1000 Jahre Halle - 1961

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Rezension | Kunst & Kultur
von Tobias Fischer

Halle ist wohl einmalig, denn keine andere Stadt hat es bisher geschafft, in 45 Jahren zweihundert Jahre zu altern. 2006 feierte man an der Saale das 1200jährige Jubiläum, obwohl die Stadt erst 1000 Jahre auf dem Buckel hatte. Noch heute streiten die Historiker und Experten, welche Urkunde oder welche Ersterwähnung aus grauer Vorzeit eigentlich zu einem Stadtjubiläum berechtigt

1000 Jahre Halle - 1961

Halle ist wohl einmalig, denn keine andere Stadt hat es bisher geschafft, in 45 Jahren zweihundert Jahre zu altern. 2006 feierte man an der Saale das 1200jährige Jubiläum, obwohl die Stadt erst 1000 Jahre auf dem Buckel hatte. Noch heute streiten die Historiker und Experten, welche Urkunde oder welche Ersterwähnung aus grauer Vorzeit eigentlich zu einem Stadtjubiläum berechtigt.

Sei es, wie es sei! Die älteren Hallenser werden sich noch an die 1000-Jahr-Feier vor fünfzig Jahren erinnern. In der Reihe der „Mitteldeutschen kulturhistorischen Hefte“ des Hasenverlages ist nun als Heft 24 eine reich illustrierte Darstellung dieser Feierlichkeiten erschienen, wobei der historische Festumzug von damals im Mittelpunkt steht.

Die Feierlichkeiten konzentrierten sich auf eine Festwoche mit verschiedenen Veranstaltungen, einen Festakt im Theater des Friedens, einer Großkundgebung auf dem Marktplatz und dem großartigen Festzug, der in 103 Bildern mit 6000 Beteiligten die Geschichte der Stadt zeigte. Veranstalter der Feierlichkeiten war zwar die Stadt, die Parteiführung der SED hatte jedoch das Sagen. Sie wollte das Jubiläum zum Anlass nehmen, um den „Sieg des Sozialismus“ zu beweisen.

Simone Trieder, die bereits in einigen Heften der beliebten Reihe spezielle Aspekte der hallischen Stadtgeschichte anschaulich vorgestellt hat, beleuchtet hier die politischen Hintergründe und organisatorischen Vorbereitungen des damaligen Stadtjubiläums. Der Untertitel „Kleine Abrechnung mit einem Irrtum“ verrät, dass es eine sehr kritische Auseinandersetzung mit den Feierlichkeiten ist. Leider gerät das mitunter zum Rundumschlag: da wurden ganze Brigaden zu Veranstaltungen geprügelt oder da hatten die Teilnehmer die historischen Kostüme in Empfang zu nehmen. Selbst Juri Gagarin bekommt sein Fett weg, weil er mit seinem Weltraumflug einige Wochen zuvor die sozialistische Steilvorlage gegeben hatte. Eine etwas abgeklärtere Kritik (auch auf dem Cover) hätte man sich an manchen Stellen gewünscht.

Neben diesem Begleittext weiß der Band vor allem durch die zahlreichen historischen Fotos des Stadtjubiläums zu punkten. Mitglieder des ehemaligen fotoclub-halle hatten den Festumzug umfassend dokumentiert. Ihre Fotoserien dienten als Grundlage für diese Publikation. Der bekannte hallische Fotograf Werner Schönfelder hat daraus eine aussagekräftige Auswahl getroffen.

Fazit: Mit diesem Heft leistet der Hasenverlag einen weiteren wichtigen Beitrag zur Stadtgeschichte, denn in dieser Ausführlichkeit und mit diesem bildlichen Umfang hat man eine Publikation zum 1961-Stadtjubiläum bisher vermisst.

(Manfred Orlick)

Simone Trieder: „1000 Jahre Halle - 1961“, Hasenverlag Halle/Saale 2012, Heft 24 der „Mitteldeutschen kulturhistorischen Hefte“, 13,80 €, 114 S., ISBN 978-3-939468-61-5

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