Polizeiliche Kriminalstatistik 2003

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von Tobias Fischer

Eine insgesamt positive Bilanz zog Innenminister Klaus Jeziorsky anlässlich der Vorstellung der polizeilichen Kriminalstatistik. Jeziorsky: "Die Anzahl der Straftaten bezogen auf 100.000 Einwohner, die Häufigkeitszahl, liegt in Sachsen-Anhalt erstmals unter 9.000 Straftaten. 2003 wurden 7.147 Straftaten weniger als im Jahr 2002 registriert. Die Aufklärungsquote stieg um 0,2 Prozent. Hier zeigt die Erhöhung der lagebildorientierten polizeilichen Präsenz erste Erfolge."

Polizeiliche Kriminalstatistik 2003

In diesem Zusammenhang wies er auf die Rückgänge bei den Straftaten hin, die auf öffentlichen Straßen und Plätzen oder im öffentlichen Verkehr begangen werden. So sei bei der Straßenkriminalität, wie z.B. Raubüberfälle, Landfriedensbrüche, Vergewaltigungen und Diebstahlsdelikte ein Rückgang um 8 % und bei der Gewaltkriminalität wie z.B. Tötungsdelikte, gefährliche und schwere Körperverletzung sowie sexuelle Nötigung um 5,2 % zu verzeichnen. Positiv habe sich dabei auch die von der Landesregierung durchgeführte ?Polizeireform in der Fläche? ausgewirkt, die die Möglichkeit bietet, den Personal- und Mitteleinsatz flexibler und bedarfsorientierter zu gestalten sowie die tatsächlichen Präsenzzeiten der Polizeikräfte in der Fläche auszudehnen, so der Innenminister weiter. Die Kernaussagen der diesjährigen Polizeilichen Kriminalstatistik stellen sich wie folgt dar: Mit 229.209 Straftaten im Jahr 2003 ist die Kriminalität im Vergleich zum Vorjahr deutlich um 7.147 Straftaten (- 3 %) zurückgegangen. Die Häufigkeitszahl, d. h. die Zahl der bekannt gewordenen Straftaten bezogen auf 100.000 Einwohner, liegt mit 8.992 Straftaten erstmals unter 9.000, und dies trotz eines weiteren Rückgangs der Bevölkerung um 31.715 Einwohner. 1995 lag die Häufigkeitszahl noch bei 11.585 Straftaten. Es konnte erneut mehr als die Hälfte aller Straftaten (55,2 %) aufgeklärt werden. Die Aufklärungsquote liegt damit erneut auf hohem Niveau und dürfte auch in diesem Jahr über der des Bundesdurchschnitts liegen. Landeskriminaldirektor Rolf-Peter Wachholz erklärte ergänzend, dass sich die Ermittlungstätigkeit der Polizei zunehmend komplexer und damit auch personalintensiver gestalte. Zudem steige sowohl die Mobilität der Täter als auch die Anforderungen an Personen- und Sachbeweise. Trotz eines zahlenmäßigen Rückgangs der Straftaten allgemein sei die Polizei daher weiter stark gefordert. Innenminister Klaus Jeziorsky: "Die Polizei hat ungeachtet der Einschnitte, die von allen Opfer verlangten, ihren oft nicht ungefährlichen Auftrag mit viel Einsatz und großer Leistungsfähigkeit wahrgenommen. Dafür möchte ich an dieser Stelle allen Polizeibeamtinnen und Polizeibeamten danken." Ausgewählte Deliktgruppen Im Jahr 2003 gab es innerhalb der Deliktgruppen deutliche Verschiebungen. Beim Diebstahl, den Rohheitsdelikten sowie den Sonstigen Straftatbeständen des Strafgesetzbuches sind erfreulicherweise Rückgänge zu verzeichnen. Der Diebstahl bestimmt mit 111.663 (- 9.468 Delikte) zwar weiter das Kriminalitätsbild in Sachsen-Anhalt, der Anteil an der Gesamtkriminalität ist jedoch weiter zurückgegangen. Er liegt nun bei 48,7 % (2002: 51,5 %), also erstmalig unter 50 %. Ausschlaggebend hierfür waren u.a. deutliche Rückgänge beim Ladendiebstahl um 1.818 Delikte (-7,4 %), den Diebstählen von/aus Automaten um 801 Delikte (- 45,2 %) und bei den Diebstählen "rund um das Kraftfahrzeug" um 3.980 Straftaten (-14,4 %). "Die Aufklärungsquote im Bereich des Diebstahls beträgt in diesem Jahr 36,3 % und dürfte erneut über der des Bundesdurchschnitts liegen. Neben intensiven Ermittlungen und guter Tatortarbeit haben hierzu auch Entwicklungen in der Kriminaltechnik, wie der flächendeckende Einführung von DITRALIS (Digitalisierte Täterlichtbildsammlung) und Livescan (elektronisches Fingerabdrucksystem), beigetragen", erklärte der Minister. "Zu den positiven Ergebnissen polizeilicher Arbeit im letzten Jahr zählt auch der Rückgang von Rohheitsdelikten und Straftaten gegen die persönliche Freiheit, also Raubüberfällen, gefährlichen und schweren Körperverletzungen," so Jeziorsky. Der Rückgang betrage 1.854 Straftaten (-7,1 %). Über 88 % dieser Delikte seien aufgeklärt worden, d.h. das Entdeckungsrisiko für die Täter sei sehr hoch. Beachtenswert sei dabei besonders auch der Rückgang von Körperverletzungen um 1.039 Fälle (-6 %). Sorge bereite dem Minister allerdings in diesem Deliktbereich die steigende Brutalität und Gewissenlosigkeit mit der die Delikte teilweise begangen werden, so wie vor einigen Tagen der Fall in Burg, bei dem fünf junge Männer einen 46jährigen Mann auf offener Straße totschlugen. Im Zusammenhang mit den leichten Rückgängen bei Straftaten gegen die Umwelt (- 298 Straftaten) sowie der Sachbeschädigung wies Innenminister Klaus Jeziorsky darauf hin, dass diese immer noch auf einem sehr hohen Niveau seien. Besonderes Augenmerk gelte allerdings den Graffitischmierereien mit insgesamt 4.415 Fällen. Hier haben spezielle Ermittlungsgruppen in den Polizeidirektionen bereits gute Aufklärungsarbeit geleistet. Bei den Vermögens- und Fälschungsdelikten sei ein deutlicher Anstieg der Straftaten um 4.009 Fälle (+13,8 %) verzeichnet worden. Die Steigerungen seien auf den Betrug, insbesondere den Waren- und Warenkreditbetrug (+ 2.407 Fälle), zurückzuführen. Dieses Deliktfeld werde immer noch vom Tankbetrug (4.523 Fälle) mit einem Anteil von 63 % dominiert, bei dem 247 Delikte mehr festgestellt wurden. "Zum anderen sind aber auch gerade beim Warenbetrug neue Erscheinungsformen durch das Internet zu verzeichnen. Waren es in der Vergangenheit vielfach die Verkäufer, die betrogen wurden, so sind es jetzt im Internet in erster Linie die Käufer. Man lässt sich beispielsweise sehr günstig angebotene Ware im Voraus bezahlen, ohne sie später zu liefern," so der Minister. Ein anderes Betrugsdelikt, der Betrug mittels rechtwidrig erlangten unbaren Zahlungsmitteln, bereite ihm ebenfalls Sorge. In diesem Bereich sei aber in den letzten Monaten des Jahres 2003 ein spürbar langsamerer Anstieg der Straftaten festgestellt worden. "Bei den Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung wurde ein Anstieg um 252 Fälle (+ 16,9 %) registriert. Eine Zunahme der Fälle war insbesondere im Bereich des sexuellen Missbrauchs sowie der Ausnutzung sexueller Neigungen, wie der Kinderpornografie, zu verzeichnen. Es ist wichtig, dass hier nicht weggesehen, sondern konsequent vorgegangen wird. Wir haben in Sachsen-Anhalt deshalb beim LKA eine ?Auswertungs- und Koordinierungsstelle Kinderpornographie? (AKS) eingerichtet." Beides, nämlich mehr Anzeigen aus der Bevölkerung und intensivere polizeiliche Ermittlungsarbeit, hätten zu einem Anstieg der Fallzahlen geführt. Angesichts der fortschreitenden Kommunikationstechnik und der derzeitigen Entwicklung dürfe bei der Bekämpfung nicht nachgelassen werden, betonte der Minister. Leider sei auch bei den Straftaten gegen das Leben einschließlich fahrlässiger Tötung ein Anstieg um 11 Straftaten auf 142 Delikte festzustellen, so Jeziorsky. In über 60 % der Fälle bestand eine Beziehung zwischen Opfer und Täter. 17 vollendete Morde wurden 2003 registriert, 2002 waren es 11. Die Aufklärungsquote von 102 % erkläre sich aus den nachträglich aufgeklärten Delikten vergangener Jahre, so Jeziorsky und erinnerte in diesem Zusammenhang an die Aufklärung eines Raubmordes an einer 83jährigen Rentnerin durch die Polizeidirektion Magdeburg. Der Täter war in Niedersachsen in der DNA-Datei erfasst worden und es gelang, ihm diese Tat anhand von am Tatort gesicherten Spuren nachzuweisen. Der Minister unterstrich, dass sich die DNA-Analyse inzwischen nicht nur in diesem Bereich neben der Fingerabdruck-Identifizierung als zweites unverzichtbares Standbein zur Aufklärung von Verbrechen entwickelt habe. Man müsse darüber nachdenken, ob das komplizierte Verfahren zur Abnahme und Untersuchung von DNA-Proben bei Tätern und Beschuldigten nicht vereinfacht werden könne. "Die Zahl der Rauschgiftdelikte ist leicht gestiegen (+299 Straftaten)", so Jeziorsky. Die Einrichtung spezieller Fachkommissariate Rauschgift im Jahr 2002 und die fortwährende nachhaltige Ermittlungstätigkeit bei diesem sogenannten Kontrolldelikt hat auch zu höheren Fallzahlen geführt." Gravierend sei der Anstieg beim illegalen Handel/Schmuggel um 177 Straftaten (+11 %), insbesondere mit sogenannten harten Drogen. So wurden im letzten Jahr 5 kg Heroin und annähernd 5 kg Kokain sichergestellt. Der größte landesweite Einzelfund konnte dabei in Trebitz mit 1,13 kg Kokain verzeichnet werden. "Dies sind Erfolge, die ermutigen, die Bekämpfung von sogenannten harten Drogen auch weiterhin fortzusetzen und den Verfolgungsdruck auf die Händlerebene weiter zu erhöhen," erklärte er weiter. Die erfolgreiche Arbeit bei der Bekämpfung der Zwischen- und Großdealerebene habe in letzter Zeit beispielsweise zu einer Reihe von Verurteilungen zu höheren Freiheitsstrafen geführt. Leider starben fünf Personen im vergangenen Jahr in Folge des Drogenkonsums. Zu den Tatverdächtigen 91.619 Tatverdächtige wurden ermittelt, davon 70.226 Männer und 21.393 Frauen. Der Anteil der Jungtatverdächtigen, das sind Tatverdächtige unter 21 Jahre, ist erneut gesunken und beträgt nunmehr 33,5 %, das sind 30.671. Der bereits im Jahr 2002 feststellbare leichte positive Rückgang hat sich also auch 2003 fortgesetzt. Gegenüber dem Vorjahr wurden 2.577 Jungtatverdächtige weniger registriert. "Wenn auch Straftaten durch Jugendliche in der überwiegenden Anzahl eher episodenhaften Charakter haben, wird gerade dieser Bereich auch künftig weiter einen Schwerpunkt der polizeilichen Arbeit bilden. Beunruhigend ist bei den Jungtatverdächtigen allerdings besonders die Zahl der Mehrfach- und Intensivtäter. Bei einem kleinen Prozentsatz, dem harten Kern der von der Polizei ermittelten Jungtatverdächtigen, droht dabei eine Verfestigung zu einer kriminellen Karriere. So verübten 2,5 % der Jungtatverdächtigen über ein Viertel der von dieser Altersgruppe begangenen Straftaten im Jahr 2003," unterstrich Jeziorsky. Bei jugendlichen Tätern sei entscheidend, nicht nur repressiv, sondern auch frühzeitig genug präventiv tätig zu werden, betonte der Innenminister. Jeziorsky: "Ziel ist es, auf Ebene der Städte und Gemeinden eine noch wirksamere Verzahnung aller mit Sicherheitsaufgaben betrauten Verantwortungsträger zu erreichen. Wir denken dabei z.B. an die Erstellung gemeinsamer Lagebilder von Kommunen und Polizei, die neben der Kriminalitätsentwicklung auch sonstige sicherheits- und ordnungsrelevante Probleme auf kommunaler Ebene berücksichtigen. Zur Gewährleistung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung sähe er Kommunen und Polizei auf Grund ihrer ergänzenden Zuständigkeiten als Partner einer Sicherheitskooperation.

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