Blinde Randale zerstört linke Ideale

Kommentar | Aktuelles
von Sari Berg

Die Gewaltexesse während des G 20-Gipfels in Hamburg haben die vielen friedlichen Demonstranten medial verdrängt, dem Ansehen der Linken geschadet, privates Eigentum sinnlos vernichtet und Politik und Polizei bloßgestellt. Hirnlose Idioten aus halb Europa haben die Arbeit vieler politischer Aktivisten zertrümmert. 

Doch diese kleine Clique Randalierer hat auch sichtbar gemacht, wie groß das Gewaltpotenzial in Deutschland und Europa inzwischen ist angesichts des allgemeinen Verfalls der Sitten, der wachsenden Kultur- und Identitätslosigkeit und wachsenden Schere zwischen Armen und Reichen. Wenn in Hamburg alle losgeschlagen hätten, die angesichts der heutigen Verhältnisse Wut im Bauch haben, wäre die Stadt in einem Feuersturm versunken wie in der Nacht vom 27. zum 28. Juli 1943, als angloamerikanische Bomben vom Himmel regneten.  

 

Jetzt nach dem Desaster wird wieder ganz viel Moralin verteilt, vorneweg eilt natürlich die Springerkanone. Katja Kipping (Kritik an der Polizei) und Sahra Wagenknecht (Verurteilung gewalttätiger Demonstranten) werden zitiert mit sich angeblich widersprechenden Positionen zur Gewaltursache. Dabei stimmen, den Bildern und differenzierteren Berichten nach zu urteilen, beide Aussagen: So kann sich erstes der marodierende Mob weder auf linke Standpunkte, noch auf politisches oder gar revolutionäres Handeln berufen und zweitens haben zumindest Teile der eingesetzten Polizei zur Eskalation beigetragen, indem sie einerseits friedliche Proteste attackierten, während sie an wirklichen Brennpunkten viel zu spät eingriffen. So war der Weg frei für maximale Zerstörung zu Lasten der Anwohner, Geschäftsleute, etlicher Autobesitzer und aller Steuerzahler.

 

Es war von Anfang an fahrlässig, den G 20-Gipfel in Hamburg durchzuführen, denn erstens war lange vorher klar, dass es harte Angriffe geben würde und zweitens lag auf der Hand, dass das Straßenlabyrinth der Millionenstadt nicht sinnvoll zu verteidigen war. Irgendeine gottverlassene Gegend, die leichter zu sichern gewesen wäre, hätte es auch getan. Die trotzige Reaktion von Innenminister Thomas de Maiziere, dass man sich von Gewalttätern nicht vorschreiben lasse, wo solche Gipfeltreffen stattfinden, ist schlicht fahrlässig. Denn das Beharren auf den eigenen Prinzipien haben einfache Bürger bezahlt, während die feinen Damen und Herren der politischen Elite und ihre Entourage mit einem martialischen Aufgebot ihre demokratische Legitimation unter Beweis stellten.

 

Die massive Abschottung der politischen Führungen vom Volk zeigte eindrücklich, wie weit die Staatslenker und ihre Finanziers des Großkapitals der Realität des Bürgers entrückt sind. Es gärt überall in diesem Land. Die brennenden Barrikaden krimineller Randalierer und Plünderer können versierte Beobachter des Geschehens nicht darüber hinwegtäuschen, dass die stille Opposition gegen die herrschenden Verhältnisse eine immer breitere Basis hat. Nur wohin sollen sich diese Menschen wenden, außer nach rechts, wenn immer wieder der Eindruck entsteht, das Linke das friedliche Zusammenleben nur stören und scheinbar nebenbei auf den Straßen in Leipzig, Berlin, Köln oder Hamburg das Erbe von linken Größen wie Karl Marx, Rosa Luxemburg und Käthe Kollwitz in Feuer und Rauch aufgeht.

 

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https://www.heise.de/tp/features/Gewalt-ist-eine-Loesung-leider-3425195.html

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