Gedenken an den Volksaufstand

Dieses Element verwendet noch das alte Contao 2 SRC-Format. Haben Sie die Datenbank aktualisiert?

Geschichte | Aktuelles
von Tobias Fischer

In der Gedenkstätte Roter Ochse in Halle (Saale) wurden am Sonntagvormittag Kränze niedergelegt. 

Gedenken an den Volksaufstand

 Heute vor 59 Jahren endete auch in Halle (Saale) der Volksaufstand in der DDR blutig. Zahlreiche Menschen wurden verletzt, auch Todesopfer waren zu beklagen. Am Sonntagvormittag wurde im Rahmen einer Gedenkveranstaltung im Roten Ochsen an die damaligen Ereignisse erinnert.  Gedenkstättenleiter André Gursky wies darauf hin, dass der Volksaufstand seinen Anfang eigentlich schon 1952 nahm, als nach der zweiten Parteikonferenz der SED die Repressionen gegen die Bevölkerung verschärft worden sind. Es fand die Aktion „Ungeziefer“ statt, die Zwangsumsiedlung von bis zu 12.000 Menschen. Und in Halle geriet der Studentenpfarrer Johannes Hamel ins Visier der DDR-Behörden. Im Februar 1952 wurde er schließlich festgenommen. Bei der Verhaftungswelle nach dem Volksaufstand gingen im Anschluss aber längst nicht alle hallesche Richter mit solcher Härte vor wie die berüchtigte Hilde Benjamin. Gursky berichtete vom Verhör einer Richterin beim SED-Bezirksgericht. Sie hatte sich geweigert, so entschieden gegen die Demonstranten vorzugehen, fand sie ihre Ziele doch durchaus nachvollziehbar.  Dezernent Uwe Stäglin, der die auf Dienstreise befindliche Oberbürgermeisterin Dagmar Szabados vertrat, erinnerte an einen DEFA-Kameramann. Der hatte den Volksaufstand in Halle gefilmt. Wegen feindlicher Agententätigkeit wurde er zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt. Sein Film diente der Stasi zur Identifizierung von Teilnehmern an den Protesten, die mit Gewalt gestoppt wurden. Stäglin sagte mit Blick auf den Gedenktag, es sei wichtig zu erinnern. „Wir sind es dem Mut der Hunderttausenden und den Toten schuldig.“ Waltraud Thiele von der Vereinigung der Opfer des Stalinismus (VOS) sagte, der Gedenktag schärfe das Bewusstsein was Freiheit und Gerechtigkeit bedeute. Sie bedauerte, dass der Tag zwischenzeitlich auch im Wester – obwohl dort Arbeitsfrei - in Vergessenheit geriet. Dies sei auch der SPD mit ihrer Entspannungspolitik geschuldet gewesen. Die Politik Gorbatschows sei ein Glücksfall für die DDR gewesen. Thiele forderte, den 17. Juni 1953 mehr in der Schule zu thematisieren. Dies sei das Schlüsseldatum der deutschen Freiheitsbewegung. Mit großer Sorge schaue sie heute nach Syrien, in den Irak, Russland und die Ukraine. Angst mache ihr außerdem der zunehmende Linksextremismus und die Politik der Partei die Linke, die neue Wege zum Kommunismus suche.  Josefine Hofman, Referendarin am Südstadt-Gymnasium, hat mit ihren Schülern den 17. Juni aufgearbeitet. Dabei hatten die Jugendlichen die Aufgabe, Schulbuchdarstellungen aus dem Jahr 1961 der DDR und BRD zu vergleichen. Im Rahmen eines Rollenspiels wurden die Fakten später ausgewertet. Clemens Dibow, Praktikant in der Gedenkstätte Roter Ochse, berichtete vom Tod des Doktoranten Gerhard Schmidt. Der 26jährige starb am 17. Juni 1953 durch einen Querschläger der DDR-Behörden. Er war gerade mit seiner Frau am Kirchtor unterwegs, als er durch Zufall getroffen wurde. Nur wenige Minuten später starb er, denn in den Waffen war Explosivmunition. Seine Lunge wurde völlig zerfetzt. Die DDR instrumentalisierte seinen Tod. Von faschistischen Banden sei er niedergestreckt worden, stand in den Zeitungen.  Im Anschluss an die Vorträge wurden Kränze zum Gedenken an die Opfer niedergelegt. Neben Vertretern der demokratischen Parteien hatte sich auch die NPD beteiligt. Die Polizei war deshalb im Unfeld postiert, weil die Rechtsextremisten per Internet zu einer aktiven Teilnahme aufgerufen. Doch außer OB-Kandidat Andreas Karl, Stadtrat Gerhard Pitsch und einem eigenen Fotografen folgte niemand dem Aufruf der Rechtsextremisten.   

Beitrag Teilen

Zurück