Von Hamburg nach Santiago de Compostela - Eine Kreuzfahrt / Tag 5 - Auf See

Reisebericht | Michas Welt - Reportagen
von Michael Waldow

Diese Reise hat drei Tage auf See. Das ist schon enorm, zu mindestens für uns. Für mich die Ausruhzeit am Laptop. Erinnerungen sind etwas Schönes, schon allein, wenn man sie in Worte fassen kann. Ich liebe es zu schreiben, da sind die Gedanken vollkommen aufs Erlebte konzentriert und haben keine Zeit abzuschweifen.

 

Später kommen die „Arbeit“ an den Fotos und die Erstellung eines Fotobuches hinzu. Und bevor dann die letzten Stunden im Leben kommen, liegt noch ein Seufzer auf den Lippen mit dem Satz: „Weißt du noch…“ und die Bilder vom Gestern rauschen ein letztes Mal an mir vorüber. Hoffentlich wird das so. Bis dahin ist noch viel Zeit und ich erinnere mich daran, dass ich noch abnehmen muss. Unbedingt. Überall sind Spiegel auf dem Schiff besonders im Aufzug wird man geradezu vervielfältig. Wenn da so eine Truppe Abgemagerter kommt, fühlt man sich geradezu elefantös. Luftanhalten und Bauch einziehen, nutzt dann auch nichts, weil man nach mehreren Stockwerken blau anläuft.

Bis zum Pool im 13. Stock ist es nur ein kurzer Moment und Sylvia ist im selben schon verschwunden und geht eine Runde schwimmen, was ich strikt verweigere. Ich habe keine Zeit für solcherart läppischer Erholung, da ich Kopfgeschichten verdauen muss und das Frühstück ebenfalls.

Sylvia schlägt wie immer vor, im Restaurant zu essen. Dort kann sie bestellen und sich bedienen lassen. Vielleicht liegt die Bestellerei auch an den jugendlichen Kellnern mit liebenswürdigem Grinsen, dem kann meine Frau nicht widerstehen. Und wenn dann das Ganze noch mit einem Hauch „For Madame“ serviert wird, schmilzt sie förmlich dahin. Bei mir ist ein solches Dahinschmelzen weitaus weniger ausgeprägt, bin ich doch eher daran interessiert zu essen und fertigzuwerden. Meist bin ich schon fertig, bevor der erste Kellner mit dem dahinschmelzenden Lächeln naht. Mir reichen im Prinzip kalte Milch und der Pfirsisch- oder Ananassaft, dazu zwei Brötchen, viel Ei, sowie Früchte. Mit dem Abnehmen habe ich ja schon erwähnt. Hier damit anzufangen ist zwar schräg, aber immerhin der Wille ist vorhanden. Ich ignoriere die leckere Leberwurst, beachte nicht die lockenden Würstchen, gehe an den knusprig gebratenen Schinkenstücken vorbei, nehme kein Weißbrot, reduziere die Butter und versuche gesunde Sachen zu kauen. Der Joghurt Naturell fällt durch, er schmeckt auch in der zigsten Variation nicht. Honigmelonen sind zu süß, Maracuja schmeckt nicht, Käse ist sehr fett, einige Marmeladen sind bitter. Das Leben ist hart.

Doch wir sind am Pool, der noch gähnend leer ist.  Er füllt sich erst gegen Mittag, da sind wir schon im Inneren des Schiffes verschwunden, wo ich viele ruhige Plätzchen finde und an Theaterstücken oder einem Kinderbuch schreibe. An Bord wird viel geboten, hauptsächlich Animationen. Es gibt Tennis, Billard, 3D Kino (gegen Aufpreis) und allerlei kurzweilige Spielchen wie Sudoku, Bingo, Quiz und anderem Zeug, was mich wenig tangiert. Wichtigste Sprache ist Englisch. Jeden Tag gibt es aber einen deutschen Ansprechpartner im Foyer, zu dem man sich einfinden und seine Problemchen vorbringen kann. Alle Ansagen werden an Bord in fünf Sprachen durchgeführt, was manchmal ganz schön nervig ist. Trotzdem kann es schon mal vorkommen, dass eine Sprache vergessen wird. Wenn man da nicht ein wenig Englisch versteht, sitzt man plötzlich allein im Theater oder schlimmstenfalls ist die Reisegesellschaft schon weg. 

In jedem anvisierten Hafen sind einige Reisen vorgegeben. Wohlberaten ist der, der im Internet bei MSC kurz vor Reiseantritt bucht. Kaum ein Ausflug kostet pro Person unter 50 €, meist bedeutend mehr. Wer früher bucht, kann bis zu 20% sparen, bei unseren fünf Ausflügen waren es aber im Durchschnitt nur 8,7%.  Nur in einem Fall kamen wir an 20% ran, damit war das Ziel „bis zu“ erfüllt. Die niedrigste Ersparnis war 1,8%. Natürlich kann man in jedem Hafen die Stadt zu Fuß erkunden, aber manche Zentren sind weit vom Hafen entfernt und dann wird ein Shuttle angeboten. Dieser schlägt mit ca. 7€ zu Buche, geradezu ein Schnäppchen. Mit dem Getränkepaket und Ausflügen per Internet kamen zur Reise also noch einmal 1300 € für beide dazu zuzüglich der 200 € Servicegeld, die automatisch von der Visakarte abgebucht werden. Ohne VISA Karte kann man sein Bordguthaben auch aufladen, muss aber mindestens 250 € bar einzahlen. Die Geldshreddermaschine MSC-Reisen funktioniert. Das Geld ist weg, wohl dem, den Geld nicht stört. Alle anderen sitzen mit dem Taschenrechner und Tränen in den Augen in der Kabine oder sollten solch eine Reise nicht buchen.

Zum Abendbrot gibt es 5 Gängemenüs oder man stellt sich selber alles in einem anderen Selbstbedienungsrestaurant zusammen. Die Bestellungen ziehen sich hin und sind nicht meine Welt. An unserem Achtertisch sitzen sechs Personen. Alle sind, wie wir feststellten. mindestens mit einem Partner, der Lehrer ist, dabei. Einer ist sogar Schulleiter in meiner Wohnnähe. Er kennt, wie sich herausstellt sogar meine Chefin. Die Welt ist halt klein.

Ich zeige einem Kellner, der mir ans Herz gewachsen ist, „meine“ Ponys und erzähle von ihnen; dass sie meiner besten Freundin gehören, die größten Pferde der Welt sind (1,83m Widerrist, 935 kg) und einiges andere mehr. Er ist beeindruckt und zeigt sein „Pony“, wie er sagt, seinen zweijährigen Sohn. Nun bin ich beeindruckt und sage „Good work“ und meine es auch so.

Ganz groß geschrieben wird hier die Sicherheit. Bei jedem Aus- und Einchecken wird kontrolliert. Es kann keiner durchschlüpfen. Das ist zwar ein wenig nervig, verschafft aber ein Gefühl der Sicherheit. Blöd nur, dass es bei mir ständig piept. Geld in der Tasche, Gürtelschnalle, Uhr um sind Momente der Leibesvisitation. Dass es muskulöse, trainierte Männer sind, macht die Sache auch nicht besser, auch wenn sie gekonnt und schnell meine Rundungen abfahren. Ich muss dringend abnehmen.

So ist der Tag bald vorbei, es kommen noch Offizierstanz und Kapitänsempfang und schon wieder muss ich mich in Gala schmeißen. Man, ich habe doch Urlaub.

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