Kabinettausstellung in den Franckeschen Stiftungen stellt August Hermann Niemeyers Reisen durch Europa vor.

Veranstaltungshinweis | Veranstaltung
von hallelife.de | Redaktion

August Hermann Niemeyer (1754–1828) war der erste Direktor der Franckeschen Stiftungen, der zahlreiche ausgedehnte Reisen unternahm. In einer Kabinettausstellung in der Historischen Bibliothek werden im Themenjahr »Bewegte Zeiten« der Franckeschen Stiftungen seine Reisen durch Deutschland und weite Teile Europas vorgestellt. Grundlage sind die umfassenden Reisetagebücher, von denen Niemeyer selbst drei zwischen 1820 und 1826 in fünf Bänden unter dem Titel »Beobachtungen auf Reisen in und außer Deutschland« veröffentlicht hat.

Franken, Bayern, Württemberg, Schlesien, Westfalen und Holland, Böhmen, Österreich, Italien, Dänemark, Frankreich sowie England sind auf der Reiseliste Niemeyers zwischen 1794 und 1819 zu finden. Zu Fuß erwanderte er sich die Großstädte Europas wie Berlin, Hamburg, Kopenhagen, Amsterdam, Paris, Prag, Wien und Venedig. Als Pädagoge und Theologe interessierte er sich besonders für die Bildungs- und Sozialeinrichtungen. Er besuchte Armen- und Elementarschulen, Lyzeen, Gymnasien und Universitäten, Waisen- und Findelhäuser, Blinden- und Taubstummeninstitute und widmete sich dem Gedankenaustausch mit auswärtigen Gelehrten, Erziehern und Erzieherinnen. Als Mitgestalter der bewegten Epoche um 1800 nutzte er das auf den Reisen erworbene Wissen für seine sozialpädagogische und wissenschaftliche Arbeit in Halle, für die Franckeschen Stiftungen, die Universität und die kommunale Armenpflege.

Die Kabinettausstellung stellt auch eine besondere Reise Niemeyers vor, die eng mit der Geschichte der Stadt Halle verbunden ist und Niemeyers Geschick als Diplomat zeigt. Im Oktober 1806 war Halle unter französische Besatzung geraten und Napoleon ließ die Universität schließen. Im Mai des folgenden Jahres wurde August Hermann Niemeyer nach Frankreich deportiert. Während des siebenwöchigen Aufenthaltes in der Nähe von Metz und danach in Paris nutzte er die Möglichkeit, Besuche abzustatten, Baudenkmäler anzuschauen und regelmäßig mit den Angehörigen in Halle zu korrespondieren. Er knüpfte Kontakte zu einflussreichen Personen des künftigen Königreichs Westphalen und erreichte eine persönliche Anhörung bei dem designierten Finanzminister Jacques Claude Beugnot, dem er überzeugend die Situation Halles, der Universität und der Franckeschen Stiftungen darlegte. Damit schuf er die Grundlage für die Wiedereröffnung der Universität und die finanzielle Konsolidierung der Stiftungen. Am 9. Oktober 1807 kehrte Niemeyer nach Halle zurück.

Eröffnung der Kabinettausstellung

Die Verknüpfung von sachlichen Beschreibungen mit persönlichen Erfahrungen, Ideen und Gefühlen machen Niemeyers Reiseerzählungen auch heute noch lesenswert. Sie spiegeln sein sozialpädagogisches, wissenschaftliches, literarisches und politisches Interesse in der ganz Europa betreffenden Umbruchszeit um 1800 wider und geben einen Einblick in den Reisealltag. Zur Eröffnung der Ausstellung am 19. April um 18 Uhr im Englischen Saal (Haus 26) werden die Kuratoren der Ausstellung, Carmela Keller und Dr. Jürgen Gröschl, ausgewählte Passagen aus den Reisetagebüchern Niemeyers vorlesen. Anschließend kann die Ausstellung in der Historischen Bibliothek (Haus 22) besichtigt werden.

Mit der Kutsche durch Europa. Reisen von August Hermann Niemeyer durch Europa (1794–1819)

Kabinettausstellung in der Historischen Bibliothek

20.04.2018–09.09.2018

Eintritt 6 Euro, erm. 4 Euro, Kinder bis 18 Jahre Eintritt frei

ERÖFFNUNG DER KABINETTAUSSTELLUNG AM DONNERSTAG, 19. APRIL 2018 UM 18 UHR, IM ENGLISCHEN SAAL (HAUS 26)

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