Lehrer werden ist nicht schwer, Lehrer sein...

Praktikantion Sophie entdeckt den Lehrerberuf | Michas Welt - Reportagen
von Michael Waldow

 

Schüler sollen bekanntlich ein Praktikum machen. Meistens zwei Wochen. So auch eine junge Gymnasiastin namens Sophie, die an der Gemeinschaftsschule „Heinrich Heine“ ein einwöchiges Praktikum absolvierte, um den Lehrerberuf kennenzulernen.

Ausgesucht hat sie sich die Schule, weil jemand aus dem Freundeskreis ihrer Mutter in der Schule Lehrer ist und zwei Familienmitglieder dort zur Schule gehen. Manchmal ist die Welt einfach. Eine Woche vorher war sie bei der Polizei im Praktikum und hat dort viel sehen dürfen. „Somit gehe ich den Tag … eines Lehrers nach, um zu schauen, ob ich Lehrer sein könnte, da ich selbst gern vermittle und anderen etwas beibringe“, schreibt sie in ihrem Bericht. Also hat sie auch bestimmte Erwartungen, die sie so beschreibt: „Ich hoffe mal hinter die ‚Kulissen‘ des Lehrer Berufs zu schauen. Ich kenne ja nur die Schülersicht aus der Schule. Aber abgesehen vom Lehrer im Unterricht, weiß ich nicht, was Lehrer außerhalb des Unterrichts tun.“

Nun ja, so ist es also die Neugier, was Lehrer so treibt, wenn er nicht in der Klasse steht. Sie suchte sich als Mentor einen Lehrer des Produktiven Lernens aus, der noch dazu in einem Geschichtsverein in der Freizeit tätig ist. Es sollte eine interessante Woche werden, obwohl oder trotzdem diese Schüler des Produktiven Lernens drei Tage einen Praxisplatz besuchen und zwei Tage in der Schule lernen. „Die Woche war sehr interessant für mich. Zwei Tage war ich in der Klasse hospitieren. An den anderen 3 Tagen habe ich bei den Computern ausgeholfen, Arbeitsblätter gescannt und Texte bearbeitet. Im Großen und Ganzen hat es mir gefallen“, resümiert sie.

Und wie ist das im Kleinen nun, also den Hospitationen? Auch dazu nimmt sie Stellung. „Die Klasse war interessant. Ich habe … die Fächer Mathematik, Englisch und Kommunikation angesehen und konnte mir ein Bild machen.“ Dieses Bild weiß die Praktikantin sehr genau zu formulieren. „Wir (die Schüler – Anm. des Autors) unterscheiden uns nur durch ein Jahr (ich 10. Klasse, die Pl-Schüler 9. Klasse), jedoch merkte ich den Unterschied im Anspruch (der Aufgaben – Anm. des Autors). Die Aufgaben, die die Pl-Schüler in der 9. Klasse machen, haben wir schon in der 7. Klasse gemacht, wodurch ich (bei der Hospitation) immer etwas mehr wusste.“ 

Das Produktive Lernen bietet lernschwachen Schüler die Möglichkeit doch einen Hauptschulabschluss zu erreichen und erstaunt nimmt Sophie, die Praktikantin, zur Kenntnis, dass es in PL Fächer gibt, die sie gar nicht kennt. „Mit dem Fach Kommunikation konnte ich nicht wirklich was anfangen…, aber es war interessant zu sehen, wie sie ihre Bewerbungsaufgaben erledigen.“ Aha, Bewerbungen werden also unter anderem in diesem Fach gemacht und natürlich vieles andere auch, das aber zu erkunden würde eine längere Praktikumszeit bedeuten.

Und die beiden Lehrer, die sich zusammen um die 21 Mann starke Klasse kümmern? Auch darauf weiß Sophie eine Antwort: „Der Umgang zwischen Schüler und Lehrer ist humorvoll und teilweise lustig, aber sie können auch streng sein, da die Schüler auch mal schwierig sind.“ Schon war die Woche um und den Freitag nutzte Sophie zu einem letzten Auftrag. Sie fotografierte die Schule und ihr Umfeld und als krönenden Abschluss den Garten der Schule mitten im Wohngebiet. Da war sie Feuer und Flamme, erfreute sich an den Blüten, den Insekten und schlussendlich an den gelungenen Fotos.

Lassen wir sie aber noch ein Resümee ziehen. „Die Woche hat mir sehr viel Spaß gemacht und ich hatte (immer) etwas zu tun. Im PL-Bereich sehe ich mich zwar nicht, aber ich kann mir besser vorstellen, Lehrer zu werden.“ Na, da hat die Schule und der Mentor wohl doch eine gute „Werbung“ hinbekommen, auch wenn ihr Traumberuf bei der Polizei liegt, aber immerhin hat sie eine gute Alternative. „Die Woche hat mir gut gefallen“, ist dann auch ihr letzter Satz und ihr Mentor kann das auch von sich behaupten. Manchmal kann eine frohe Woche ganz einfach sein.

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