Händel mit 100 Gesichtern

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Ausstellung | Kunst & Kultur
von Tobias Fischer

(ens) Heftige Diskussionen gab es vor zwei Monaten, als Bernd Göbel seine Händel-Medaille vorstellte: Händel kahlgeschoren, ohne seine mächtige Perücke. Und wer weiß, vielleicht sah Georg Friedrich Händel tatsächlich so aus? Eins jedenfalls ist klar: Händel-Porträts gibt es viele. Doch nur vier sind auch nachgewiesenermaßen zu Händels Lebzeiten entstanden

Händel mit 100 Gesichtern

(ens) Heftige Diskussionen gab es vor zwei Monaten, als Bernd Göbel seine Händel-Medaille vorstellte: Händel kahlgeschoren, ohne seine mächtige Perücke. Und wer weiß, vielleicht sah Georg Friedrich Händel tatsächlich so aus? Eins jedenfalls ist klar: Händel-Porträts gibt es viele. Doch nur vier sind auch nachgewiesenermaßen zu Händels Lebzeiten entstanden. Und auf eben jenen vier Porträts, unter anderem der Kupferstich von Jacob Houbraken und ein von Louis-Francois Roubiliac geschaffenes Denkmal (beide 1738) und allen voran das 1749 entstandene Ölgemälde von Thomas Hudson, bauen die meisten danach entstandenen Abbildungen des Komponisten auf. Und dabei zeigt Hudson nicht unbedingt das wahre Gesicht Händels. Denn der Auftraggeber, kein geringerer als Händel selbst, ließ das Bild noch einmal überarbeiten.

Was bei all den späteren Werken auffällt: wie sich über die Jahre das Erscheinungsbild doch geändert hat. Genau diesen Veränderungen, “Verfälschungen”, wie es Ausstellungskurator und Kustos des Grafischen Kabinetts Michael Freitag nannte, widmet sich die neue Ausstellung “Georg Friedrich Händel im Bilde. Wanderungen eines Motivs”, die am Samstagnachmittag in der Moritzburg in Halle (Saale) ihre Pforten öffnete. “Der Verfall des Bildsinns setzte schon unmittelbar nach dem Tod ein”, erklärte Freitag.

Der Besucher erlebt in der Ausstellung mit, wie sich über all die Jahre das Bild des wohl berühmtesten Sohnes der Stadt geändert hat. “Wir zeigen, wie sich die vier Ursprungsbildnisse im Laufe des Jahre gewandelt haben, wie sie verunkenntlicht worden”, so Freitag. Die Palette der Exponate ist dabei groß, angefangen von Punktierstichen aus dem 18. und 19. Jahrhundert über Gemälde, Plakate, Kaffeepötte, Münzen bis hin zu Skulpturen und Kitsch. Einen ganz besonderen Platz in der Ausstellung hat ein Händel-Teddy bekommen. Rund 150 Ausstellungsstücke sind zu sehen. “Eine bildreiche, emotionsgeladene Ausstellung”, verspricht Kustos Michael Freitag. “Und frech ist sie auch, weil genau.” Freitag zeigte sich sicher, dass man mit der Ausstellung ein breites Publikum ansprechen kann. “Wir befriedigen die Bedürfnisse vieler.”

Ein bisschen stolz ist man in der Moritzburg auch, dass nun mit der Ausstellung auch viele Werke in die Moritzburg zurückkehren. Denn in der ehemaligen Residenz der Magdeburger Erzbischöfe begann vor 70 Jahren die Händelpflege in Halle. Nach dem zweiten Weltkrieg wurden viele Sammlungsstücke in andere Museen verteilt, wie das Händelmuseum oder das Stadtarchiv. Da ist für Kurator Freitag klar: “Die Moritzburg besinnt sich auf seine eigene Tradition, auf den Kern der Sammlungsgeschichte.”

Der Besucher schreitet in der Schau gewissermaßen von einer Attrappe zur anderen., vorbei an der “Kopie, der Kopie von der Kopie”, so Freitag. Für ihn interessant zu sehen, wie sich ikonografische Darstellungen gestern und heute präsentieren und unterscheiden. Der Rückbezug auf die Originale findet immer unbewusster oder kenntnisloser statt. So scheinen die Urbilder als tradierte Formen zwar immer durch, aber sie zeigen nur noch die Typologie. Machen auch Sie sich ein eigenes Händel-Bild - noch bis 12. Juli immer Dienstags von 10 bis 20.30 Uhr und Mittwochs bis Sonntags sowie an Feiertagen von 10 bis 18 Uhr in der Moritzburg.


Serie von Händel-Plakaten


Händel in der Massenproduktion für Touristen - hier als Teddy


Händel-Büste


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