OB auf Einkaufstour?

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von Tobias Matussek

Mit dem Hinweis daruf, daß in Halle viele arbeitslose Chemiearbeiter wohnen, meint unsere Oberbürgermeisterin die Orte Schkopau, Korbetha und Hohenweiden nach Halle eingemeinden zu dürfen.

OB auf Einkaufstour?

Frau OB Ingrid Häußler will nun ernst machen mit den Eingemeindungen. Ins Visier sind nun auch die Gemeinden in der Nähe der ehemaligen Bunawerke geraten. In Schkopau, Hohenweiden und Korbetha dürften diese "Okkupaions"-Gelüste auf heftigen Widerstand stoßen, denn der OB geht es nicht um die dort lebenden Menschen, sondern ausschließlich um die reichlich fließenden Steuergelder der dortigen Großbetriebe. Dass dieses zusätzliche Geld der Stadt sicherlich gut tun würde, steht außer Frage. Dass es natürlich wiederum irgendwo versickern würde, zeigen zumindest die Erfahrungen. Die Bürger der Gemeinden wissen nur zu genau, warum sie nicht nach Halle wollen, denn die Zustände in Bruckdorf, Reideburg, Tornau, Büschdorf, Radewell usw. sind allgemein bekannt und in den meisten Gemeinden rund um Halle längst überwunden. Sie schätzen ihre in zehn Jahren Aufbauarbeit errungene Lebensqualität. Sie wollen Entwicklung statt Stillstand. Dass sich nach einer Eingemeindung nach Halle auch die Steuerlast für den Einzelenen erhöhen würde, ist ein weiteres Argument sich gegen Halle zu entscheiden. Wenn die OB die Satellitenstädte Neustadt, Silberhöhe und Heide-Nord als Belastung empfindet, so ist das ihre Sache. Die Hallenser, die dort (noch) leben, werden es mit Erstaunen aufnehmen und sich ihren Reim darauf machen. Der Tritt in die Magengrube derer, die nach der Wende in Buna und Leuna arbeitslos wurden und dennoch weiter in Halle leben und vielleicht Arbeit finden wollen, ist besonders mies. Dass in Halle viel sozialer Sprenstoff angehäuft ist, weiß jeder. Aber das ausgerechnet eine ehemalige Betriebsrätin der Buna-Werke heute meint, Arbeitslosigkeit sei nur ein Strukturproblem, welches durch Eingemeindungen zu lösen ist, hat völlig vergessen, was die Menschen hier eigentlich wollen: Arbeit! Und solange es die nicht gibt, geht es auch nicht vorwärts mit Halle und mit Sachsen-Anhalt. Der Hinweis auf ungenutzte Gewerbegebiete im Saalkreis, die durch Halle besser vermarktet werden könnten, lockt nicht einmal mehr ein müdes Lächeln bei potentiellen Investoren hervor. Diese bevorzugen nun mal den konkreten Ansprechpartner einer kleinen Kommune. Die undurchsichtige, knirschende Amtsmaschine der Stadt Halle muß auf sie wie eine Horror-Vision wirken. Und BMW gibts wirklich nur einmal in Deutschland. Dieser Zug ist weg. Halle sollte den umgekehrten Weg gehen. Es sollte Randgemeinden wieder in die Selbständigkeit entlassen. Nur so kann die Stadt sich wieder auf sich selbst konzentrieren.

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