Werbefrei: Wann folgt Halle der Partnerstadt Grenoble?

Gedanken zum Tag | Vermischtes
von Sari Berg

Es gibt gefühlte 1000 Gründe, Werbung aus dem öffentlichen Raum zu entfernen. Auf Schritt und Tritt erleben mündige Bürger Nötigung, Konsumterror, Geistvermüllung. Abrüstung tut Not. Halle täte gut daran, dem guten Beispiel seiner französischen Partnerstadt Grenoble zu folgen. 

Die Stadt am Alpenrand hat bereits Anfang 2015, also vor inzwischen drei Jahren, mehr als 300 Werbetafeln aus dem Stadtbild entfernt und dafür Bäume gepflanzt. Grenoble war damals die erste Stadt in Europa, die diesen neuen Weg gegangen ist. Geworben wird seither kleiner, dezenter und günstiger.

Ein Blick gerade auf Halles Altstadt zeigt, wie sehr an vielen Ecken Bäume fehlen. Mit der Werbewende könnte Halle grüner werden. Auch wenn die Stadt wiederholt damit warb, als die grünste Stadt Deutschlands oder eine der grünsten Städte Deutschlands gekürt worden zu sein, ist gerade die Innenstadt vielfach eine reine Steinwüste. Bäume statt Werbung könnte gerade auch für das Kulturstadt-Image ein Gewinn sein.

Vom Abbau der Großwerbung wäre in Halle (Saale) zu allererst die Firma Ströer betroffen, die seit vielen Jahren in zahlreichen deutschen Städten und auch in Halle (Saale) ein Monopolist für Außenwerbung ist. Ströer wird von etlichen Städten protegiert, weil sie beim Werbegiganten exklusiv werben können. Der Deal führte bereits zu diversen rechtlichen Auseinandersetzungen. 

Wenn die Stadt ernst machte, würde wohl auch der Hallecube, eine gigantische Leuchtreklame an der Berliner Straße, dem Rückbau anheimfallen. Das elektronische Dauerfeuer an der Brückenkreuzung mit einer vielbefahrenen Bundesstraße wäre beendet und damit auch das weithin sichtbare, dominante Leuchten während der Nachtstunden. Für das Vorhaben könnte Halle Argumente aus Frankreich übernehmen: mehr Grün, Kinderschutz, freie Sicht, weniger Ablenkung.

In Frankreich waren es freie Bürger, die für eine werbefreie Stadt kämpften. Inzwischen hat das Umdenken Deutschlands Hauptstadt Berlin erreicht. Allerdings noch nicht auf Verwaltungsebene, sondern in Form der Bürgerinitiative "Berlin werbefrei", die sich gegen die weiter wachsende Kommerzialisierung des öffentlichen Raumes einsetzt.

Der mediale Anfang der weltweiten Bewegung geht auf das Jahr 2007 zurück, als Sao Paulo (Brasilien) den Anfang machte. 2017 erreichte die Debatte die Schweiz und dort insbesondere die Städte Luzern und Genf. Nebenbei sei erwähnt, dass auch das Land der unbegrenzten Werbemöglichkeiten, die Vereinigten Staaten von Amerika, bei dieser Trendwende eine Vorreiterrolle spielt. Global betrachtet bleibt für die Aktivisten jedoch noch viel zu tun.

 

Berlin Werbefrei im Netz

https://berlin-werbefrei.de/

 

hier wirbt der Außenwerbe-Konzern Ströer für Halle

https://www.stroeer-direkt.de/halle-15002000/06002.html

Beitrag Teilen

Zurück