Sechs neue Infektionen, 489 Kontrollen, 10 Strafanzeigen - Informationen der Stadt Halle zum Corona-Virus

Stadt Halle | Gesundheit
von hallelife.de | Redaktion

Oberbürgermeister Dr. Bernd Wiegand, die Beigeordnete für Bildung und Soziales, Katharina Brederlow, und Amtsärztin Dr. Christine Gröger haben am Dienstag in einer Video-Pressekonferenz über die aktuelle Corona-Virus-Situation in der Stadt Halle (Saale) informiert. 

Das Video mit den Statements finden Sie auf halle.de unter Aktuelle Clips.

Die gesamte Pressekonferenz inklusive der Fragen der per Video zugeschalteten Medienvertreter finden Sie auf unserem YouTube-Kanal.

Hier das Statement des Oberbürgermeisters:

In der Stadt Halle gibt es aktuell 175 Infektionsfälle, gestern waren es 169. Die Zahl hat sich damit zum gestrigen Tag um sechs Fälle erhöht.

Zum aktuellen Stand im „Johannes Jänicke-Haus“ in der Burgstraße folgende Informationen: Hier gibt es nach wie vor 22 Bewohner und neun Mitarbeiter, die Corona-positiv getestet wurden. Der Gesundheitszustand eines Bewohners hat sich zwischenzeitlich verschlechtert, so dass er nunmehr im Krankenhaus behandelt werden muss. Es liegen aber immer noch nicht alle der 252 Test-Ergebnisse (152 Bewohner/100 Mitarbeiter) aus den Laboren vor.

Im Diakoniekrankenhaus wurde ein Arzt der Geriatrie Corona-positiv getestet. Alle Patienten und Mitarbeiter der Station werden heute getestet. Die Station wurde unter Quarantäne gestellt. Entlassungen von Patienten dieser Station sind daher momentan ausgesetzt.

Auch in der Einrichtung „Haus am Theater“ der Pflegewerk gGmbH wurde eine Pflegerin Corona-positiv getestet. Die 24 Bewohner wurden daraufhin ärztlich untersucht und getestet. Die betreffende Einrichtung wurde ebenfalls vollständig unter Quarantäne gestellt. Auch hier liegen die Test-Ergebnisse noch nicht vollständig vor. Die Rückmeldungen, die wir bislang erhalten haben, waren allesamt negativ.

Mit der Infektion von Bewohnern in Alten- und Pflegeheimen hat sich die Lage in der Stadt Halle deutlich verschärft.
Der Katastrophenschutzstab verfolgt deshalb eine konsequente Linie: Sobald in einem Heim Anzeichen für Symptome festgestellt werden, erfolgt die Testung aller Bewohner und Mitarbeiter. Betroffene Heime werden in diesem Fall zudem unverzüglich vorsorglich unter Quarantäne gestellt.

Wir wollen damit unserer Verantwortung nachkommen. Wir wissen – auch aus der tragischen Erfahrung in anderen Städten: Kein anderer Bereich bedarf einer so großen Sensibilität und Aufmerksamkeit wie der Pflegesektor. Deshalb gibt es inzwischen im „Johannes Jänicke-Haus“ in der Burgstraße beispielsweise zwei ärztliche Visiten am Tag.

In vielen Familien gibt es inzwischen Planungen, Familienangehörige für einige Zeit aus der Pflegeeinrichtung heraus in private häusliche Pflege zu nehmen. Als Oberbürgermeister zolle ich diesen familiären Initiativen den allergrößten Respekt. Die Stadt wird auch versuchen, durch private Pflegedienste unterstützend zur Seite zu stehen. Wir möchten allerdings auch auf einen wichtigen Punkt hinweisen: Die Überführung in die familiäre häusliche Pflege ist mindestens für die nötige Quarantänezeit von 14 Tagen zu gewährleisten – und sie kann für diesen Zeitraum nicht rückgängig gemacht werden. Die Pflegeeinrichtungen sind bereits so weit wie möglich abgeschottet, das muss zwingend so bleiben.

Zur medizinischen Versorgung in der Stadt:

In den Kliniken der Stadt befinden sich gegenwärtig 34 Personen in stationärer Behandlung. Das sind sechs Personen mehr als gestern. Weiterhin müssen drei Patienten beatmet werden.

Über die drei Schwerpunkt-Ambulanzen in der Stadt, die mobile Test-Station auf dem Parkplatz der Arbeitsagentur in der Schopenhauerstraße und den mobilen Fahrdienst der Kassenärztlichen Vereinigung wurden am gestrigen Montag 204 Abstriche durchgeführt.

Zu den Kontrollen am gestrigen Tag:

Die Ordnungskräfte von Stadt und Polizei haben gestern insgesamt 489 Kontrollen durchgeführt. Wieder mussten zehn Strafanzeigen gestellt werden, zwei wegen Quarantäne-Verstößen, drei gegen Geschäfte und fünf wegen unerlaubter Ansammlungen.

Inzwischen finden Gespräche statt, um diese Anzeigen in sogenannten beschleunigten Verfahren zu bearbeiten. Ich weise noch einmal darauf hin: Verstöße gegen die Anordnungen sind keine Kavaliersdelikte. Es sind Straftaten.
Auch die Polizei unterstützt die Stadt bei den Kontrollen der Quarantäne-Auflagen im Rahmen der Streifentätigkeit.

Zur Schutzausrüstung:

Die medizinische Schutzausrüstung in der Stadt Halle reicht für elf Tage. Es erfolgen immer wieder kleinere Nachlieferungen des Landes sowie eigene Beschaffungen der Stadt. Eine positive Entwicklung hat die Ausstattung mit Mund-Nasen-Schutzmasken genommen. Der Bestand liegt inzwischen bei 30250 Stück, sodass wir hier auch eine gezielte Ausstattung verschiedener Organisationen und Institutionen vornehmen können.

Ich möchte auch noch einmal auf die Initiativen hinweisen, die Schutzmasken selbst anfertigen. Im medizinischen Bereich sind solche Masken nicht zulässig, weil sie – so eine aktuelle Einordnung von Wissenschaftlern – nur einen etwa 40-prozentigen Filter-Schutz bieten. Zum Vergleich: Bei medizinischen Produkten liegt der Schutz bei weit über 90 Prozent. Die Stadt testet daher einige dieser selbst produzierten Masken gemeinsam mit dem Fraunhofer-Institut in Halle (Saale), um eine fundierte Einordnung zu bekommen, wo die jeweiligen Schutzprodukte eingesetzt werden können.

Neben den Werkstätten der Theater, Oper und Orchester GmbH unterstützen hierbei auch der Vietnamesische Verein und die Kunsthochschule Burg Giebichenstein. Studierende um Prof. Linda Baasch haben in den Werkstätten am Neuwerk einen Prototyp aus dem 3-D-Drucker entwickelt. Die Volkssolidarität in Halle (Saale) braucht für die Herstellung von Mundschutz-Masken noch dringend Material. Unter anderem werden kochfester Baumwollstoff, biegsamer Draht sowie Gummiband benötigt. Diese können in der Geschäftsstelle in der Reilstraße 54 unweit vom Zoo abgegeben werden.

Inzwischen sagen auch renommierte Virologen: Jeder Schutz in besser als kein Schutz. Wir wissen aber auch: Solche selbst hergestellten Masken suggerieren oft auch eine falsche Sicherheit. Eine Gewähr für den Schutz gibt es freilich nicht. Deshalb auch der deutliche Hinweis: Solche Masken ersetzen nicht die ausgerufene Kontaktsperre.

Liebe Hallenserinnen, liebe Hallenser,

die Stadt Halle hat von Anfang an konsequent gehandelt mit dem Ziel, die Pandemie kontrolliert zu bewältigen. Wann wir wieder zur Normalität zurückkehren können, hängt davon ab, wie sich die Zahlen der Infektionen und Todesfälle entwickeln. Aus heutiger Sicht kann es keine schnelle Entwarnung geben. Die Lage bleibt sehr ernst. In Halle hat sich zuletzt die Zahl der Corona-Infizierten binnen sechs Tagen verdoppelt. Zum Vergleich: Zu Beginn der Pandemie kam es in drei Tagen zu einer Verdoppelung. In den Krankenhäusern hat sich die Zahl der Patienten in vier Tagen verdoppelt.

Die Stadt Halle führt aktuell sehr viele Tests durch, andere Städte in Sachsen-Anhalt vergleichsweise weniger. Wichtig ist, dass die Wirtschaft nur möglichst kurz eingefroren bleibt. Deshalb arbeiten wir jeden Tag hart und bitten die Bürgerinnen und Bürger unserer Stadt, die Regeln zu befolgen. Je weniger COVID-19-Patienten in die Krankenhäuser eingeliefert werden müssen, desto eher kann die Wirtschaft wieder in Gang gebracht werden.

Noch ein Hinweis: Aufgrund der aktuellen Situation werden viele Familien in diesem Jahr möglicherweise keinen Urlaub machen können. Hier haben Sportvereine angeboten, in den Sommerferien verschiedene Camps durchzuführen. Die Stadt begrüßt dieses Engagement außerordentlich und wird dafür - sofern es die Lage bis dahin erlaubt - alle städtischen Sporthallen für die Vereine öffnen – auch in den Schulferien. Damit wollen wir auch das Vereinsleben stärken.

Am Ende bleibt wie immer mein wichtigster Wunsch: Bleiben Sie zu Hause! Verlassen Sie nur das Haus, wenn Sie es unbedingt müssen. Bleiben Sie gesund – und allen Erkrankten: Gute Besserung!

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