Außergewöhnliche Bestattung der Frühbronzezeit

Archäologie | Aktuelles
von Manfred Boide

Bestattungen von Säuglingen und Kleinstkindern in Friedrichsschwerz entdeckt.

Bei archäologischen Ausgrabungen wurden nach Angaben des Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt äußerst seltene Funde entdeckt. Die Abteilungsleiterin für Bodendenkmalpflege, Dr. Susanne Friedrich und Grabungsleiter Sergej Sitnikow sprechen von einer außerordentlichen Überraschung bei der Fundbeschreibung.

Es handelt sich um ein Säuglingsgrab aus der entwickelten Aunjetitzer Kultur [ab etwa 2.000 bis 1.550 vor Christus]. Die Funde wurden im Rahmen des Ausbaus der Autobahn A143 bei Friedrichsschwerz [Stadt Wettin-Löbejün, Saalkreis] entdeckt. Die runde, steinumstellte Grabgrube barg außerdem eine bronzene Armspirale in Erwachsenengröße. Innerhalb der stark hierarchisch gestalteten Aunjetitzer Gesellschaft, in der wohl nur die wenigsten Menschen überhaupt Grabbeigaben aus Bronze zustanden. Nach der Fundbeschreibung und der Art der Bestattung ist das ein Indiz dafür, dass das Kind einer Familie mit einer gehobenen gesellschaftlichen Position angehört haben muss. Eine Position, die das Kind aufgrund seines Alters nicht selbst errungen haben kann, sondern in die es hinein geboren wurde.

Vorgeschichtliche Bestattungen derart junger Kinder gehören zu den eher seltenen archäologischen Entdeckungen. Trotz der relativ hohen Säuglings- und Kindersterblichkeit in der vormodernen Zeit sind wenige Funde bekannt. Das hängt mit den schlechten Erhaltungsbedingungen für die zarten Skelette und mit den für Kleinkinder abweichenden Grabsitten zusammen. Nach Aussage des Landesamtes für Archäologie handelt sich bei der hier entdeckten frühbronzezeitlichen Bestattung um einen echten Glücksfall für die Forschung.

Außergewöhnlich ist auch die Beigabe der bronzenen Armspiralen. Auf Grund der Größe und Schwere ist anzunehmen, dass es sich um Schmuckstücke für Erwachsene handeln muss. Wenige Meter von der Bestattung fanden sich zudem die Reste zweier in den Boden eingetiefter, frühbronzezeitlicher Keramikgefäße. Hier könnte es sich um sogenannte Pithosgräber handeln, bei der der Leichnam in einem Vorratsgefäß beigesetzt wurde. Bei der vorläufigen Gesamtbewertung der Funde ist deshalb nicht auszuschließen, dass es sich hier nicht um ein einzelnes Grab, sondern sogar um eine kleine Grabgruppe handeln könnte. Die fortlaufenden Ausgrabungen werden sicher noch einiges ans Tageslicht bringen.

 

www.landesmuseum-vorgeschichte.de

 

 

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