Protestaktionen gegen Schulschließungen vor dem Landtag

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von Tobias Fischer

Von Harzgerode geht der landesweite Protest aus Zu der am 12.06.2003 stattfindenden Landtagssitzung werden gg. 09.00 Uhr ca. 230 Eltern und betroffene Einwohner aus Harzgerode und dem Landkreis Quedlinburg und angrenzenden Landkreisen vor dem Landtagsgebäude am Domplatz in Magdeburg demonstrieren.

Protestaktionen gegen Schulschließungen vor dem Landtag

Aufgrund des Erlasses des Kultusministeriums zur Bildung von Anfangsklassen, kommt es nicht nur in der Unterharzregion um Harzgerode zu extremen Belastungen für die Schülerinnen und Schüler, sondern die gesamte Schullandschaft in Sachsen-Anhalt wird zerstört. Der Erlass unterläuft die Schulentwicklungsplanung der Landkreise, da die Anfangsklassen entgegen der Pläne in anderen Schulen gebildet werden. Dies bedeutet im einzelnen, dass in den Schulen ohne neu Anfangsklassen bald die Lichter ausgehen. Deshalb rufen die Eltern aus Harzgerode zum Protest auf. "Dies soll der Startschuss zum Protest gegen die Bildungspolitik der Landesregierung sein und alle Eltern und Einwohner werden aufgerufen aktiv mitzumachen", so Cornelia Bender und Heike Trog Elternvertreterrinnen des Gymnasiums Harzgerode. Sie können unter folgender Telefonnummer erreicht werden: 0174/3349829 oder 039484/41179 Heike Trog weiter: "Wir beziehen uns mit unseren Forderungen in Absprache mit dem Kreiselternrat Quedlinburg und dem Landeselternrat Sachen-Anhalt, um nur einige zu nennen, auf die Stellungnahme zum Entwurf Verordnung der Mittelfristigen Schulentwicklungsplanung vom 24.03.2003 und der Veröffentlichung des Verbandes Bildung und Erziehung in seinem Mitteilungsblatt vom 05.04.2003. Hier wurde die Aussetzung der mittelfristigen Schulentwicklungsplanung bis mindestens 2005 gefordert". Dieses Problem betrifft offensichtlich mindestens jedes zweite Gymnasium des Landes und jede zweite Sekundarschule! Wir stehen hier somit stellvertretend für Tausende betroffene Schüler, Eltern und Lehrer des Landes. Mit Schnellschüssen, wie in den vergangenen Wochen ist keinem gedient, vor allem nicht unseren Kindern. Stichwort „PISA-Studie“ sollte zeigen, das Bildungspolitik nur langfristig erfolgreich sein wird! Wir müssen, um langfristige und seriöse Entscheidungen treffen zu können, alle Beteiligten (Eltern, Schüler, Lehrer und Politiker) in den Prozess einbeziehen. Es kann nicht sein, dass der Schülerrat, der Elternrat übergangen wird, und dass betroffenen Lehrern unter Androhung drastischer Disziplinarmaßnahmen ein Maulkorb verpasst wird! Hintergrundinformationen: 1. Der Unterharz, mit Harzgerode als dessen Zentrum, ist nach wie vor ein bedeutender Industriestandort unserer strukturschwachen Region. Bisher war ein weiteres „Plus“, das alle Schulformen angeboten worden 2. Der im Grundgesetz nach Artikel 3 verankertes Gleichheits-Grundsatz und das Recht auf Bildung laut Schulgesetz Sachsen-Anhalt § 33 wird nicht mehr gewährt. 3. Aufgrund der langen, unzumutbaren täglichen Schulwegzeit werden sicher einige Eltern ihren Kindern dies nicht zumuten wollen. Sie nehmen lieber eine andere, als die gymnasiale Schulbildung ihrer Kinder in Kauf! 4. Der Schulweg der zukünftigen Schüler der 5. und 7. Klasse mit öffentlichen Verkehrsmitteln z.B. von Güntersberge nach Ballenstedt bei günstigen Verkehrsbedingungen beträgt bei günstigsten Bedingungen mehr als eine Stunde in eine Richtung pro Tag! Ein Kontakt der Schüler über die gemeinsame Zeit in der Schule hinaus ist somit wohl kaum möglich. 5. Laut Aussage des Schulamtes Halberstadt (Herr R. Schulz vom 08.02.2000) sollte die Fahrzeit eines Schülers der - Grundschule max. 30 min. - Sekundarschule max. 45 min. - Gymnasium max. 60 - 90 min. in einer Richtung betragen! Diese Aussage betraf damals noch Schüler die ab der 7. Klasse (also mit 12 - 13 Lebensjahren) das Gymnasium besuchen. Jetzt betrifft es die Gymnasiasten der 5. Klasse (10-jährige Kinder), denen also bis zu 3 (drei) Stunden täglicher reiner Fahrzeit zugemutet werden darf. Schülern einer 10. Klasse der Sekundarschule (16 - 17 Lebensjahre) maximal jedoch eine Gesamtfahrzeit von 90 Minuten pro Tag! 6. Bei der ganzen Diskussion um die Beschulung, wird nicht die besondere Situation den Harzes berücksichtigt. Wir leben hier nicht im Flachland, die Straßen sind enger, wir haben unzählige Kurven, der Winter beginnt deutlich früher und dauert länger als in unserer Kreisstadt! Somit dauert der tägliche Gesamtschulweg für etliche 10-11-järhige Kinder durchaus 3-4 Stunden! 7. In der jüngsten Zeit, ca. seit 2000, gehen im Landkreis die Geburtenzahlen nicht mehr zurück, sondern steigen sichtbar an (über 700 - 720 Geburten allein im Klinikum Quedlinburg)! Die jetzt abgebauten Schulen werden dann wohl kaum wieder aufgebaut! 8. In Harzgerode existiert ein intaktes Gymnasium mit Fachräumen, Computer-Cabinett, Turnhalle, Sportplatz, Schwimmhalle, Freibad und in diesem Jahr noch der Neubau einer Zwei-Felder-Halle. Schüler aus den umliegenden Orten, auch benachbarter Landkreise, kamen seit Jahren nach Harzgerode, wegen des ebenfalls offensichtlichen Vorteils der zentralen Lage im Unterharz! Es existiert ein intaktes soziales Gefüge zwischen Schülern, Lehrern und Eltern. 9. In den Jahren vor den Diskussionen zur mittelfristigen Schulentwicklungsplanung und zeitgleich um die Gebietsreform konnten die Kinder die nächstgelegene Schule aufsuchen. Demzufolge ist es wichtig, wieder Kontakt mit den Nachbarkreisen, i.B. Sangerhausen, Mansfelder Land und Aschersleben/Staßfurt aufzunehmen, um auch hier im Interesse der Schüler wieder kurze Wege zu schaffen und wieder den Besuch des Gymnasiums Harzgerode zu ermöglichen! Wir erwarten, dass die Entscheidung im Sinne der Kinder (ab 10 Jahre!) getroffen werden und sie nicht einem politischen und finanziellen Kalkül zum Opfer fallen!

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