Exhibition für die Ohren

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Ausstellung | Kunst & Kultur
von Tobias Fischer

(jul) 85 Jahre ist es her, dass Hans Fleschs mit seinem Beitrag „Groteske Zauberei auf dem Sender“ das erste deutsche Hörspiel ins Radio brachten. Seitdem hat das Radiodrama viele Entwicklungsphasen durchgemacht und war zuletzt etwas in die Jahre gekommen und angestaubt. Mit der zunehmenden Verbreitung von mobilen Abspielgeräten und dem Revival des Hörbuches erlebte das Genre jedoch eine Renaissance, wie Golo Föllmer, Juniorprofessor am Departement für Medien- und Kommunikationswissenschaften der MLU erklärt

Exhibition für die Ohren

(jul) 85 Jahre ist es her, dass Hans Fleschs mit seinem Beitrag „Groteske Zauberei auf dem Sender“ das erste deutsche Hörspiel ins Radio brachten. Seitdem hat das Radiodrama viele Entwicklungsphasen durchgemacht und war zuletzt etwas in die Jahre gekommen und angestaubt. Mit der zunehmenden Verbreitung von mobilen Abspielgeräten und dem Revival des Hörbuches erlebte das Genre jedoch eine Renaissance, wie Golo Föllmer, Juniorprofessor am Departement für Medien- und Kommunikationswissenschaften der MLU erklärt. Innerhalb eines Universitätsseminars widmete er sich deswegen mit 25 Studierenden dem Hörspiel, wobei rund um das Thema verschiedene Projekte entstanden sind.

Damit diese nicht mit Ende des Semesters in der Schublade verschwinden, reifte bei den Beteiligten die Idee, alle Projekte innerhalb einer Ausstellung zusammen zu bringen und mit einer wissenschaftlichen Aufbereitung der Hörspielgeschichte zu präsentieren. Sukzessive wurde dieses Projekt dann entwickelt und voran getrieben, wobei sich bald zeigte, dass die Organisation der Ausstellung weit ausschweifender und zeitintensiver wurde, als anfangs gedacht. Sämtliche Aufgaben lagen dabei in den Händen der Studenten, die von Professor Föllmer unterstützt und beraten wurden. Das sich das Engagement gelohnt hat, ist allein schon dessen lobenden Worten zu entnehmen. Auf die Frage, ob den seine Erwartungen mit der nun fertigen Ausstellung erfüllt wurden, antwortet Föllmer: „Nein, sie wurden sogar übertroffen.“

Und in der Tat ist Beachtliches in den Räumen des alten Fernsehstudio am Waisenhausring entstanden. Die Ausstellung mit dem Titel: „GEHÖRgang – hörspielgeschichte erleben“ hangelt zwischen Information und selber machen, zwischen wissenschaftlicher Betrachtung des Hörspiels, interaktiven Elementen und experimentellen Projekten. Neben dem visuellen Teil, der vor allem durch die vielen Info-Tafeln zum Thema Hörspiel repräsentiert ist, sind zahlreiche auditive Elemente in die Ausstellung integriert. So kann man zu den einzelnen Stufen der Genregeschichte ausgewählte Audiostücke hören, unter anderen auch einen Ausschnitt aus Orson Welles legendärem „The War of the Worlds“. Damit es aber nicht nur beim Hören fremder Produktionen bleibt, wird man an mehreren Stationen zum selber machen eingeladen, wobei neben dem Einsprechen von Texten, auch das Erzeugen einer entsprechenden Geräuschkulisse gefordert ist.

Dieser Ansatz findet sich auch in einem Schwerpunkt der Ausstellungskonzeption wieder. Einige Studierende gestalteten eine vom berühmtesten DDR-Hörspiel, dem Traumzauberbaum, inspirierte Kinderinsel, die bewusst auf die Belange der jüngeren Hörer eingeht. Hier kann man vorgefertigte Hörspielteile mit Geräuschen unterlegen. So zum Beispiel ein Feuerwerk, das mit Hilfe von Reis und Luftballons vertont wird. Außerdem bietet der Kinderbereich viel zum selber entdecken von Märchevertonungen über die Blockbuster des Genres, wie Bibi Blocksberg und Geheimtipps, die die Studierenden während ihrer Recherchen entdeckt haben. Dabei waren sie in Kindergärten unterwegs und haben sich mit Kinderhörspielproduzenten unterhalten, was innerhalb eines Features verarbeitet wurde.

Ein sehr experimenteller Teil der Ausstellung findet sich in einem kleinen Nebenraum des großen Studios, wo ein altes Radio mit vier verschiedenen Radioprogrammen gespeist wird. Das Projekt, das hier umgesetzt wurde, läuft unter dem Titel „lifestream“, was namentlich auf eine Internetanwendung verweist, bei der man sich Medieninhalte, wie zum Beispiel Radiosendungen, im World Wide Web anhören kann. Die Übertragung der Daten heißt „streamen“ und da das Hören unverzögert geschieht, nennt man die gesamte Anwendung livestream. Die Namensänderung dieser Technik im Titel des studentischen Projektes verweist wiederum auf den Inhalt des Radioprogramms. Ein Seminarteilnehmer hat an mehreren Orten seines täglichen Lebens Mikrofone angebracht, deren Aufnahmen via Internet (per livestream) direkt zur Ausstellung übertragen werden und von den Besuchern gehört werden können. Neben der hohen technischen Anforderung, steht bei diesem Projekts vor allem die Reflexion über Medien im Vordergrund, mit der zentralen Frage, wie sehr sie unsere Privatsphäre tangieren und wie viel wir eigentlich von uns preisgeben sollten.

Neben diesen warten aber noch viele weitere Projekte auf die Besucher. So führt zum Beispiel ein Audiowalk aus den Räumen des Studios hinaus in die nahe gelegenen Franckeschen Stiftungen, wo man eine Studentin bei Nachforschungen begleitet und mit ihr einer mysteriösen Maschine begegnet. Jeder Besucher bekommt dazu Kopfhörer und einen Mp3-Player, von denen insgesamt 50 Stück in der Ausstellung verwendet wurden. Für alle die auch nach den Besuch noch Hörspielgeschichte erleben möchten, wurde ein Begleitbuch gedruckt, dass auf knapp 100 Seiten durch die Welt der auditiven Erzählungen führt.

GEHÖRgang – hörspielgeschichte erleben
Vom 02. – 12. Juli täglich von 14 bis 20 Uhr
Zur langen Nacht der Wissenschaften am 03. Juli 14 – 24 Uhr geöffnet
Studio Halle, Waisenhausring 8, 06108 Halle (Saale)
Eintritt: 3 Euro
Ermäßigt: 1 Euro
Kinder und Jugendliche: Eintritt frei


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