Die 30. Bundeszuchtschau der Shire Horses in Moritzburg

Zwei Shire Horses aus Halle zeigen sich sich | Michas Welt - Pferde
von Michael Waldow

Der Morgen ist noch sehr jung, als Christian Schurig die Türen des Pferdehängers schließt, kurz noch die Zurückgebliebenen grüßt und sich mit seiner fast zwei Tonnen Pferdelast auf dem Weg macht. Die Zurückgebliebenen sind seine Partnerin Sandy, Besitzerin der beiden Shire Horses im Auto, drei Reitbeteiligungen bzw. Reitschüler, ihre Tochter und ihr Freund der Fotograf Micha, welcher bei jeder Unternehmung mit dabei ist und die ganze Sache dokumentiert.

Schnell nimmt sie ihre Salt Rook Shire Horses Truppe, welche aus ihrer Tochter, die Helfer und den Fotografen besteht, zusammen und los geht es mit dem VW-Bus zur Bundeszuchtschau nach Moritzburg einem riesigen Landesgestüt, dass schon zu DDR Zeiten bekannt war.

Knapp zwei Stunden später stehen Anouk und Tori in ihren zugewiesenen Boxen auf dem riesengroßen Terrain. Der Platz füllt sich, überall wuseln Menschen herum, schleppen Heu und Trinkwasser oder putzen ihre stattlichen Tiere. Einige Pferdetransporter sehen aus wie übergroße fahrbare Hotels, in denen locker sechs dieser „Gentle Giant“ (sanfte Riesen) passen und auch noch die Menschen zusätzlich übernachten können. Das zeigt dann wohl die Bedeutung und Prominenz der Zuchtschau an, deren Schirmherrschaft der Ministerpräsident des Freistaates Sachsen hat. Das Landesgestüt besteht seit 1733 in Form von Jagdstallungen und wurde 1815 zur Zuchtstation durch ein Dekret des damaligen Königs, Anton der Gütige, aufgebaut. Dieses Gestüt widmet sich aber mehr den Warmblutrassen und seit 1956 gehören dazu auch Haflinger, die beliebten Lichtfüchse.

Sandy hat für Geschichtsunterricht gerade keinen Sinn, steht sie mit ihren 1,60 m auf einer Leiter und beginnt mit dem aufwendigen Einflechten der Mähne. Dieser Schmuck bringt die Halslinie des Tieres für die Richter zur Geltung und die eingeflochtenen Bänder mit ihren Farben symbolisieren zudem auch den Stall, aus dem die Tiere kommen. Bei den Salt Rook Shire Horses sind es die Farben türkis, schwarz und weiß. Geduldig lässt Anouk die Prozedur über sich ergehen, war sie anfangs ein bisschen aufgeregt, weil sie von Tori getrennt in einer Box untergebracht wurde. Jedoch standen die beiden Halbschwestern mit der Startnummer 65 und 66 nebeneinander und konnten sich so sehen und riechen. Dazu kamen noch die vertrauten und beruhigenden Stimmen der Begleiter. Da war alles wieder in Ordnung. Nach der Mähne musste noch der Schweif eingeflochten werden, damit die Beine und natürlich der Gang durch die Preisrichter besser bewertet werden konnte. Dazu wurden ebenfalls Bänder und Schleifchen eingeflochten und als krönender Abschluss wurde eine Art Ring eingesteckt. Anouk war nach fast einer Stunde und 20 Minuten aufgepimpt. Ein schnelles Shooting des Ergebnisses und Christian führte Anouk zum Ring, um sie endlich zu präsentieren. Vorschriftsmäßig hatte er eine Anzugsjacke, ein weißes Hemd und einen Schlips an. Was tut man nicht alles für die Pferde, denen er schon seit seiner Kindheit verbunden ist.

Anouk mit ihren 17 Jahren, was Sandy ein kleines Seufzen abringt, trat in der Seniorenklasse auf. In der aufsteigenden Hitze war es schon schwierig, die Prozedur über sich ergehen zu lassen. Die Preisrichter aus England betrachten erst mal die gesamten Tiere im Überblick, um sie sich dann einzeln vor zu nehmen. Da wurden die Strukturen abgetastet, der Muskelaufbau betrachtet, der Behang untersucht und die Pferdeführer mussten einzeln auf und ab gehen und im Trab eine Runde im Ring laufen. Das brachte manchen außer Puste. Christian machte indes eine gute Figur. Die Begleiter der Salt Rook Shire Gruppe kamen den Bitten der Veranstaltungsleitung nach und entsorgten die Pferdeäpfel vom Platz.

Sandy hatte keine Zeit sich über die Hitze Gedanken zu machen, musste sie doch Anouk von ihrem „Schmuck“ befreien und dann Tori „aufhübschen“. Die Zeit drängte, und es blieb bis zu Toris „Einsatz“ eine knappe Stunde. Aber die Begleiter funktionierten aufs Wort. Ein Mädchen entflechtete Anouk, die Andere stand bereit für die Entgegennahme der Fähnchen, Sandy kümmerte sich derweil um den Schweif, der Fotograf fotografierte und machte Handreichungen, wenn nötig, oder besorgte schlichtweg ein Würstchen, um den Hunger zu stillen. Sandy arbeitet schnell, konzentriert und pünktlich 10:40, nach nur einer Stunde, war Tori fertig. 10:45 sollte es in der Klasse der 4-Jährigen und älter losgehen, aber die Show verzögerte sich um fast 30 Minuten, was bei solchen Veranstaltungen durchaus vorkommen kann.

Dann endlich in nunmehr unerträglicher Hitze musste Christian die vorgeschriebene Prozedur durchlaufen. Die Preisrichter waren nicht zu beneiden. Tori nahm es gelassen und absolvierte souverän mit Christian das Programm.

Christian war erleichtert, sich endlich aus seinem Anzug zu schälen. Die Mittagshitze hatte ihren Höchststand erreicht und nach einem ausgiebigen Mittagsessen machte sich die Truppe auf den Heimweg. Nicht ohne den Tieren noch eine Beindusche zu genehmigen, was Micha der Fotograf, mit Freude übernahm.

So ging ein anstrengender Tag vorbei und zu Hause wertete man den Tag bei einem Glas Sekt ausgiebig aus. Tori und Anouk waren auf der Koppel, sie hatten das Ereignis wohl schon vergessen und widmeten sich ausgiebig dem Fressen.

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