Damals, als es in Merseburg ein Gefangenenlager gab

Foto Sven Götze
Studenten entführen Interessierte in auditive Zeitreise | Umland
von hallelife.de | Redaktion

Über 100 Jahre ist es her - auf den Tag genau fast 106 - da wurde am südlichen Ende von Merseburg der Grundstein für einen dunklen Teil der lokalen Geschichte gelegt. Dort, wo heute Gartenfreunde zur Erholung kommen und die Ruhe genießen, wurde seinerzeit ein Gefangenenlager errichtet. 10.000 Personen sollte es fassen. Das Merseburger Kriegsgefangenenlager war eines von 96 Mannschaftslagern im Ersten Weltkrieg.

Noch heute liegt der Schwerpunkt in der geschichtlichen Aufarbeitung eher in der Zeit des Nationalsozialismus. Die Epoche ab 1871 (Gründung des Deutschen Kaiserreichs), spätestens mit Kriegsbeginn 1914 bis zum Ende der Weimarer Republik, wird eher spärlich behandelt.

Eine auditive Zeitreise in das Jahr 1914

Studierende der Hochschule Merseburg wollen dies nun ändern. Nachdem das kulturhistorische Museum Merseburg sich die Aufgabe gestellt hat, dieses eher wenig beleuchtete Kapitel der deutschen und vor allem lokalen Geschichte wissenschaftlich aufzuarbeiten, wurde den fleißigen Hochschülern u. a. ein Tagebuch eines französischen Häftlings zur Verfügung gestellt, aus welchem Passagen nun übersetzt und vertont wurden. Mit viel Akribie entstand im Ergebnis ein Audiowalk, der Vergessenes und Unbekanntes hautnah erlebbar macht und am 19. September erstmals unter der Führung der Autoren stattfand.

Alle Geschichtsinteressierten sind weiterhin eingeladen, sich auf eine Reise in die Vergangenheit zu begeben. Am sowjetischen Ehrenfriedhof, der inzwischen eine Gedenktafel erhalten hat, beginnend, führt die Reise durch die Kleingartensparte Pappelallee e. V. - jenes Gelände, auf dem bis 1921 insgesamt 40.000 Häftlinge bis 1921 untergebracht wurden, von denen 800 starben.

Für den Audiowalk ist entweder ein Mobiltelefon mit Internetverbindung und QR-Code-Leseapp erforderlich oder der vorherige Download der Sprachdateien von der Internetseite der Hochschule (mp3-Format).

Die Kleingartensparte feiert im Frühjahr 2021 übrigens ihr 90-jähriges Bestehen. Was genau geplant ist, das ließ sich noch nicht erfahren. Wir sind gespannt und werden spätestens dann noch einmal vorbei schauen.

 

Links

Hochschule Merseburg: https://www.hs-merseburg.de/studium/studiengaenge/angewandte-medien-und-kulturwissenschaft/projekte/auditive-zeitreise/

Gefangenenlager: https://merseburghistory.com/2018/08/22/gefangenenlager/

Sowjetischer Ehrenfriedhof: https://merseburg.im-bild.org/fotos/friedhoefe-ruhestaetten/sowjetischer-ehrenfriedhof

Kleingartensparte Merseburg Süd e. V. „Pappelallee“: http://gartensparte.merseburg-sued.de/

Merseburger Altstadtverein e.V.: http://www.merseburger-altstadtverein.de/de/

Kulturhistorisches Museum Schloss Merseburg: https://www.merseburg.de/de/stadt-merseburg/kulturhistorisches-museum-schloss-merseburg-20004976.html

 

Autor S. Götze

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