Von Bischöfen, Pfannkuchen, Wilden Reitern und Liebesquellen

Eine geschichtliche Kremserfahrt | Michas Welt - MSW Welten
von Michael Waldow


Eine Kremserfahrt machten schon viele, aber eine mit einem Salzkaufmann, Mönch und einem Bischof ist schon etwas Besonderes.Eine 90-jährige Seniorin und Geburtstagskind erlebte dies am eigenen Leibe.

Mit 90 Jahren hat man schon viel im Leben gesehen und nicht viel kann einen eigentlich noch überraschen. So glaubt das auch die Jubilarin Edith J. als sie an diesem Samstagnachmittag in einen Kremser mit ihren Gästen steigt und eine ruhige Fahrt durch die Dölauer Heide erwartet. Doch mit dem ruhig ist das so eine Sache, denn es gab noch einen Gast und der passte so gar nichts ins Bild mit seiner mittelalterlichen Kleidung. Souverän stellte sich der Typ als Erasmus von Halberstadt vor, einem Salzhändler aus dem 15. Jahrhundert und bot sich an, Geschichten aus der Dölauer Heide zu erzählen. Und schon ging die Fahrt los, organisiert von Sandy Wohlleben und Christian Schurig aus Halle-Lettin, die auch auf dem Kutschbock saßen. 

Die beiden Schimmel von Uwe Ulrich zogen an und Erasmus legte los. Es wurde für die Insassen eine Zeitreise, die vor 300 Millionen Jahren mit der Entstehung des Porphyrs begann, eben jener Zeit, als die Landschaft noch unter der Feuerkraft der Vulkane geformt wurde. So war nicht nur der Umfang des Salzhändlers enorm, sondern auch das, was Edith J. und ihren Gästen noch alles geboten wurde. Auf dem Weg durch die Heide erfuhren sie viel über die Landschaft, die Tiere und vor allem über die Geschichte der Dölauer Heide, die schon wesentlich mehr gesehen und erlebt hat als Edith J. Sie hörten von dem Wilden Reiter, Prinzessin Zorge, von mancherlei verruchten Taten und lernten auch die frivole Lebensart des Christian Wilhelm kennen, seines Zeichens Lebemann und Administrator im 17. Jahrhundert. Er liebte nicht nur das Jagen und schöne Frauen, sondern gab der Bischofswiese und dem Bischofsberg (heute Kolkturmberg) seinen Namen. Die Leute nannten den Administrator (Verwalter) Christian Wilhelm Bischof, weil vor ihm Bischöfe im Besitz der Heide waren An besonderen Stellen blieb der Kremser für einen Moment steh‘n und man genoss nicht nur die frische Luft, sondern hörte den Ausführungen des Salzhändlers zu, der seine Informationen über Schwedenschanze, Heidegrab, Kolkturm wie Salz unter die Leute streute. Nun sind ja geführte Wanderung nicht unbedingt etwas Neues, wenn nicht einige Dinge geschehen wären, mit denen keiner rechnete.

So die Sache am Waldkater. Erasmus und Sandy präsentierten den verdutzten Gästen nicht nur die Geschichte des Waldkaters, sondern auch eine Prämiere. Vor hundert Jahren hatte ein Vorfahre des Christian Schurig, mit Namen Franz Schurig, nicht nur den Waldkater in Besitz gehabt, sondern massenhaft Pfannkuchen verkauft. Und genau, die gab es heute auch, der Zeit angepasst, nach einem Geheimrezept, das auf den Überlieferungen des Originalrezeptes beruht. Gebacken wurden die in Blätterform gestalteten Pfannkuchen von Erasmus (Michael Waldow) und Sandy Wohlleben in der Feierlaune der Quellgasse in Nietleben, wo die professionelle Küche dem Kremserteam zur Verfügung gestellt wurde. Ohne Sponsoren geht es nun mal nicht. Auf die frischen und noch warmen Pfannkuchen gab es Gose, genau wie vor hundert Jahren, auch wenn der Geschmack gewöhnungsbedürftig war. Erasmus plauderte derweil vergnügt über die Geschichte des Waldkaters der fast 140 Jahre im Besitz der Familie Schurig war.

In bester Laune ging es bald weiter zur Dichtereiche oder dem Liebesquell, wie Christian Schurig diese Stelle mit steinerner Bank nannte. Dort deklamierte Erasmus ein erotisch, frivoles Gedicht, was den Herrschaften nicht nur EIN Lächeln auf das Gesicht zauberte. Warum Christian diese Stelle Liebesquell nannte, gab er nicht zum Besten, aber nach dem Gedicht machte jeder sich seine eigenen (frivolen) Gedanken. Der nächste Halt war an der Wolfsschlucht, wo sich ein Mönch mit Sauspieß aufbaute und barsch den Wolfzins forderte, sonst müsse man schutzlos zu Fuß weitergehen. Gut das Erasmus die Gäste vorher mit dem Gojaner ausgestattet hatte, dem Zahlungsmittel der Reise. Ihn sollte man zur Weiterfahrt abgeben. Doch die Gäste behielten den in Bierdeckelform mit einem Wolf (Goja, Sandys altdeutsche Schäferhündin) bedruckten Wolfszins lieber und zahlten dafür einen Taler dem gestrengen Mönch. Der ließ sie ziehen und verwandelte sich auf der weiteren Fahrt in einen Bischof. An der Jungfrau gab es den nächsten Halt und Frau Edith J., junggebliebene 90-jährige, bekam runde Augen, da sie aussteigen musste. Der Bischof beschenkte sie nicht nur mit lieben Worten, sondern gab ihr auch in lateinisch die Absolution, die für sie beurkundet und obendrein versiegelt wurde. Das trieb der Jubilarin die Tränen in die Augen und der Bischof bekam noch eine lange Umarmung als Dank.

Schon befand man sich auf den Rückweg und der zurückverwandelte Erasmus gab Geschichten von Halle zum Besten und dazu einige Andenken heraus, ob nun ein Kleeblattbonbon in Erinnerung an die Heide, einen Schlüssel von der Hansemagd, mit dem man die Geschichte der Heide öffnen kann oder einem originellen Salzstreuer mit Salz aus der Saline, die die Hansemagd einst erhielt. Der Salzstreuer war ein Salzsäckchen, das man schwenken konnte und der dann ein wenig Salz verlor, gerade genug fürs Frühstücksei. Viel zu schnell gingen die eineinhalb Stunden vorüber und die Gäste, besonders genannte Edith J. und ihre Tochter, die diese Fahrt bei Salt Rook Shire Horses (Sandy Wohlleben) gebucht hatte. Ein Gruppenfoto beendete die besondere Geschichtsreise über Slawen, Bischöfe, Wölfe und Eierkuchen.

Damit diese Reise in Erinnerung bleibt, gab es obendrauf noch ein achtseitiges Informationsheftchen vom MSW-Welten Verlag (ein Eigenverlag von Sandy Wohlleben und Michael Waldow, der Salt Rook Shire Horses, Christian-Schurig, die Hallische Hanse publizistisch und fotografisch betreut) zu den wesentlichsten Stationen der Kremserfahrt.  Das zauberte noch ein Ah und Oh auf die Lippen der Besucher, die sich vom Kremserteam kaum trennen konnten.

Geschichte einmal anders erleben, Geschichte zum Anfassen und Lächeln und mit einigen Highlights, was konnte es mehr geben. Und so hatte Edith J. etwas gesehen, was ihr die vergangenen 90 Jahre noch nicht geboten hatten.

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