Ammendorf: Gewerkschaft und Betriebsrat protestieren

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von Tobias Fischer

Der Waggonbaustandort Halle-Ammendorf steht vor dem Aus. Das Unternehmen solle nach einem Beschluss des kanadischen Konzern Bombardier Transportation in Toronto bis 2005 geschlossen werden, sagte der Chief Operator Officer Wolfgang Tölsner am Mittwoch in Halle. Das Unternehmen habe auf eine veränderte Marktlage gesetzt, die nicht so eingetreten sei wie erhofft. Für 100 der 800 Waggonbauer sollten Arbeitsplätze an anderen deutschen Waggonbaustandorten angeboten werden.

Ammendorf: Gewerkschaft und Betriebsrat protestieren

Es werde energisch Widerstand geleistet, sagte Halles IG-Metall-Chef Günther Meißner vor 500 aufgebrachten Metallern. Die Bundesregierung kündigte an, den betroffenen Arbeitnehmern helfen zu wollen. Gemeinsam mit der Landesregierung wolle die Bundesregierung ein Regionalkonzept erarbeiten, um an der Schaffung von Ersatzarbeitsplätzen mitzuwirken, sagte Regierungssprecher Béla Anda. Ministerpräsident Wolfgang Böhmer (CDU) sprach von einer Auffanglösung. Er zeigte sich erschüttert über die Entscheidung. Bombardier Transportation baue in Europa ein Sechstel der gesamten Kapazitäten ab, da der Bedarf gesunken sei. Verkehrsminister Karl-Heinz Daehre (CDU) betonte, es sei völlig abwegig, die Vergabe des Nordharz-Netzes als Ursache für die drohende Schließung von Ammendorf zu bezeichnen. Wirtschaftsminister Horst Rehberger (FDP), sagte, das Land habe seit 1999 Fördermittel in Höhe von 13 Millionen Euro an Bombardier ausgereicht. Diese Summe werde jetzt zurück gefordert. IG Metall und Betriebsrat warfen dem Konzern und der Landesregierung Versagen bei der Sicherung des Standortes vor. Meißner erinnerte an das Kanzlerversprechen vor zwei Jahren, mit dem Ammendorf damals gerettet worden war. Danach sei aber nie ernsthaft von Bombardier an der Sicherung des Werkes gearbeitet worden, sagte Meißner. Betriebratsvorsitzender Reiner Knothe sprach von politischem Dilettantismus, den die Landesregierung bei der Vergabe von Aufträgen an den Tag gelegt habe. Derzeit hat das Unternehmen noch Aufträge für ICE 3 bis Dezember 2004 und Auftäge für ICE Neigetechik bis zum Ende des 3. Quartals 2005. IG Metall-Bezirksleiter Hartmut Meine sagte, mit der Entscheidung zur Schließung des Werkes in Ammendorf verstoße Bombardier gegen die Vereinbarung aus dem Jahre 2002. Dabei sei festgelegt worden, dass mindestens bis Ende 2006 mehr als 600 Arbeitsplätze am Standort gesichert werden. Der Bombardierkonzern wollte das Werk im Rahmen eines Sanierungsprogramms ursprünglich bereits Mitte 2002 schließen. Nach heftigen Protesten der Belegschaft sowie dem Eingreifen von Bundes- und Landesregierung war der Schließungsbeschluss im Januar 2002 ausgesetzt worden. Der Chef des Insituts für Wirtschaftsforschung Halle, Rüdiger Pohl, nannte die Pläne dramatisch und deprimierend. Ein Unternehmen könne nur mit Aufträgen gerettet werden, dass aber könnten weder Bundes- noch Landesregierung bewerkstelligen. Für Freitag, den 19. März, ist ein Protestmarsch von Ammendorf auf den Marktplatz von Halle geplant.

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