Die Crux mit den Fotomodellen

..oder wie man sich eigene Modelle baut | Michas Welt - Sonstiges
von Michael Waldow

Wer sich eine Kamera kauft, mit dem Gedanken in die digitale Welt der Fotografie einzutauchen, kommt bald an einen Punkt, wo er sich für ein Genre entscheidet, dass sich vom bloßen Geknipse unterscheidet. Manche nennen das künstlerische Fotografie, andere schwören auf die Fotos ohne große Bearbeitung, die so der Wirklichkeit scheinbar am Nächsten kommen. Die Frage nach dem Genre bleibt.

Landschaftsfotografie, mit Teleobjektiven, Makrofotografie, das das Unsichtbare sichtbar macht, Tierfotografie, die die Geduld herausfordert, Städtefotografie, wo das Auge ständig nach ungewöhnlichen Blickwinkeln sucht oder gar Menschenfotografie, die doch durch die neuesten Datenschutzverordnungen so manches Problem des Dürfens oder nicht Dürfens nach sich ziehen.

Wohl dem, der dann Modelle hat, die er für seine Vorhaben einbeziehen kann. Die Crux an der Sache ist, dass es Modelle gibt, die sich per TFP (Time for Prints=anstelle eines Honorars geht eine entsprechende Anzahl an das Model) ablichten lassen. Das kostet kein Geld, aber durchaus das Recht am eigenen Bild oder man bezahlt die Modelle und je nachdem, was man macht, kostet es ein wenig oder ein bisschen mehr Geld. Womit wir nach einigen Umschweifen beim Thema sind.

Künstliche Modelle heißt das Zauberwort, die man im wahrsten Sinne des Wortes nach Herzenslust an- und ausziehen, aber auch posen kann. Das Zauberprogramm für den PC ist dann auch DAZ Studio 4.11. Ein durchaus mächtiges Werkzeug, solcherart von Bildern entstehen zu lassen. Und doch ist es nur der kleine Bruder von Poser, einem Werkzeug mit dem sogar Filmemacher kinoreife Animationen erschaffen. Poser kostet eine Stange Geld, DAZ Studio gibt es für lau. Allerdings mit einem Haken. Es ist komplett in Englisch und um die Puppen tanzen zu lassen, ist schon deshalb eine gewisse Einarbeitungszeit nötig. Auf die Schnelle geht da gar nichts. Einige Fachbegriffe sind dann auch rendern, Iray, Spotlight, dforce und Genesis. Wortgebilde, die wahllos herausgegriffen wurden und eigentlich von der Komplexität des Programms kündigen, aber erst mal gar nichts aussagen. So liefert das Programm verschiedenen Grundfiguren mit, die in ihrer Nummerierung immer realistischer werden. Die neueste Generation heißt Genesis 8, wobei Genesis aus dem altgriechischen kommt und so viel wie Geburt oder Schöpfung heißt. Und eine Geburt ist es im wahrsten Sinne des Wortes ein Bild mit solchen Figuren zu kreieren. Am Anfang ist die Grundfigur, der man die Kleidung verpasst.

Und hier sind wir schon beim nächsten Problem, respektive beim nächste Haken. Die Welt der 3D Figuren ist zwar unendlich groß und es gibt wie schon erwähnt einige Grundfiguren, aber will man mehr, muss man auch schon ins Portemanie greifen und dazukaufen. So kann man nach und nach eine virtuelle Welt entstehen lassen, ohne auch nur ein bisschen zeichnen zu können. Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt, dem Geldbeutel schon. Viel Einarbeitungszeit ist nötig, auch eine Menge Geduld und Fingerspitzengefühl bis so ein Bild entsteht. Jedermanns Sache ist das Ganze nicht, denn die Figuren kommen der Realität zwar nahe, bleiben aber was sie sind, künstliche Püppchen. Mit richtigen Modellen habe ich schon gearbeitet, das dauert mindestens genauso lange, ist auch anstrengend und die lebenden Menschen tun nicht immer das was sie sollen. Es hat alles seine Vor- und Nachteile. In meinem Fall entstanden so eine ganze Reihe 3D Bilder, die für einen Kalender im nächsten Jahr reichen. Mir gefällt’s halt, nicht mehr, aber auch nicht weniger. Ob ich ein lebendes Model den künstlichen vorziehe? Das weiß ich erst nach dem fotografieren!

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