Slapstick und andere Aktivitäten

Prolog | Michas Welt - MSW Welten
von Michael Waldow

 

Manchmal ist die heutige Jammerei der Zeitgenossen nicht zu verstehen. Manche klagen ihr Recht auf Freiheit ein, ohne dass sie diese Freiheit so recht zu nutzen wissen, es sei denn am Ballermann auf Mallorca oder durch Geschrei auf dem Marktplatz. Wir haben Probleme, von denen die Menschen im Mittelalter nur träumen konnten. Ihnen setzte die Pest zu und ohne Fernseher, Handy, staatlichen Hilfen und Kinderbetreuung hatten sie trotzdem Spaß am Leben. Die Zeiten ändern sich. Sie werden besser, nur merkt der Mensch es vielfach nicht, weil er mit sich selbst beschäftigt ist.  

Dies Mittelalterleben einzufangen, ist ein schwieriges Unterfangen, wenn nicht sogar unmöglich, weil unsere Vorstellungskraft nicht ausreicht, um die damalige Zeit zu erfassen. Wir haben nur Fragmente überliefert bekommen.  Unsere Theatergruppe, einstmals als Quinta-X-Essentia gegründet, näherte sich dieser Zeit auf ihre Weise. Nämlich mithilfe von Slapstickstummfilmen, jener schon vergessenen Filmform in der einst Charlie Chaplin, Stan Laurel, Oliver Hardy und einige mehr brillierten. Sie sind zwar nicht zu toppen und hatten andere Möglichkeiten ihre Filme umzusetzen, aber die Freizeit- und Kreativgruppe, wie die Theatergruppe sich seit 2020 sich nennt, hat sich damit mal beschäftigt und sich einige solcher Filme befleißigt. Freilich ist seit dem Dreh schon einige Zeit vergangen, sodass die auf alt gemachten Filmen wohl jetzt ihre Berechtigung haben, rein bildlich gesprochen.

So begleiten wir in einem Film den Salzkaufmann Erasmus von Halberstadt, vielleicht diesem oder jenem vom Hansefest bekannt, nach Schloss Dieskau, wo er Hilfe braucht und sie auch bekommt, natürlich gegen bares. Wenigstens diese Tatsache ist mit heute vergleichbar. Oder dieser umtriebige Kaufmann muss entsetzt erleben wie ihm Hühner und Eier gestohlen werden. Mit seinem Freund Justus macht er sich auf die Suche nach dem Eierdieb. Allerdings geht die Jagd anders aus, als er denkt. Nun sind die Filme, wie gesagt schon ein bisschen älter und der Mundschutz war noch nicht aktuell, falls jemand dies hinterfragt.

Spaß hat es schon damals gemacht und der Freizeit- und Kreativverein „Michas Clan“ hat in der nächsten Zeit noch einiges vor. Die Mitglieder arbeiten derzeit an einem Salzspiel, recherchieren für die hallischen Zeittafeln von 800 bis 1600, proben für ein paar Sketche und bauen ihr neues Freizeittheater und einen Vereinsraum in Lettin aus. Stillstehen ist eben nicht.  Ach ja, weil wir gerade dabei sind. Kochen kann die Gruppe auch und heute wird es ein Eierkuchenduell des Leiters der Gruppe (60 Jahre) gegen ein Mädchen (14 Jahre) der Gruppe sehr zum Gaudi der Juroren, die ebenfalls zum Verein gehören, veranstaltet. Das ist dann schon das zweite Kochduell, verlor doch besagter Leiter bei dem ersten Duell gegen seinen Kontrahenten, der noch ausgerechnet der Vater der heutigen Duellantin ist.

Ach ja, wir sind unter 10 Personen und haben eine Riesenküche zur Verfügung, die in kein Wohnhaus passt. So ist Abstand halten ein Kinderspiel. Muss man ja heutzutage bemerken. Bemerkenswert sind somit die Aktivitäten des Vereins schon, der seine Freiheit auskostet und sie sinnigerweise sinnvolle Freizeitbeschäftigung nennt. Übrigens mitmachen kann jeder, der Verein hat noch eine Menge Projekte für Theaterspieler, Geschichtenschreiber, Spielerfinder, Computerprogrammierer, Filmer und Fotografen, Köchen, Handwerker, vor.

Besser als nur die böse Welt zu beheulen, ist das allemal.

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