Die wahre Geschichte von einem Märchen

Ein Märchenbuch und seine Entstehung | Michas Welt - MSW Welten
von Michael Waldow

 

Märchenzeit, Lesezeit, Kinderaugen, Fantasie. Schon in der Kindheit waren mir die Grimms, Andersens, Hoffmanns und die anderen Märchenonkel bestens bekannt. Ich kämpfte mit ihnen gegen Gut und Böse. Aus den Buchstaben in bunt kolorierten Büchern wurden Filme, die ich mir alle anschaute, ja förmlich verschlang.

Nun bin ich selbst im Opaalter und habe 2020 einen bunt gemixten Verein „Michas Clan aus der Salzstadt Halle (Saale)" gegründet, der sich mit Geschichtsthemen aus Halle (an der Saale) und auch mit Märchen beschäftigt. Doch wie kann man die Märchen aus der Kindheit toppen. Eigentlich gar nicht, es sei denn man macht etwas Eigenes, etwas Anderes. Das ist schwer in der heutigen Zeit, in der im Prinzip schon alles gemacht, gesagt und getan ist.

So setzten sich ein paar Mitglieder des späteren Freizeit- und Kreativvereins „Michas Clan aus der Salzstadt Halle (Saale)“ vor Jahren zusammen und entwickelten die erste Idee für ein Märchenbuch. Da war die Salzmagd Sophie (bis 2019 Hansemagd), ihre Mutter, ihre Oma und natürlich der Textautor, der sich an seine leuchtenden Augen an Kindertagen erinnerte und sich so seinem Wunschtraum näherte, einmal ein eigenes Buch zu entwickeln. Es entstand das Märchenbuch „Die lila Prinzessin“. Was einfach klingt, war ungeheuer mühsam und am Ende waren alle froh, endlich dass fertige Buch in den Händen zu halten. Dazwischen war viel Arbeit.

Sämtliche Hauptdarsteller gibt es als Realfiguren im richtigen Leben. So ist die Prinzessin Lele in Wirklichkeit eine Sophie, das Königspaar sind der Vorstand des besagten Vereins und selbst die Tiere wie der Hund Goja, das Pferd Anouk und Kater Keks gibt es im richtigen Leben. Na ja, bis auf Keks, der inzwischen das Ganze aus dem Katzenhimmel begutachtet. Weitere Figuren des Buches, wie der Zauberer Asgard, die Stadtwache, der Freund der Prinzessin, sind ebenfalls fotografierte „Modelle“ aus dem Freundeskreis der Buchautoren. Das Fotografieren war das eine, mühsam waren die Grafiken. Königin Kunterbunt, mit richtigem Namen Sandy, kolorierte alle in Zeichnungen umgewandelten Realfiguren zusammen mit Prinzessin Lele, also ihrer Tochter Sophie. Die Oma von Sophie machte sich daran, die Hintergründe zu entwerfen und zu kolorieren (über 180 Einzelzeichnungen). Einige Hintergründe wurden vom Textautor des Buches mithilfe eines 3D - Programms entworfen. Einzig die drei Feen wollten nicht so recht gelingen. Zwei Foto-Modelle wurden „verbraucht“, führten aber nicht zum gewünschten Erfolg. Also bemüßigte der Buchautor wiederum sein 3d Programm (DAZ 3D) und kreierte eigene Farbfeen. Nach Texterei und Malerei begann das große Korrigieren. Texte wurden umgeworfen, neu geschrieben, einige Stellen waren zu lang, einige nicht kindgerecht. Sigrid, Mutter von Sandys Lebenspartner, sprang als Lektorin ein und fand Fehler, die wahrscheinlich sonst niemand gefunden hätte.

Natürlich haben wir das fertige Buch in den Testdruck gegeben, wieder Fehler bemerkt und eine ganze Auflage verschwand klammheimlich, weil die Seitenzahlen falsch waren.

Irgendwann wollte man das Buch, so schön es war, nicht mehr sehen und konnten die Texte beinah singen, aber irgendwie hing auch eine ganze Menge Herzblut daran. Apropos singen. Für das Buch wurde natürlich ein Trailer angefertigt und Prinzessin Lele sang mit ihrem Freund aus dem Buch (im wirklichen Leben ein Mittelalterdarsteller) das „Lele Lied“, aufgenommen im Tonstudio der Heinrich - Heine - Gemeinschaftsschule in Halle-Neustadt. So vergingen drei mühsame Jahre.

Man motivierte sich gegenseitig, klopfte sich auf die Schulter, zerriss so manche misslungene Zeichnung und wütete auf das Sche… - Computerprogramm, das zum wiederholten Male abstürzte. Die Farbfeen mussten daraufhin mühsam rekonstruiert werden, was gar nicht so einfach war. Schlussendlich war es aber irgendwann ein schönes Gefühl, solch ein Buch geschaffen zu haben. Fast war es auch eine Art Familienbuch und jeder der sich daran beteiligte, war glücklich.

Stolz gingen wir zu Thalia, um auch andere Menschen und Kinder an dem Märchenbuch teilhaben zu lassen. Die Enttäuschung war groß, als die nette Frau das Buch rigoros ablehnte, weil „die Kinder heutzutage nur Prinzessinnen aus dem Disneyland lesen.“

Nun gut, dann haben wir nicht nur einen Freizeit- und Kreativverein, sondern auch gleich einen eigenen Verlag gegründet und da wir noch weitere Bücher über die Geschichte der Salzstadt produzierten, stellten wir die ganzen „Sachen“ ins Netz. Damit kann man zwar kein Lebensunterhalt verdienen, aber immerhin ein wenig Geld für neue Projekte zusammenkratzen. Eigentlich ist gerade die jetzige Coronazeit beinah gut für Autoren, haben sie endlich genug Zeit ihre Ideen zu entwickeln. Das ist zwar ein wenig sarkastisch gemeint, aber ein klein wenig Wahrheit ist wirklich daran. An Langeweile leidet keiner aus unserem Verein, haben wir doch auch noch andere Projekte. Wir „leiden“ höchstens daran, dass wir uns nicht mehr sooft im Moment treffen können.

Doch, nun ein wenig zu unserem Märchen, „Die lila Prinzessin“. Es spielt im Kunterbuntland, wo der kugelrunde König Kunterbunt mit seiner wunderschönen und weisen Königin Helena Kunterbunt herrscht. Ihre Tochter Lele hat als Prinzessin ein wunderschönes Prinzessinnenleben und liebt ihr Pferd Anouk, ihre Katze Keks und ihren schwarzen Hund Goja sehr. Sie freut sich auf ihren anstehenden Geburtstag, wo die Spielzeugmacher des Landes ihr das schönste Spielzeug vorstellen wollen. Und Lele darf sich zum Geburtstag ein paar Spielzeuge auswählen. Doch sehr zum Unmut ihrer Mutter und ihres Lehrers, dem Frosch und Minister für Finanzen, sowie zum Entsetzen der Farbfeen, wird Lele gierig und stürzt das Land in einen lila Fluch. Da ist guter Rat teuer. Helfen kann wohl nur Asgard, der geheimnisvolle Zauberer, der eine seltsam magische Verbindung zur Königin hat. Lele weiß das aber nicht und muss handeln, um ihren Fehler rückgängig zu machen. Das wird zum größten und gefährlichsten Abenteuer ihres Lebens. Ob es ihr wohl gelingt?

Wer also Weihnachten mal ruhig und besinnlich feiern möchte, sollte sich das reich bebilderte Buch mal unterm Weihnachtsbaum legen. Man kann sogar mit Lele persönlich auf ihrer Internetseite in Kontakt treten und sich ein paar Tier- und Spielzeugtipps holen. Das gilt aber nicht nur für Kinder.

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