Halles bedeutsame Rolle in der Geschichte der Taschenuhr

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Historie | Vermischtes
von hallelife.de | Redaktion

Die Geschichte der Taschenuhr, früher auch Sackuhr genannt, reicht zurück bis ins 15. Jahrhundert. Einer der bedeutendsten Uhrenmacher der Geschichte stammt aus Halle und gilt als Gründer der Schlesischen Taschenuhrenindustrie. Bis heute zählen die kleinen Schmuckstücke zu den begehrtesten Sammlerstücken unserer Zeit.

Als die Uhr erfunden wurde

Die Taschenuhr stammt ursprünglich aus Süddeutschland und Frankreich. Sie entstand mit der Erfindung des Federantriebes im frühen 15. Jahrhundert. Städte wie Augsburg und Nürnberg waren damals wichtige Kreuzungspunkte der europäischen Handelswege. Die dort ansässigen Handwerker profitierten von besten Materialien und innovativen Produktideen aus ganz Europa. Einer der zeitgenössischen Erfinder war Peter Henlein. Er brachte entscheidende Entwicklungen zur heute so bekannten Taschenuhr hervor. Henlein, gebürtig in Nürnberg, war gelernter Schlossermeister, arbeitete daheim aber viel an Uhrwerken. Damalige Uhren wurden mit Gewichten angetrieben, was ihren Transport unmöglich machte. Mit der Einführung des modernen Federantriebs hatte Henlein eine zündende Idee: Mithilfe einer Federbremse baute er die erste tragbare Uhr – eine Dosenuhr, auch bekannt als Nürnberger Ei. Augsburg und Nürnberg avancierten durch die Entwicklungen Henleins schnell zu Zentren der frühen Uhrmacherkunst. Die Dosenuhr wurde kontinuierlich weiterentwickelt. Bereits im 16. Jahrhundert galt sie – nun als Taschen- oder Sackuhr bekannt – als modisches Accessoire und Statussymbol. Gegen Mitte des 19. Jahrhunderts kam die industrielle Herstellung von Taschenuhren auf. Damit wurden die prächtigen Schmuckstücke preisgünstiger und auch weniger wohlhabenden Gesellschaftsschichten zugänglich. Einer der Hersteller der besten Taschenuhren war Eduard Eppner. Geboren in Halle und ausgebildet in La Chaux-de-Fonds, einer der bekanntesten Uhrenstädte der Schweiz, machte er sich Mitte der 1920er-Jahre selbstständig. Eppner fertigte gemeinsam mit seinem Bruder Taschenuhren in vier Qualitätsstufen an. Gemeinsam eröffneten sie 1835 in der Leipziger Straße in Halle die Uhrenhandlung Gebr. Eppner. Bis heute ist Eppner einer der bedeutendsten Uhrmachern der Geschichte. Seine Taschenuhren zählen zu den hochwertigsten Taschenuhren und sind unter Sammlern sehr begehrt. In ihrer Qualität stehen Uhren aus dem Hause Eppner den berühmten Namen aus Genf oder Glashütte in nichts nach. Der einzige Unterschied: Sie sind seltener zu finden. Mit etwas Glück können Interessierte jedoch auf Plattformen wie Chrono.24.de fündig werden.

Praktischer am Arm?

Im 20. Jahrhundert geriet die Taschenuhr jedoch langsam in Vergessenheit. Durch stetige Verfeinerungen und Weiterentwicklungen waren Taschenuhren zunächst immer kleiner geworden. Vor allem Frauen trugen sie an Ketten oder Bändern am Handgelenk. Als weibisch erachtet, blieb die Uhr am Arm bis zum Ersten Weltkrieg den Frauen vorbehalten. Einige Militäroffiziere jedoch fanden die Uhr am Arm zunehmend praxistauglicher und ließen diverse Armbandmodelle anfertigen. Die Armbanduhr für Männer war eine von vielen Entwicklungen, die aus dem Krieg stammen. Nach dem Ersten Weltkrieg ersetzte sie die Taschenuhr auch in der zivilen Gesellschaft und die Taschenmodelle verschwanden für einige Jahrzehnte aus dem Alltag der meisten Menschen. Heute hat das Smartphone die Aufgabe der Zeitanzeige übernommen. Armband-, aber auch Taschenuhren sind heute eher Accessoires, die für Exklusivität und Eleganz stehen. Es ist allerdings durchaus denkbar, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis die Taschenuhr ihr Revival in der breiten Masse feiert.

 

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