Die glückseligen Zwillinge – The blissful Twins - Premiere bei den Händel-­Festspielen

Anne Schneider und Julia Kirchner_c_Maik Schuck
Löwengebäude | Musik & Film
von hallelife.de | Redaktion

Die Händel-Festspiele Halle präsentieren in diesem Jahr eine Rarität mit einer bemerkenswerten Inszenierung: „Die glückseligen Zwillinge – The blissful Twins“ feiern am 3. Juni, 15 Uhr im Löwengebäude der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg Premiere.

In dem szenischen Konzert erklingen Georg Friedrich Händels Vertonungen von Texten des im 18. Jahrhundert berühmten Dichters John Milton: die Music for Comus HWV 44, Auszüge von Miltons arkadischer Dichtung L‘Allegro, il Penseroso ed il Moderato sowie Sätze aus dem Concerto grosso op. 6 Nr. 1. Das junge mitteldeutsche Barockensemble scenitas mit den beiden Sopranistinnen Julia Kirchner und Anne Schneider sowie dem Bassisten Andrey Akhmetov entführt in den Salon eines bürgerlichen Haushalts des 17. Jahrhunderts mit barocken Kostümen von Niels Badenhop und historischer Gestik. Regie führt die belgische Regisseurin, Tänzerin und Choreografin Sigrid T’Hooft, international ausgewiesene Expertin für barocken Tanz und Körpersprache des 17. und 18. Jahrhunderts.

Andrey Akhmetov2 ©Gaetano Calabrese

Andrey Akhmetov©Gaetano Calabrese

Heute nahezu selbstverständlich ist die Aufführung von Barockopern mit historischem Instrumentarium. Die Inszenierung hingegen erfolgte über lange Zeit im Sinne des modernen Regietheaters. Erst seit kurzem wird versucht, die Gestensprache der Barockzeit anhand von Rhetorik-Lehrbüchern des 18. Jahrhunderts und aus zeitgenössischen Gemälden wieder erlebbar zu machen. In der barocken Bühnenkunst durften Gefühle nur kontrolliert gezeigt werden. Für jede Emotion stand dem Sänger ein Setting an Gesten zur Verfügung: ein Blick, die Verlagerung des Körperschwerpunktes, eine gezielte Geste zum Unterstreichen des Textes.

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Anne Schneider und Julia Kirchner - Foto: c Maik Schuck

Im Zentrum der fiktiven Szenerie steht der englische Dichter John Milton (1608–1674). Umstritten und berühmt wegen seiner religiösen Dichtung „Paradise Lost“ lebt er gemeinsam mit zweien seiner Töchter. Getreu der barocken Tradition des Pasticcios kombiniert das Barockensemble scenitas Ausschnitte aus Händels L‘Allegro, il Penseroso ed il Moderato und  Music for Comus neu und rückt die Musik in den neuen Kontext des bürgerlichen Familienlebens von John Milton. Dadurch entsteht mit „The blissful Twins“ ein  szenisches, poetisch-musikalisches Konzert, das gelegentliche Rezitationen dem gesungenen Wort gegenüber stellt.

 

+++++MITWIRKENDE++++++

Regie: Sigrid T’Hooft
Kostüme: Niels Badenhop

Tochter: Julia Kirchner, Sopran
Tochter: Anne Schneider, Sopran
John Milton: Andrey Akhmetov, Bass

Barockensemble scenitas
Barockvioline und -viola: Anne Schumann, Friederike Lehnert, Rahel Mai, Amber McPherson, Magdalena Schenk-Bader, Helga Schmidtmayer
Barockoboe: Robert Herden, Natalia Herden
Horn: Elliot Seidman
Barockcello: Isolde Winter
Violone Felix Görg
Harfe: Vera Schnider
Cembalo: Thomas Leininger

Aufführungsdauer: 75 Minuten, keine Pause
Tickets: 30 Euro
Freie Platzwahl

 

 

+++++PROGRAMM++++++

Georg Friedrich Händel (1685–1759)

A tempo giusto – Allegro
aus dem Concerto grosso in G-Dur op. 6 Nr. 1 HWV 319

„There in blissful shades and bow’rs“ HWV 44
Musik zum Schauspiel „Comus“ (1634)
Textdichter: John Milton

L‘Allegro, il Penseroso ed il Moderato HWV 55
Auszüge aus dem Oratorium in drei Teilen
Libretto: John Milton (1632), bearbeitet und um „Il Moderato“
ergänzt von Charles Jennens

 

 

+++++BIOGRAFISCHES++++++

Barockensemble scenitas

„Traumwandlerisch sicher ihre Interaktion zu den grandiosen Musikern auf der Empore. Einfach überwältigend schön!“ (Ostthüringer Zeitung, 6.7.2015)

Die tiefe Schönheit der barocken Gesten sogen die beiden Sängerinnen Julia Kirchner und Anne Schneider von der Expertin für historische Bühnenkunst Sigrid T'Hooft u.a. während der Händel-Akademie Karlsruhe 2011 begeistert auf. Diese Liebe zur barocken Szenensprache wollten sie nicht lassen und scharten Instrumentalisten um sich. Das so entstandene Barockensemble scenitas ist ein junges Ensemble bestehend aus Absolventen aus Leipzig, Weimar und Basel, das sich der historisch informierten Aufführung – sowohl im musikalischen als auch im darstellerischen Sinne – barocker Werke widmet. Das Debüt-Projekt, die barockgestische Inszenierung der Kantate „Aminta e Fillide“ von Georg Friedrich Händel, wurde 2015 als Koproduktion der Händelfestspiele Halle und dem Liebhabertheater Schloss Kochberg mit großem Erfolg realisiert (Regie: Sigrid T'Hooft, Kostüme: Niels Badenhop). Weitere Aufführungen folgten 2016 im Liebhabertheater Schloss Kochberg sowie im Speicher am Kaufhauskanal in Hamburg. Ebenso erhielt scenitas eine Einladung zur Bach Biennale Weimar.

www.scenitas.com

Julia Kirchner

Die Sopranistin Julia Kirchner studierte klassischen und historischen Gesang, Gesangspädagogik, Liedinterpretation und Romanistik in Leipzig, Basel, London, Rom und Weimar. Zu ihren Lehrern zählten Jeanette Favaro-Reuter und Ulrich Messthaler, zudem erhielt sie wichtige Impulse von Margreet Honig und Susanne Scholz. Engagements führten die Solistin in zahlreiche Länder Europas, auf internationale Festivals wie La Chaise-Dieu, Ambronay und Musique & Mémoire, styriarte Graz, Anima Mundi Pisa, AMUZ Antwerpen und die Schwetzinger Festspiele. Sie arbeitete mit Dirigenten wie Sigiswald Kuijken, Konrad Junghänel, Manfred Cordes, Roland Wilson, Michael Schneider, Frieder Bernius sowie Pablo Heras-Casado und mit Ensembles wie Cantus Cölln, Weser-Renaissance Bremen, Balthasar- Neumann-Chor & -Solisten, La Capella Ducale & Musica Fiata, Les Timbres und Camerata Bachiensis. Ihr besonderes Engagement gilt der Alten Musik, der historisch informierten Bühnenkunst sowie dem Lied. Die Sopranistin ist Preisträgerin und Finalistin diverser internationaler Wettbewerbe. Rundfunkund Fernsehaufzeichnungen sowie CD-Produktionen dokumentieren ihr künstlerisches Schaffen.

www.juliakirchner.com

Anne Schneider

Nach musikalischen Anfängen an der Musikschule Dessau und der Musikhochschule Augsburg studierte Anne Schneider klassischen Gesang bei Barbara Ebel und Siegfried Gohritz an der Musikhochschule Weimar. Dr. Rebecca Stewart und Maurice van Lieshout machten sie mit der Alten Musik vertraut und öffneten ihre Ohren für die vielen Klangwunder. Wichtige Impulse waren Meisterkurse für (Historischen) Gesang und Historische Aufführungspraxis bei Jessica Cash, Peter van Heyghen, Stephan Mai und Sigiswald Kuijken. Fasziniert von der barocken Bühnensprache widmet sie sich mit ihrem Ensemble scenitas und in enger Zusammenarbeit mit der Barockgestik-Spezialistin Sigrid T'Hooft der szenischen Aufführung barocker Werke. Neben der Alten Musik begeistert sie die Musik von Kurt Weill, die sie mit der Akkordeonistin Susanne Stock aufführt. Als Solistin war sie bei verschiedenen Festivals zu Gast bei: Meraner Musikwochen, Valletta International Baroque Festival, Internationale Orgelwoche Nürnberg, Wittenberger Renaissance Musikfestival, Kurt Weill Fest Dessau. Anne Schneider singt u.a. mit dem Huelgas Ensemble, Josquin Capella, all'improvviso, Concert Royal Köln und der Lautten Compagney.

www.anneschneider.org

Andrey Akhmetov

Der Russische Bass-Bariton Andrey Akhmetov studierte Gesang bei Nikolai Dumtzev in Sankt Petersburg und schloss 2016 sein Masterstudium mit Fach Barockgesang bei Prof. Kai Wessel an der Kölner Musikhochschule mit Auszeichnung ab. Im Jahr 2012 war er Preisträger des III. Schtokolovs Internationalen Gesangwettbewerbes. Seit 2010 singt Andrey als Solist in Ensembles für Alte Musik, darunter Barocco Concertato, Ludus Instrumentalis, Poket Simphony und barockwerk Hamburg. Als Solo- und Ensemblesänger arbeitete er mit Dirigenten wie Marcus Creed, Peter Neumann, Hans-Christoph Rademann, Andrew Lawrence-King und Alessandro Quarta zusammen. Andrey Akhmetov gastierte bereits in der Kölner Philharmonie, in der Philharmonie in Sankt Petersburg und am Aachener Theater, wo er sein Operndebüt in Mozarts La Finta Giardiniera hatte und konzertierte in Festivals wie Bachfest Leipzig, Musikfest Stuttgart, beim Festival ‘Early Music‘ in Sankt Petersburg und beim Kölner Fest für Alte Musik. Andrey nahm an Meisterkursen bei Jelena Obraszowa, Dame Emma Kirkby, Peter Kooij teil und arbeite an barocker Gestik mit Danila Vedernikov, Soetkin Elbers und Sigrid T’Hooft.

 

Sigrid T'Hooft

Die aus Gent (Belgien) stammende Sigrid T'Hooft begründete und verbreitete seit den frühen 90er Jahren ihren Ruf als Choreografin und Regisseurin für Musik- und Tanztheater. Mit der Inszenierung von G. F. Händels Radamisto 2009 am Badischen Staatstheater Karlsruhe gelang ihr der Durchbruch, und ihre neuartige Theatersprache, die auf der historischen Aufführungspraxis basiert, wurde auf den internationalen Bühnen bekannt. Ihre Arbeit gilt derzeit als wichtiger Katalysator und künstlerische Inspiration im Bereich der jetzigen Inszenierungsstile des frühen Opernrepertoires. T‘Hooft inszenierte zahlreiche Wiederentdeckungen sowie eine Vielzahl von theatralisch gestalteten Konzerten und Musikhochschulproduktionen. Neben dem großen Opernrepertoire des 18. Jahrhunderts erstreckt sich ihre Regiearbeit, die häufig von ihrer Tanzkompanie Corpo Barocco begleitet wird, auch auf die Romantik und das Sprechtheater. Ihre Arbeit war u.a. auf Bühnen in Deutschland, Schweden, Norwegen, Frankreich, Malta und Russland zu sehen. Sigrid T’Hooft unterrichtete Gestik und historischen Tanz an Musikhochschulen wie Gent, Basel, Brüssel, Leipzig, Trossingen und Den Haag. Darüberhinaus ist sie gern gesehener Gast auf internationalen wissenschaftlichen Konferenzen, die sich mit dem Thema Barocktheater heute beschäftigen.

www.corpobarocco.be

 

Niels Badenhop begann zunächst eine Lehre als Theaterschneider, die er am Schillertheater Berlin abschloss. Danach studierte er in Berlin Theater-und Musikwissenschaften, Gesang bei Andreas Wernicke und Giovanni Anaya, sowie klassischen Tanz bei Vladimir Gelvan. Er spezialisierte sich früh auf das Repertoire vor 1800 durch Masterclasses für Musik u.a. bei Emma Kirkby, Stephen Stubbs, in historischem Tanz u.a. bei Ana Yepes und Beatrice Massin, Comedia de'll Arte bei Eleonora Fuser und David Zurbuchen, Schauspiel bei Roger Hyam/ Royal Shakespeare Company. Heute lebt und arbeitet er in Berlin. Er konzertiert als Gesangssolist oder mit seinem Ensemble Celeste Sirene an der Harfe im In- und Ausland, er unterrichtet Historischen Tanz an den Hochschulen Linz, Frankfurt und Bremen - historische Gestik in Leipzig. Zudem ist er ein gefragter Regisseur für historisches Theater und als Kostüm- und Bühnenbilder vor allem für stilgetreue, historische Aufführungen bekannt.

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