Matthias BAADER Holst - Materialbuch

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Rezension | Kunst & Kultur
von Tobias Fischer

„Matthias“ Baader Holst (1962 - 1990) war einer der interessantesten Untergrundpoeten der DDR. In Halle verbrachte der Frühverstorbene einen großen Teil seiner Kindheit und Jugend. In den letzten Monaten brachte der Hasenverlag mit „hinter mauern lauern wir auf uns“ (Tom Riebe) und „Das Desinteresse“ (Peter Wawerzinek) bereits zwei Publikationen heraus, um den fast vergessenen Sohn der Saalestadt wieder ins Bewusstsein zu bringen

Matthias BAADER Holst - Materialbuch

„Matthias“ Baader Holst (1962 - 1990) war einer der interessantesten Untergrundpoeten der DDR. In Halle verbrachte der Frühverstorbene einen großen Teil seiner Kindheit und Jugend.

In den letzten Monaten brachte der Hasenverlag mit „hinter mauern lauern wir auf uns“ (Tom Riebe) und „Das Desinteresse“ (Peter Wawerzinek) bereits zwei Publikationen heraus, um den fast vergessenen Sohn der Saalestadt wieder ins Bewusstsein zu bringen. Nun ist (pünktlich zum 50. Geburtstag des Dichters) ein umfangreiches Materialbuch erschienen. Es wurde im Kontext zu den Ausstellungen zu „Matthias“ Baader Holst im Stadtmuseum Halle (2010), der „Roten Fabrik“ Zürich (2011) und dem Künstlerhaus Bethanien Berlin (2011) herausgebracht.

Das vorliegende Materialbuch zeigt neben zahlreichen bisher unveröffentlichten Fotos und Dokumenten vor allem vorhandenes Nachlassmaterial. Da sind Fotos aus der Kind-heit und Jugend sowie persönliche Aufzeichnungen, Notizen und Zeichnungen aus verschiedenen Heften von Baader Holst. Auch zahlreiche Collagen und Performancefotos der künstlerisches „Terroristen- Duos“ Baader Holst und Wawerzinek findet der Leser.

Im Mittelpunkt stehen einige poetische Texte, die 1987 in Halle entstanden. Hier äußerte Baader Holst seine anarchistischen Ansichten (z.B. „nur ein toter dichter ist ein guter pro-duktionsarbeiter“), die mit ihren Wortkaskaden aber auch immer ein Stück Ironie und Exo-tisches beinhalten.

Diese Originaldokumente werden von einigen Texten begleitet. So erinnert sich der Vater an seinen Sohn, der konsequent so lebte und handelte, wie er es für richtig hielt. Der Leipziger Kunstkritiker Christoph Tannert schildert noch einmal an die produktiven Monate des unvergleichbaren literarischen BAADER-Wawerzinek-Doppels, während Herausgeber Peter Lang ein Interview mit dem hallischen Schriftsteller Peter Winzer führt, der 1985 gemeinsam mit Baader Holst die Untergrundzeitschrift „Galeere“ herausbrachte, die nach der dritten Nummer verboten wurde.

Highlight des bemerkenswerten Materialbuches ist eine beiliegende Schallplatte. Die A-Seite ist dabei ein einmaliges Tondokument von einem Hoffest 1988 im Objekt 5 mit Baa-der Holst und der Gruppe „Sex Revolte Underground“. Die B-Seite dagegen bringt einige Baader-Holst-Text vorgetragen von verschiedenen Künstlern (u.a. Moritz Götze).

Das Materialbuch, in einer limitierten Auflage von 700 Stück erschienen, ist eine künstle-risch anspruchsvolle Publikation, die den Untergrundpoeten „Matthias“ BAADER Holst und seine radikale Kunstperformance authentisch und wirkungsvoll vermittelt.

(Manfred Orlick)

Moritz Götze u. Peter Lang, „Matthias BAADER Holst - Materialbuch“, Hasenverlag Halle/Saale 2011, 29,95 €, 128 S. incl. Langspielplatte, ISBN 978-3-939468-68-4

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