Abriss ohne Sinn und Verstand

Kommentar | Aktuelles
von Sari Berg

Ohne Sinn und Verstand ist mit der Vernichtung des Planetariums auf der Peißnitz ein wichtiger Teil hallescher Stadtgeschichte unter der Führung von Halles Oberbürgermeister Bernd Wiegand zerstört worden. So gut es ist, nach vorne zu schauen, die Dinge neu zu ordnen, Versäumtes nachzuholen und Flutmittel zu nutzen, so fatal ist es, Halles Besonderheiten auf vermeintliche Leuchttürme zu reduzieren und nicht das Ganze zu sehen.

Da ist zum einen das denkmalwürdige Beispiel sozialistischer Moderne und zum anderen das Andenken an die großartigen Leistungen der Sowjetunion bei der Erforschung des Weltalls. Spektakulär waren der erste Raumflugkörper Sputnik 1957 und der erste Flug eines Menschen in den Kosmos 1961 durch Juri Gagarin. 1978 war schließlich Sigmund Jähn, Jagdflieger der DDR und erster Deutscher im All. Das nun zertrümmerte Planetarium in Halle trug den Namen des inzwischen 80-jährigen Vogtländers, der es als Rolle 2003 in den beliebten Film "Good Bye, Lenin!" schaffte.
 
Die im Falle des Künstlerhauses 188 irrwitzige Idee von OB Wiegand, das komplette Gebäude wegen des Stadtbahnprogramms verschieben zu wollen, wäre beim Planetarium gut begründet gewesen. Zum Schutz vor künftigen Hochwässern hätte man das Gebäude zum Beispiel einfach etwas anheben und mit einem neuen Fundament versehen können. Zumal es mit Herbert Müller ein Hallenser war, der die Stahlbeton-Halbschalen erfand, welche beim Bau des Planetariums großzügige Verwendung fanden. 
 
Halles Verantwortlichen in Verwaltung und Politik haben ein Objekt geopfert, das zahlreichen anderen Gemeinden in Ostdeutschland, etwa dem nahen Schkeuditz, mehr wert ist. Freilich lag nur das Planetarium in Halle topografisch so ungünstig im Überschwemmungsgebiet. Es nun einfach aufzugeben, obwohl es eine Initiative pro Planetarium gab, zeugt gleichwohl von Ignoranz und Kleingeist.
 
Eine aktuelle Umfrage zeigt: Die deutliche Mehrheit der Hallenser empfindet den Abriss des erst 2015 als Kulturdenkmal anerkannten Bauwerkes als Frevel. Doch mit dem Abriss bleibt der OB einer Linie treu, die auch schon für die Eissporthalle den Totalabriss bedeutete. Im Stadtrat, das muss man dabei leider sagen, fand die Abrissbirne hier wie da Gehilfen, die all zu gern im Entweder-Oder denken, statt im Sowohl-als-auch.
 
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