Viel mehr tun: Wenn schon, denn schon

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Kommentar zur Umweltzone | Aktuelles

Das Klima wandelt sich. Die Regierungschefs der Länder dieser Welt jedenfalls scheinen darin inzwischen einig zu sein. Der Umwelt- und Klimaschutz steht also weit oben in der Agenda, wie nun auch aus Paris zu hören war. Fest steht: Ein stabiles Klima – auch auf menschlicher Ebene – ist überlebenswichtig. Die Zeiten, in denen Ökologie und Ökonomie unvereinbar schienen, nähern sich offenbar dem Ende. Doch der Kampf ist noch nicht ausgestanden, wie sich nicht zuletzt in Halle an der Saale an zwei Themen zeigt: Hochwasserschutz und Umweltzone. 

Von Brüssel kam das Thema Feinstaub nach Deutschland, wo Städte schrittweise Umweltzonen auswiesen. Quasi im letzten Augenblick folgte auch Halle an der Saale – mit der Minimalvariante. Die am meisten befahrenen Straßen in Nord-Süd- und Ost-West-Richtung blieben von der Pflicht zur Umweltplakette und entsprechenden Abgaswerten ausgenommen. Begründung der Stadt unter Oberbürgermeisterin Dagmar Szabados (SPD): Rücksicht auf die Belange der Wirtschaft. Nun will die Stadt unter Nachfolger Bernd Wiegand das Zönchen um ein My ausweiten. Derlei Weder-Fisch-noch-Fleisch-Entscheidungen waren im benachbarten Leipzig nicht zu sehen. Dort galt die Umweltzone von Anfang an für das gesamte Stadtgebiet. Die Komplettlösung der Sachsen ist – falls die Umweltzone überhaupt sinnvoll sein soll – absolut richtig. Wenn schon, denn schon!

 

Allerdings ist die Sinnhaftigkeit der Umweltzone grundsätzlich zu hinterfragen. Dafür gibt es gleich mehrere Gründe. Dass kleine Partikel die Gesundheit gefährden, scheint unstrittig. Wenn dem so ist, dann sind Regelungen für Autos, noch dazu so lückenhaft, wenig sinnvoll. Erstens entstehen feine Stäube ja nicht nur in Verbrennungsmotoren, sondern – schon an den Fahrzeugen selbst – zum Beispiel auch beim Bremsen und Ablagerungen auf den Straßen. Eher kaum im öffentlichen Bewusstsein ist, dass die Feinstaub-Konzentration im Abgas von Benzinmotoren höher ist, wenn diese mit Direkteinspritzung funktionieren, um den Kraftstoffverbrauch zu senken. Erst 2017 soll mit einer EU-Norm darauf reagiert werden. Zweitens kommen Feuerungsanlagen für Privathaushalte und Industrie, Baustellen, Schüttgutumschlag und natürliche Quellen wie etwa Pilze und Sporen oder Gesteinserosion hinzu. Drittens gar nicht behandelt werden in der Debatte die Feinstäube in Haushalten etwa durch filterfreie Staubsauger, Laserdrucker und Tabakrauch. Viertens: Durch den Skandal jüngst, wonach die Abgaswerte gleich bei mehreren prominenten Automarken manipuliert wurden, ergibt sich die Frage, ob in den Umweltzonen zahlreiche Fahrzeuge unterwegs sind, die dort unter ehrlichen Bedingungen nicht fahren dürften. Fünftens ist der steigende Einsatz der Nanotechnik (Nanopartikel) etwa in Farben und Lacken, auf Kleidungsstücken, in Sprays und Cremes in Hinblick auf das mögliche Freiwerden feinster Partikel kritisch zu bewerten.

 

Es bleibt anzumerken: Durch Umweltzonen wird der Feinstaub nur verlagert. Eine Lösung wäre aber nur die komplette Vermeidung der Belastung, soweit das möglich ist. Denn Feinstäube können enorme Strecken überwinden, weil die winzigen Partikel nur sehr langsam zu Boden sinken. Richtig ist also, sich intensiv um die Feinstaub-Reduktion zu kümmern. Umweltzonen, zumal wenn sie – wie in Halle an der Saale – nicht einmal die ganze Stadt erfassen, sind da ziemlich nutzlos.

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