Spürbare Erholung der regionalen Wirtschaft

IHK-Konjunkturumfrage | Arbeitswelt - Sonstiges
von hallelife.de | Redaktion

Nach dem Corona-Schock im Frühjahr melden die Unternehmen im Süden Sachsen-Anhalts spürbare Zeichen der Erholung. Das zeigt die aktuelle Konjunkturumfrage der Industrie- und Handelskammer Halle-Dessau (IHK) zum dritten Quartal 2020. Der Geschäftsklimaindex, in den die Einschätzungen der Firmen zu Lage und Perspektiven zu gleichen Teilen eingehen, legt weiter zu und steigt wieder über die Nulllinie: Die IHK registriert also insgesamt mehr positive als negative Stimmen. Insbesondere die regionale Industrie meldet bessere Geschäfte als zuvor.

„Die Krise ist zwar keineswegs abgehakt“, analysiert IHK-Konjunktur­experte Danny Bieräugel, „aber der überwiegende Teil der Unternehmen hat die größten Schwierigkeiten – wenn auch mit schmerzhaften Ein­bußen – überwinden können.“ Die Erholung verlaufe zwar langsam, aber in erfreulicher Breite. Außer im Verkehrsgewerbe läge der Indexwert des Geschäftsklimas aktuell in allen Branchengruppen oberhalb der Nulllinie. „Allerdings bleiben jene Unternehmen deutlich pessimistisch, die weiterhin von Einschränkungen oder Kundenzurückhaltung betroffen sind.“ Bieräugel nennt die Veranstaltungsbranche sowie teilweise die Gastronomie und den Handel als Beispiele. IHK-Hauptgeschäftsführer Prof. Dr. Thomas Brockmeier mahnt deshalb mehr Augenmaß bei der Wirtschaftspolitik in Bund und Land an: „Es ist widersinnig, das zarte Pflänzchen Konjunktur erst teuer zu päppeln, um dann anschließend draufzutreten.“ Brockmeier wandte sich gegen aktuelle gesetzgeberische Vorhaben, mit denen Unternehmen auch unverschuldet in Haftung für Fehltritte von Mitarbeitern oder Lieferanten genommen werden sollen. „Auch ein ‚Recht auf Homeoffice‘ ist unnötig und lebensfremd. Ein Belastungsmoratorium wird gebraucht!“, fordert er.

Die Ergebnisse des IHK-Konjunkturberichtes im Einzelnen:

Die Industrie fasst wieder Tritt. Der Geschäftsklimaindex steigt deutlich an und liegt mit 3,6 Punkten jetzt wieder im positiven Bereich – nach -0,4 Punkten im Vorquartal. Damit überwindet die Branche die Zurückhaltung aus dem Sommer und trägt ein gutes Stück zur Gesamterholung bei. Die Industrieunternehmen melden eine deutlich bessere Gewinn- und Umsatzlage. Die Geschäftserwartungen hellen sich auf und die Planungen für Beschäftigung wie Investitionen sind nur noch leicht negativ.

Im Baugewerbe ist die Lage noch gut, der Ausblick aber skeptisch. Der Geschäftsklimaindex bleibt mit 11,8 Punkten konstant. Nach wie vor wirkt sich die Krise kaum auf die Bauunternehmen aus. Zwar sind Gewinne, Auftragseingänge und Umsätze erneut per Saldo zurückgegangen – angesichts eines soliden Auftragspolsters besteht aber bisher wenig Anlass zur Sorge. Die Erwartungen dagegen sind weiterhin erstaunlich pessimistisch. Sie drücken eine mittel- bis langfristige Skepsis aus.

In der Dienstleistungswirtschaft ist die konjunkturelle Entwicklung aktuell gepalten. Insgesamt gesehen erholt sich die Branche weiterhin vom Corona-Schock im Frühjahr. Mit 3,4 Punkten klettert der Geschäfts­klimaindex wieder über die Nulllinie – Lage und Erwartungen werden leicht besser eingeschätzt als noch im Sommer. Allerdings können nicht alle Unternehmen gleichermaßen profitieren: Während die Unternehmens­dienstleister vielfach wieder unbeschränkt tätig werden können, sind die Anbieter personenbezogener Dienstleistungen weiterhin eingeschränkt.

Im Handel stehen die Zeichen weiter auf Entspannung. Der Indexwert für das Geschäftsklima steigt auf 1,2 Punkte. Die Lage verbessert sich – rund ein Fünftel der Händler beurteilen sie aktuell noch als schlecht. Angesichts von Beschränkungen und Kaufzurückhaltung bleibt die Umsatzlage aber angespannt. Die Erwartungen hellen sich auf, allerdings nicht bei allen Unternehmen: Während Groß- und Einzelhandel optimistischer sind als zuletzt, bleibt der Kfz-Handel noch sehr pessimistisch.

Das Verkehrsgewerbe bewegt sich im Schritttempo aus dem sprichwörtlichen Tunnel. Aktuell verbessert sich nun auch hier der Geschäftsklimaindex, bleibt allerdings negativ: -13,3 Punkte. Sowohl die Lage als auch die Perspektive wird überwiegend kritisch eingeschätzt. Der Großteil der Unternehmen erwartet nur eine langsame Rückkehr zur Normalität und rechnet erst im Jahresverlauf 2021 – oder später – damit, das Vorkrisenniveau wieder zu erreichen.

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