Schulöffnungen: Genauigkeit und Verlässlichkeit vor Schnelligkeit

GEW | Aktuelles
von hallelife.de | Redaktion

Nach dem Gutachten der Leopoldina verständigen sich heute die Bildungsminister der Länder über eine mögliche Öffnung der Schulen. Die GEW Sachsen-Anhalt appelliert an Bildungsminister Tullner, wirksame Maßnahmen zum Schutz von Beschäftigten und Schüler*innen abzusichern. Dafür ist es vor allem notwendig, mit den Schulträgern konkrete Maßnahmen zu verabreden und die Bedingungen vor Ort zu beachten.

Der Bildungsminister kann anweisen, welche Klassen zuerst wieder unterrichtet werden sollen. Was er nicht anweisen kann, ist die Verbesserung der Hygienevorschriften und des Infektionsschutzes vor Ort. Dafür sind die Schulträger, also Kommunen bzw. Landkreise, zuständig. Eva Gerth, Vorsitzende der GEW Sachsen-Anhalt, sprach sich deshalb für verbindliche Absprachen aus: „Vor der Öffnung muss das Bildungsministerium auf die Schulträger zugehen und gezielt Vereinbarungen mit ihnen treffen. Es geht nicht allein darum, wie viele Schüler*innen in einen Klassenraum dürfen und ob die Abstände gewahrt werden. Es muss auch darüber geredet werden, dass Klassenräume und vor allem Toiletten täglich intensiv gereinigt werden.“ Zahlreiche Schulträger hätten in den vergangenen Jahren vor dem Hintergrund von Geldsorgen nur das Notwendigste veranlasst. Zudem müssen Desinfektionsmittel und Mundschutz in den Schulen bereitstehen. Auch hier seien die Zuständigkeiten vor der Öffnung verbindlich zu klären. Wenn Unterricht in Schichten stattfinden soll, müsse auch der Schülerverkehr anders organisiert bzw. entzerrt werden. Die Landeregierung muss die Frage beantworten, wer die Mehrkosten dafür übernimmt.

„Lehrkräfte gehören bisher nicht zu den systemrelevanten Berufen, so dass für sie bisher keine Notbetreuung für die eigenen Kinder bereitsteht. Auch dieser Punkt muss bei einer Öffnung der Schulen bedacht werden. Für all diese Aspekte gilt: Genauigkeit und Verlässlichkeit vor Schnelligkeit!“, so Gerth weiter.

Die GEW weist ausdrücklich darauf hin, dass zwei Drittel der Lehrkräfte in Sachsen-Anhalt, also fast 10.000 Beschäftigte, 50 Jahre oder älter sind. Damit gehören sie zu einer Risikogruppe. Die GEW fordert deshalb, dass der arbeitsmedizinische Dienst bei der Planung der Schulöffnungen einbezogen wird, um Vorerkrankungen bzw. Gefährdungen zu beurteilen. „Neben den Lehrkräften sind unsere pädagogischen Mitarbeiter*innen bei ihrer Arbeit einem besonderen Ansteckungsrisiko ausgesetzt. Die Kolleg*innen haben oft gar keine Chance, zwei Meter Abstand zu halten“, nahm Gerth auch andere Berufsgruppen an den Schulen mit in den Blick.

So groß die Hoffnung auf Normalität auch sei, bei allen Überlegungen zur Schulöffnung müsse die Gesundheit aller im Vordergrund stehen. Die GEW bietet sich mit ihrer großen direkten Praxiserfahrung ausdrücklich als Gesprächspartnerin für die kommenden Diskussionen und Entscheidungen an.

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