Dreistes Inkasso: Jede zweite Forderung ist unberechtigt

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Forderungen | Verbraucher

Verbraucherzentralen werten über 1.400 Beschwerden aus

Mehr als die Hälfte der Forderungen sind willkürlich. Die Höhe der Gebühren ist oft unverhältnismäßig. Verbraucher werden durch unseriöse Inkassodienste massiv unter Druck gesetzt. So lautet die Zusammenfassung der wesentlichen Ergebnisse einer bundesweiten Aktion der Verbraucherzentralen.

Dreistes Inkasso: Jede zweite Forderung ist unberechtigt

Vom 1. Mai bis 31. August dieses Jahres wurden 1.413 Beschwerden zu Inkassodiensten erfasst und ausgewertet. Die Verbraucherzentralen sahen sich dazu veranlasst, da trotz gesetzlicher Verbesserungen die Anfragen in den Beratungsstellen nicht abebben. Gerade die hohe Zahl unberechtigter Forderungen zeigt, dass Verbraucher Rechnungen von Inkassodiensten stets hinterfragen und sorgfältig prüfen sollten, so die Verbraucherzentrale Sachsen-Anhalt e.V.

Fragliche Vertragsgrundlagen und uneinheitliche Gebühren

Bei den untersuchten Beschwerden stammte fast jede fünfte Forderung von einem Telekommunikationsanbieter. Geltend gemacht wurden auch Ansprüche aus Gewinnspielen, E-Mail-Diensten, Dating-Portalen und dem Versandhandel. In 56 Prozent der Fälle war keine Vertragsgrundlage für die Forderung zu ermitteln. Inkassodienste sind nicht verpflichtet, die Ansprüche, die sie eintreiben, auf ihre Richtigkeit zu überprüfen. Auch seriöse Inkassounternehmen verschicken deshalb immer wieder unberechtigte Forderungen.

Die Auswertung zeigte auch, dass die Berechnung der Inkassogebühren uneinheitlich ist. Für einfache und standardisierte Zahlungsaufforderungen sind die Gebühren oft unangemessen hoch. So wachsen bei Bagatellforderungen die Kosten dann unverhältnismäßig an.

 

Drohgebärden und vorformulierte Schuldanerkenntnisse

In einem Drittel der geprüften Anschreiben wurden massive Drohungen ausgesprochen. Verbraucher müssten beispielsweise mit Schufa-Einträgen, Strafanzeigen oder Zwangsvollstreckung rechnen. Betroffene zahlen häufig aus Angst, obwohl sie dazu möglicherweise gar nicht verpflichtet sind. In 20 Prozent der ausgewerteten Fälle wurden Verbraucher gedrängt, eine Ratenzahlungsvereinbarung zu unterzeichnen.

Keine effektive Aufsicht

Stichprobenartig meldeten die Verbraucherzentralen auffällige Inkassounternehmen bei den zuständigen Aufsichtsbehörden. Diese haben in keinem Fall eigene Maßnahmen eingeleitet. Auch bei ausländischen Unternehmen etwa mit Sitz in der Tschechischen Republik oder Konten in Rumänien findet keine Kontrolle statt.

Regelungslücken schließen

Die neuen Regelungen im Gesetz gegen unseriöse Geschäftspraktiken für Inkassounternehmen haben nach Ansicht der Verbraucherschützer zwar positive Wirkung entfaltet, es gibt aber weiterhin politischen Handlungsbedarf.

Das Positionspapier des vzbv nennt wichtige Maßnahmen:

  • So sollte etwa ein verbindliches Muster für die Darstellung der Pflichtinformationen eingeführt werden, damit Verbraucher einfacher prüfen können, ob die behauptete Forderung berechtigt ist.

  • Die Aufsicht über Inkassounternehmen sollte stärker gebündelt werden.

  • Darüber hinaus sollte die Höhe von Inkassokosten verbindlich geregelt werden, um willkürliche und überhöhte Gebührenforderungen der Inkassounternehmen zu verhindern.

Die bundesweite Aktion fand im Rahmen des Projekts Wirtschaftlicher Verbraucherschutz statt, das vom Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz gefördert wird.

Den Bericht zu den Verbraucherbeschwerden zu Inkassodiensten sowie weitere Informationen sind auf der Internetseite der Verbraucherzentrale Sachsen-Anhalt e.V. hier zu finden.

Tipp

Verbraucher, die Probleme mit Inkassoforderungen haben, erhalten Hilfe direkt in allen Beratungsstellen der Verbraucherzentrale Sachsen-Anhalt e.V. 

Verbraucherzentrale Sachsen-Anhalt e.V.

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