Himmlische Fügung bescherte den Vereinigten Winzern einen lupenreinen Eiswein

Foto: Winzervereinigung Freyburg-Unstrut eG
Blutender Mond und knackiger Frost | Umland
von hallelife.de | Redaktion

Minus zehn Grad Celsius zeigt das Thermometer am Montagmorgen in der Einzellage Müncherodaer Himmelreich. Nach einem frostigen Sonntag macht Bacchus nun ganze Sachen und spendierte den Winzern eine winterliche Steilvorlage. Da könne man nicht Nein sagen, kommentiert Olaf Jäger die idealen Bedingungen. Der Weinbauleiter der Gleinaer Agrargenossenschaft gibt 6:10 Alarm und rund 20 Helfer treffen nur zwanzig Minuten später an dem Weinberg zwischen Müncheroda und Zscheiplitz ein.

Da herrscht noch nächtliche Dunkelheit, allerdings wacht ein blutroter voller Mond über der ungewöhnlichen Lese. Traktorenscheinwerfer leuchten in die vier Reihen Riesling, die vorsorglich in blaue Netze verhüllt waren. „Sonst hätten uns die Vögel die Arbeit abgenommen“, ist sich Olaf Jäger sicher.

So aber füllen die Lesehelfer mit klammen Fingern Eimer für Eimer mit durchgefrorenen runden Beeren. Anderthalb Stunden später kommen so 400 Kilogramm zusammen, die dann schleunigst zur Verarbeitung in die Keller der Winzervereinigung transportiert werden. „Das Lesegut darf nicht auftauen“, beschreibt Geschäftsführer Hans Albrecht Zieger das wichtigste Prinzip bei diesem frostigen Akt. „Denn wir wollen ja nur den ungefrorenen Extrakt aus den Beeren, das gefrorene Wasser soll gefälligst draußen bleiben!“

Entsprechend schnell und behutsam muss die Presse arbeiten, bis der sirupartige und hochsüße Most endlich in die Auffangwanne getropft ist. Bis gegen 11 Uhr fließen so 120 Liter zusammen. Das sei ordentlich, meint der Chef der Genossenschaft, sie seien von dieser Einzellage auch schon mal mit Beeren für magere 40 Liter zurückgekehrt. Aber diesmal stimme die Statistik, zu der auch die stolzen 172 Grad Oechsle gehörten, die der Most auf die Zuckerwaage brachte. „Das verspricht ein toller Eiswein zu werden, der jetzt aber erst einmal gären muss, bevor wir ihn im Frühjahr auf die Flaschen ziehen.“ Gerade rechtzeitig, freut sich Zieger, denn diese Rarität aus früheren Jahrgängen sei ausverkauft. Kein Wunder, denn nicht jedes Jahr belohnt die Natur das Warten auf den Frost. 2017 blieben beispielsweise die tiefen Temperaturen aus und die kleinen 0,375-Liter-Eisweinflaschen ungefüllt.

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