettung und Pflege der aus Deutschland kommenden Tiere belaufen sich auf mehr als fünf Millionen Euro. Deutschland übernimmt keine finanzielle Verantwortung für diese Tiere. AAP war auch im Fall Mojo um Hilfe gebeten worden, allerdings soll das Tier offenbar zurück an den Privathalter, der den Löwen entgegen seiner Bedürfnisse bisher in Einzelhaltung hielt.

Viele Menschen, die sich ein exotisches Tier kaufen, sind über kurz oder lang mit der Haltung überfordert. Spätestens, wenn die Tiere aggressiv oder gefährlich werden, sind die Halter mit ihnen schnell überfordert. Pro Wildlife fordert deshalb verbindliche Gesetze für die Haltung exotischer Tiere in Privathand.

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