Aus für migrantisches Bildungsprojekt NEMSA in Sachsen-Anhalt

AMIF lehnt Weiterförderung ab | Vermischtes
von hallelife.de | Redaktion

Jedes Kind hat gemäß Artikel 26 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen ein Recht auf gleiche Bildungschancen. Das Jahresgutachten des Sachverständigenrates deutscher Stiftungen für Integration und Migration stellte zuletzt im April 2020 fest, dass die Ungleichheit im Bildungserfolg zwischen Einheimischen und Zugewanderten stetig größer wird. Sachsen-Anhalt bildet dabei das traurige Schlusslicht  von migrantischen Schulabgängen im bundesdeutschen Vergleich. 38,2 % aller Kinder ohne deutsche Staatsbürgerschaft brechen die Schule ab und gerade einmal 2,3% legen das Abitur an einer allgemein bildenden Schule ab.

Aufgrund dieser und weiterer Faktoren hat LAMSA ein Netzwerk für Eltern mit Migrationsgeschichte in Sachsen-Anhalt (NEMSA) gegründet. Das Projekt unterstützt seit knapp zwei Jahren Familien mit einer Migrationsgeschichte bei Fragen rund um Kita, Schule und Hort. Ziel ist, dass sich zugewanderte Eltern schnell im deutschen Schul- und Kitasystem zurechtfinden. NEMSA war an den drei Standorten Halle, Dessau-Roßlau und Magdeburg mit seinen Beratungsstellen vertreten. Insgesamt haben in den vergangenen zwei Jahren über 500 Einzelberatungen und über 100 Veranstaltungen stattgefunden. Kontinuität und Langfristigkeit waren dabei die primären Ziele. Beispielsweise konnten sich zugewanderte Eltern  als Multiplikator*innen ausbilden lassen und anschließend selbst andere Eltern unterstützen. Die Anfragen waren so zahlreich, dass eine Beratungs-App für dieses Projekt entwickelt worden ist.

Aufgrund der derzeitigen Pandemie ist der Unterstützungsbedarf höher denn je, aber zugewanderte Eltern sind aufgrund der Projektablehnung nun auf sich alleine gestellt. Khuzama Zena, Beraterin in Halle sagt hierzu: „Die migrantischen Eltern, besonders die mit noch wenig deutschen Sprachkenntnissen sind stark verunsichert; ohne unsere Beratung haben sie große Schwierigkeiten, mit den neuen Anforderungen zurechtzukommen. Viele Eltern […] haben leider die Hoffnung aufgegeben, dass sie allein und auf sich gestellt ihren Kindern helfen können.“

Mit der Projektablehnung durch den Asyl- und Migrationsfond der EU verliert Sachsen-Anhalt ein Leuchtturmprojekt in der Bildungsarbeit mit migrantischen Eltern. Gegenwärtig werden Eltern ausschließlich durch ehrenamtliche Beratenden unterstützt, langfristig ist dies natürlich keine Lösung. Der Verein wird Widerspruch gegen die Ablehnung einreichen und ist in Verhandlung mit anderen Zuwendungsgeber*innen.

Mamad Mohamed, Geschäftsführer stellt klar: „Nicht nur LAMSA ist von einer Absage betroffen, sondern auch andere wichtige Träger in Sachsen-Anhalt und darüber hinaus. Hier stellt sich die Frage, wer sich künftig überhaupt noch für Chancengerechtigkeit und Bildungserfolg für Zugewanderte einsetzen kann?“

LAMSA startet hierzu eine Petition, in welcher die Aufklärung für die mangelnde Unterstützung der Migrantenorganisationen gefordert wird.

Hier zur Petition: http://chng.it/bpvKnGgvJ7

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