„Vorsicht Brotbüchse!" - Hilferuf aus Niemberg

Offener Brief der Schulelternvertretung Grundschule Niemberg | Umland
von hallelife.de | Redaktion

Grundschule „Hermann Ferres“ Niemberg Lieber MDR, liebe Interessierte der aktuellen Bildungspolitik in Sachsen-Anhalt,
vielen Dank für Ihren Sendebericht „Neues Schuljahr: Wie groß ist der Lehrermangel“, bei MDR Sachsen-Anhalt vom 15.8.2019. Dieser Bericht erschüttert uns, zumal dieser Bericht von einer für uns seit Jahren wünschenswerten Unterrichtsversorgung spricht. Leider kann die durch diesen Bericht erheblich „aufgehübschte“ bzw. „schöngeredete“ Bildungsversorgung für unsere heranwachsende Generation, durch uns als Eltern, keinesfalls als zutreffend wahrgenommen werden.

Ohne Ihnen bewusste Beschönigung vorzuwerfen, fragen wir uns dennoch, welche Recherchemittel Sie verwendet haben und ob Sie tatsächlich keine berichtenswerteren Zustände finden oder wahrnehmen wollten. Aber nun zu den aus unserer Sicht prüfbaren und damit gerne auch berichtenswerten Fakten aus der Grundschule „Hermann Ferres“ Niemberg, einem Ortsteil der Stadt Landsberg.
Auch in das jetzige Schuljahr starten wir wieder mit einer mehr als deutlichen Unterversorgung von ca. 65% und diese auch nur temporär, dank einer kurzfristigen freiwilligen Abordnung.
Für die Grundschule „Hermann Ferres“ im Ortsteil Niemberg passt daher wohl eher folgende Schlagzeile für eine Berichterstattung:
„Vorsicht Brotbüchse! Für mehr als Aufsicht reicht unser Personal leider nicht?“
Seit einem Jahr arbeitet unsere Grundschule mit vier vollen Klassen mit 2 Stammlehrern und einem Schulrektor. Im letzten Schuljahr musste die damalige 1. Klasse mehrere Klassenlehrerwechsel erfahren und es ist auch zum jetzigen Schulstart, trotz gegenteiligen Versprechen des Bildungsministers, kein Ende des immer wieder neu vertretenden Klassenlehrers in Sicht.
Eine Bindung an die Lehrkraft, die vielen Kindern hilft, diesen aufregenden und anstrengenden aber dennoch umso wichtigeren Lebensschritt zu bewerkstelligen, ist damit aus unserer Sicht quasi unmöglich.
Stellenausschreibungen durch das Landesschulamt sind nach langen Verwaltungsprozessen erfolgt, reale Besetzungen sollten zum 1.8. und zum 1.10.2019 erfolgen, aber im August blieb der Lehrerplatz, trotz anderslautender Mitteilung durch das Schulverwaltungsamt, wieder einmal leer. Die verbleibende Aussicht aus dem Landesschulamt auf 2 Personalantritte im Oktober soll uns Eltern beruhigen, aber nach den bisherigen Erfahrungen kann sich ein derartiges Gefühl bei uns nicht einstellen, zu lange habe wir gewartet, uns vertrösten lassen und immer wieder gehofft.
Um die Situation in realen Abbildungen darzustellen, muss man sich 4 Klassen, mit je über 25 Schülern vorstellen, die von 2,40 Lehrern betreut werden. Pädagogische Mitarbeiter sind nicht

vorhanden und nicht absehbar in Sicht. Ohne ehrenamtliche Helfer, aktive Großeltern, Eltern und den Zusammenhalt wäre hier ein aktiver Betrieb wohl nicht mehr möglich.
Wo bitte sind da die Vorgaben aus dem KiföG – Personalschlüssel eingehalten?
Wer trägt eigentlich die Verantwortung, wenn der noch vorhandene Personalstamm wegen dauerhafter Überbelastung erkrankt und ausfällt? Schließlich plagen sie diese Probleme bereits seit mehreren Jahren, mit ständigem auf und ab.
Handelt es sich bei einer derartigen langfristigen Überbelastung nicht sogar um die wissentlich in Kauf genommene Verletzung der Fürsorgepflicht durch den Arbeitgeber?
Unsere Grundschullehrer brauchen Unterstützung, bevor ihre Gesundheit ein weiteres Engagement in der Bildung unserer Kinder verhindert!
Wie soll bei einer solchen Ausstattung qualitativer Unterricht erfolgen und dann noch nach dem neusten Motto der Inklusion, mit massiv unterschiedlichen Lernfähigkeiten, ohne jegliche pädagogische Zusatzhilfe?
Unsere Grundschulkinder haben ein Recht auf eine qualifizierte Bildung und brauchen ausreichend Lehrer und pädagogische Mitarbeiter, damit der Bildungsgrundstein fürs Leben auch richtig gesetzt und geformt werden kann!

Welches Bildungsniveau sollen denn die nächsten PISA-Studien Sachsen-Anhalt bescheinigen? Was soll sonst aus unseren Kindern einmal beruflich werden?
Welche Erinnerungen sollen unsere Kinder geprägt haben, wenn Sie selbst einmal über die Familiengründung nachdenken und soll dann das Land Sachsen-Anhalt überhaupt noch eine Rolle spielen?

Ist nicht ein wichtiger Faktor für die Wirtschaft das Heranziehen und Halten von Fachkräften? Unterstellen wir nicht alle den Fachkräften eine gewisse Bildung und gehen wir nicht alle davon aus, dass auch die Kinder der Fachkräfte diese Bildung erreichen sollen? Und bedeutet diese Denkweise nicht, dass Bildung einer der Standortfaktoren für unser Land ist?

An unsere Landesregierung, Ministerien und Behörden: Bitte hören Sie auf die vorhandenen Probleme schönzureden, sondern packen Sie das Problem endlich an der Wurzel und realisieren Sie die versprochenen 103% reale Unterrichtsversorgung und sorgen Sie damit für eine qualitativ gute Unterrichtsversorgung! Denn nur so können Fachkräfte auch in unserem Bundesland heranwachsen.
Mit freundlichen Grüßen

Die verärgerten und sehr besorgten Eltern der Grundschule Niemberg

Schulelternvertretung Grundschule „Hermann Ferres“ Niemberg 

Offener Brief an MDR, Landesschulamt und Bildungsministerium, u.w.
Niemberg, 17.08.2019

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