TITANIC – Die Versprechen der Moderne

Yadegar Asisi im Panorama TITANIC- Foto Tom Schulze (c) asisi
Ausstellung Panometer Leipzig | Umland
von hallelife.de | Redaktion

360°-Panorama »TITANIC – Die Versprechen der Moderne« - Faszinierende Begleitausstellung zeigt u.a. einen Nachbau des Titanic-Schiffbug.
Bereits 250.000 Besucher sahen das neue Panorama und waren begeistert.

Seit Ende Januar diesen Jahres ist im Panometer Leipzig die 360°-Ausstellung TITANIC - Versprechen der Moderne zu sehen. Das Panorama, welches das Wrack der TITANIC im Maßstab 1:1 in 3.800 Metern Tiefe auf dem Boden des Atlantik zeigt, erfreut sich bei Touristen und Leipzigern großer Beliebtheit und gestern wurde die 250.000 Besuchermarke überschritten. Der 250.000. Besucher erhielt eine exklusive Überraschung vom Panometer Leipzig, ein Überraschungspaket und freiem Eintritt für sich selbst und drei Begleitpersonen. 

Das mittlerweile sechste Panorama von Künstler Yadegar Asisi in Leipzig erfreut sich großer Beliebtheit beim Publikum. Im ersten Vierteljahr sahen bereits mehr als 100.000 Besucher das imposante Werk. Yadegar Asisi dazu: „Der Gradmesser des Zuspruchs für ein Thema ist bei fast jedem neuen Panorama das Leipziger Publikum. Der Erfolg der Panoramen wäre ohne das Interesse und die Neugier der Leipziger nicht denkbar. Eine Stadt, mit der mich nicht nur die Jugend verbindet, sondern der ich mich bis heute verbunden fühle.“

Mit TITANIC thematisiert Asisi nicht das eigentliche Schiffsunglück, sondern gibt Denkanstöße, um über das menschliche Streben nachzudenken, um jeden Preis die Natur überflügeln zu wollen und dabei den Blick für die eigenen Grenzen und Möglichkeiten aus den Augen zu verlieren. Dies zeigt nicht nur eindrucksvoll das 360°-Rundbild, sondern auch die dazugehörige Begleitausstellung.

Schon unmittelbar nach Betreten des ehemaligen Gasometers begibt sich der Besucher auf eine Zeitreise ins 19. und frühe 20. Jahrhundert, als im Fahrtwind der Industrialisierung neue Materialien und technische Innovationen das Leben der Menschen grundlegend veränderten. Anschaulich wird der euphorische Fortschrittglauben jener rasanten Zeit und die Selbstüberschätzung des Menschen, der sich durch einen laufenden Rekordbruch der eigenen technischen Höchstleistungen zu einem Gebieter der Natur hochstilisiert, präsentiert. Um diese „sky is the limit“-Haltung für das Publikum emotional zu übersetzen, arbeitet die Ausstellung mit Installationen, die eine entsprechende Kraft besitzen.

Der thematische Einstieg in die Ausstellung erfolgt über das neue Universalmaterial jener Epoche – gewissermaßen die Triebfeder der industriellen Revolution: Stahl. Die Planung des gesamten Verkehrswesens und Städtebaus der westlichen Industriestaaten stützte sich auf den Einsatz dieses neuartigen Baustoffs, der durch seine große Stabilität und enorme Elastizität ungeahnte Möglichkeiten bot. Zahlreiche historische Fotoaufnahmen sollen die damalige Entwicklung veranschaulichen, als der Mensch immer größere Maschinen herstellte und zwischen Tonnen schweren Hydraulikpressen und Meter hohen Schiffsschrauben selbst immer kleiner wurde. Der Besucher wird Zeuge vom Bau der gewaltigsten Stahlbrücken, Luftschiffe, Eisenbahnen oder Passagierdampfer, und erlebt so, wie Anfang des 20. Jahrhunderts in einer Hetzjagd nach dem Superlativ die Grenzen von Zeit und Raum überwunden schienen.

Das sich verändernde Raumgefühl soll deutlich spürbar sein, weshalb die besonderen räumlichen Möglichkeiten des ehemaligen Gasometers voll ausgeschöpft werden: Auf dem Höhepunkt seiner Zeitreise trifft der Besucher schließlich auf die größte Maschine der Welt, die RMS Titanic. Vor dem Panoramaraum blickt er hoch zu einem Nachbau des gewaltigen Schiffsbugs im Maßstab 1:1. Die 23 Meter hohe und 19 Meter lange Konstruktion stellt die bisher aufwändigste Installation einer Panorama-Begleitausstellung dar. Die unteren 6 Meter des Nachbaus bestehen aus einem Gerüstbaukern mit einer Holztheaterbauverkleidung; von da an sind Stoffbahnen über die restliche Höhe bis knapp unter das Dach des Leipziger Gasometers gespannt.

 

So beeindruckend der riesige Schiffsbug ist, der sich vor dem Besucher auftut, so hoch ist die Fallhöhe beim anschließenden Betreten des Panoramaraumes. Nach dem Höhenrausch aus Beschleunigung, technischer Innovation und einem laut und gewaltig inszenierten Kräftemessen zwischen Mensch und Natur, findet sich der Besucher in rund 4.000 Metern unter der Meeresoberfläche wieder – ernüchtert, in der Stille der Meerestiefe am Wrack der Titanic.


Erstmals sind im Panometer Leipzig reproduzierte Konstruktionspläne der Titanic von der Werft Harland & Wolff aus Belfast öffentlich zu sehen. Zudem zeigt die Begleitausstellung das einzige deutschsprachige Telegramm eines geretteten Passagiers zu sehen. Verschickt wurde es von Bord der ‚Carpathia‘ von Alfred Nourney an seine Mutter in Köln.

Die Begleitausstellung steht unter der Leitung von Creative Director Mathias Thiel. Im Zuge der Recherchezuarbeit für Yadegar Asisi reisten er und Artworker Kaj Knüpfer unter anderem nach Belfast, wo 1911 im größten Trockendock der Welt Arbeiten an der Titanic durchgeführt wurden. Der Nachbau des Buges wurde von der Firma Hertzer aus Berlin-Pankow erstellt, die auf die Planung und Produktion von szenografischen Bauten spezialisiert ist und mit 20-jähriger Erfahrung vor allem in der Theater- und Ausstellungsbranche tätig ist.

Zum Panorama und der Begleitausstellung bietet das Team vom Panometer Leipzig ein umfassendes pädagogisches Programm an, das den Besuchern die Thematik zielgruppenspezifisch nahebringt. In diesem Rahmen werden verschiedene Führungen, Vorträge, Veranstaltungen und Aktionen durchgeführt. „Die Reaktionen unserer Besucher sind durchweg positiv und es ist auch für uns spannend zu erleben, wie die TITANIC auch heute noch Jung und Alt in ihren Bann zieht“, so Marketing- und Vertriebsleiterin Marie Rosenlöcher über die bisherige Resonanz. Mindestens ein Jahr lang soll TITANIC im Panometer Leipzig zu erleben sein.

Weitere Informationen unter www.asisi.de und www.panometer.de.

 

Programm im Panometer Leipzig

Neben öffentlichen Führungen wird eine breite Auswahl weiterer Programmpunkte angeboten. Lassen Sie sich von unseren Führungen, Familienprogrammen und weiteren Höhepunkten überraschen!

https://www.panometer.de/leipzig/programm/

 

TITANIC

Hintergrundinformationen

Mit dem Panoramaprojekt TITANIC will Asisi weniger das eigentliche Schiffsunglück im Jahr 1912 thematisieren als vielmehr den Untergang des Luxusliners als Musterbeispiel für die Überheblichkeit des Menschen, der seit Urzeiten versucht, die Natur mit seinem Schaffen zu dominieren und sich über sie hinwegzusetzen. Die Titanic als moderne technische Errungenschaft im Wettstreit mit den Gewalten der Natur ist dabei Sinnbild für diese Hybris des Menschen.

Auf ihrer Jungfernfahrt kollidierte die Titanic in der Nacht vom 14. April 1912 südöstlich von Neufundland seitlich mit einem Eisberg und sank über zweieinhalb Stunden später im Nordatlantik. Obwohl für die Evakuierung mehr als zwei Stunden Zeit zur Verfügung standen, starben etwa 1.500 der über 2.200 an Bord befindlichen Personen. Vor allem die nicht ausreichende Zahl an Rettungsbooten und die unerfahrene Besatzung werden für diese große Katastrophe der Seefahrt verantwortlich gemacht.
Der Standpunkt des Betrachters befindet sich etwa 3.800 Meter unter der Wasseroberfläche in Höhe des Schiffswracks. Ein künstliches Lichtszenario ermöglicht es dem Besucher, das tragische Ausmaß des Unglücks in einem Riesenrundbild – und nicht nur in Ausschnitten – zu entdecken. Zu erkennen sind das in zwei Teile zerbrochene Wrack sowie ringsumher eine unüberschaubare Menge an Mobiliar, Einrichtungsgegenständen, technischer Ausrüstung und Gepäckstücken.

Mit dem Panorama weckt Asisi eine Faszination für die grandiose Ingenieursleistung, die dem britischen Luxusliner zugrunde liegt, stellt aber auch die ewige Frage nach der Beherrschbarkeit der Natur. Zugleich verweist Asisi mit der Darstellung des zerborstenen Wracks in den Tiefen des Atlantiks auf die Endlichkeit menschlichen Seins und Handelns. Tausende Tonnen von Stahl korrodieren am Meeresgrund und die ehemals prunkvolle Einrichtung und technische Ausstattung des etwa 40.000 Tonnen schweren Luxusliners gleichen einem einzigen Trümmerfeld, das nach und nach von der Natur zurückerobert wird.

TITANIC 2017 mit Red Dot Award ausgezeichnet

Die Gestaltung des Panoramaprojekts »TITANIC – Die Versprechen der Moderne« von Yadegar Asisi wird beim Red Dot Design Award: Communication Design 2017 als Best of the Best ausgezeichnet. Damit zählt das Projekt zu den besten Arbeiten des Jahres. Nur 0,8 Prozent der Einreichungen erhielten den Red Dot: Best of the Best. Das Panoramaprojekt hat damit seinen ersten Design-Preis für die Gestaltung erhalten. Mit über 170.000 Besuchern im ersten Halbjahr ist TITANIC zudem auch ein Publikumsliebling im Panometer Leipzig.

In der Ausstellung TITANIC wird das Sinken des einst weltgrößten Schiffes als Sinnbild für die Hybris des Menschen inszeniert. Er unterliegt dem Irrglauben, die Naturgewalten zu beherrschen und die Komplexität seines Handelns abschätzen zu können. Durch immer dichter und höher werdende Installationsräume tauchen die Besucher ein in die Hochphase der industriellen Entwicklungs-periode. Sie erleben den Rausch von maschinellem Kräftezuwachs und technologischem Fortschritt – Höher! Schneller! Weiter! Den Kopf mehr und mehr gen Himmel gerichtet, blicken sie am euphorischen Höhepunkt ihrer Zeitreise hoch zur größten Maschine der Welt: Das „unsinkbare Schiff“ erhebt sich vor ihnen, in Form eines 23 Meter hohen Nachbaus des Buges im Maßstab 1:1.

Noch im Sinnestaumel betreten die Besucher darauf eine radikal gegensätzliche Szenerie. Das monumentale Panorama mit 32 Metern Höhe und 110 Metern Umfang. Bild und Raum zugleich, befördert es sie an den menschenleeren Schauplatz des vergehenden Wracks der Titanic in 3.800 Metern Meerestiefe. Der Mensch steht vor dem reglosen Leichnam des einst stolzen Schiffes, Sinnbild für Unfehlbarkeit und Fortschritt, und blickt ernüchtert in das dunkle Spiegelbild seines Wesens. Das Wrack ist in zwei Teile zerbrochen und ringsherum befinden sich Alltagsgegenstände, technisches Equipment und Gepäckstücke, die die Tragödien der Passagiere und der Besatzung ins Bewusstsein bringen.

Yadegar Asisi über die Auszeichnung: „Am Red Dot Award zeigt sich, wie sehr Kunst immer auch ein Medium der Kommunikation ist.“

 

Adresse

Panometer Leipzig
Richard-Lehmann-Straße 114
04275 Leipz

Beitrag Teilen

Zurück