Hochschulen sollten auf Corona-Krise bedacht, solidarisch und flexibel reagieren

GEW | Aktuelles
von hallelife.de | Redaktion

Für alle Teile der Gesellschaft stellt die Corona-Krise eine noch nie dagewesene Notsituation dar. In außergewöhnlichen Zeiten bedarf es an den Hochschulen und Universitäten für Wissenschaft und Lehre auch außergewöhnlicher Maßnahmen

Gestern hat für viele Hochschulen im Land Sachsen-Anhalt die Vorlesungszeit des Sommersemesters begonnen. Jedoch kann von Normalität keine Rede sein. „Unsicherheit angesichts der Corona-Krise herrscht bei Lehrenden, Wissenschaftler*innen und Studierenden: Vertragsverlängerungen, Finanzierung von Drittmittelprojekten, (Abschluss‑) Prüfungen, Regelstudienzeit, Workload bei der Umstellung auf Onlineveranstaltungen, Lehrdeputate, BaföG, Stipendien, materielle Unsicherheiten – das alles beschäftigt Studierende und Mitarbeiter*innen jetzt massiv.“ stellt Dr. Nico Elste (Uni Halle und Mitglied im GEW Landesvorstand für Hochschule, Forschung und Lehrerbildung) fest. Zwar haben die Wissenschaftsministerien grobe Leitlinien für das Sommersemester festgelegt und die Hochschulleitungen tun einiges, um die Situation zu verbessern, konkrete Entscheidungen stehen aber noch aus. 

Digitale Lehre nicht übers Knie brechen

So gehen auch in Sachsen-Anhalt die Hochschulen und Universitäten davon aus, dass spätestens ab dem 20. April die Lehre (wahrscheinlich für einen unbestimmten Zeitraum ohne Präsenz) wieder beginnen soll. Mit Hochdruck wird an digitalen Lehrformaten gearbeitet. Da die inhaltliche und didaktische Konzeption von Lehrinhalten im digitalen Bereich natürlich stark modifiziert werden muss, ist es notwendig rasch zu entscheiden, ob das Sommersemester vollständig digital laufen soll oder nicht. Ansonsten droht die Arbeitsbelastung und die Frustration der Lehrenden und Studierenden stark zu steigen, da bei allem Engagement die Hochschulen nicht über nötige technische Infrastrukturen verfügen und darüber hinaus viele Lehrende im Homeoffice zusätzlich mit Kinderbetreuung zu tun haben: „Die Lehre muss jetzt flexibel und mit Augenmaß für Qualität und Machbarkeit umgesetzt werden“, mahnt Dr. Steffi Kaltenborn, Uni Magdeburg und ebenfalls im GEW Landesvorstand. Der Ausfall von Lehrveranstaltungen in größerer Anzahl kann nicht die Lösung sein, da zahlreiche Studierende aus materiellen und aus Gründen ihrer Lebensplanung an einem zügigen Abschluss ihres Studiums interessiert sind. Hier genügen vollmundige Ankündigungen der Hochschulen, dass die nötigen technischen Voraussetzungen bereitgestellt werden, nicht.

Prüfungen verschieben, Abgabefristen verlängern

Entgegen der Aussetzung aller Prüfungen an beiden Universitäten und entgegen des Verbots, dass Mitglieder der Universität Prüfungen abnehmen, die eine physische Präsenz verlangen, wurden im März trotzdem Staatsexamensprüfungen in den Lehrämtern abgehalten. Anstatt einen Wiederholungstermin im Laufe des Sommersemesters zu erwägen, wurden und werden die Studierenden mit allengesundheitlichen Risiken allein gelassen und mussten trotz Kontaktverbots und den wiederholten Aufforderungen zu Hause zu bleiben, durch das ganze Bundesland nach Magdeburg oder Halle fahren. Die nun noch anstehenden mündlichen Prüfungen, ebenso wie alle anderen Prüfungen, die eine physische Anwesenheit an den Hochschulen erfordern, dürfen bis einschließlich 19. April laut behördlicher Verordnungen nicht in Räumen der Universität und auch nicht von Universitätsmitgliedern abgenommen werden. Dennoch bestehen das Landesprüfungsamt und das Bildungsministerium darauf, dass die Staatsexamensprüfungen weitergehen. Dagegen spricht sich die GEW Sachsen-Anhalt  vehement aus. Das gesundheitliche Wohl von Studierenden und Mitarbeiter*innen der Hochschulen und des Landesprüfungsamts muss an erster Stelle stehen. Aus Sicht der GEW sollten alle Prüfungen, die eine Anwesenheit an den Hochschulen erfordern, verschoben werden. Die Staatsexamensprüfungen sind auszusetzen. Dringlich ist, dafür einen Termin  im Laufe des Sommersemesters zu avisieren.

Regelstudienzeit aussetzen, Verträge und BaföG verlängern

Um materielle Sicherheit gerade für Studierende und sich Qualifizierende zu stiften, fordert die GEW Sachsen-Anhalt eine bundesweite Regelung für die Regelstudienzeit, das BaföG und die vielen befristeten Verträge oder Drittmittelprojekte junger Wissenschaftler*innen. Das BaföG ist um die Zeit der Kontaktsperre, befristete Beschäftigungsverhältnisse, Stipendien und Forschungsprojekte um ein Semester zu verlängern und diese Zeit nicht auf die gesetzliche Höchstbefristungsdauer anzurechnen: „Studierenden, Lehrenden und sich qualifizierenden Wissenschaftler*innen darf dieses Krisensemester nicht zum Nachteil gereichen!“, erläutert Dr. Nico Elste

Solidarisch Lösungen finden – zusammen durch die Krise

Dieses Sommersemester wird vielen Studierenden wie Mitarbeiter*innen noch lange im Gedächtnis bleiben. Es steht zu hoffen, dass Flexibilität, Kreativität und Solidarität diese Zeit bestimmen. Die GEW Sachsen-Anhalt bietet den Hochschulleitungen, dem Wissenschafts- sowie dem Bildungsministerium ihre konstruktive Mitarbeit an, um die Herausforderungen zusammen mit den Beschäftigten und Studierenden zu bewältigen: „Wir brauchen gemeinsame Lösungen, bei denen die Expertise aller Vertretungen von Studierenden und Beschäftigten einfließt. Nur gemeinsam schaffen wir es durch die Krise.“, so Dr. Steffi Kaltenborn.

Beitrag Teilen

Zurück