Kaffenkahn und Moberle

Begegnungen im Mittelalter | Michas Welt - Hanse
von Sabine Majetic

Im Refugium des Hallischen Hansevereins in der Salinefanden und finden die "Begegnungen im Mittelalter" statt. Kinder erfahren hier, wie im Mittelalter gespielt wurde, mit einfachsten Mittel. Vieles wurde nachgebaut. Höhepunkt ist dann eine Fahrt mit dem Kaffenkahn über die Saale.

Das Refugium in der Saline dient dem Hanseverein als eine Art Vereinsmuseum, wo man sich trifft, Leute herumführt und von der Hanse und der Zeit des Mittelalters erzählt. Das hat sich noch nicht so ganz herumgesprochen und schon muss aufgrund der Renovierungsarbeiten in der Saline das Refugium im November geschlossen werden. Noch sucht der Hanseverein nach einer Bleibe, schließlich will man nicht nur seine Sieben-Sachen unterstellen, sondern sie auch zeigen, weil Geschichte sich nun mal nicht zum Verstauben eignet. Einiges ist im Gespräch, aber es geht wie immer um das liebe Geld und der Hanseverein kann sich nur schwerlich eine Miete leisten. Die Gelder der Vereinsmitglieder werden für das Hansefest gebraucht.

Trotzdem finden bis zuletzt, wie gerade geschehen, noch „Begegnungen im Mittelalter“ statt, was nichts Anderes ist, als Spiele aus dem Mittelalter vorzustellen, die schon vor 500 Jahren von Kindern gespielt wurden. Also im Prinzip alles ohne Computer und Handy mit einfachsten Materialien, die die Kinder schnell zu besorgen konnten. Dazu gehören Baumstämme und Äste wie bei Moberle, einem Spiel, was sogar mal verboten wurde, weil es exzessiv gespielt wurde, aber auch das noch heute bekannte Sackhüpfen oder das ganz profane Erbsenspucken.

So kamen zwei vierte Klassen aus Heide Nord und spielten, was das Zeug hielt. Verwunderlich ist, dass viele Stadtkinder die Erbsen als solche überhaupt nicht erkannten. Neben den Spielen vom Bornknechtrennen, bei dem man ganz nebenbei auch etwas über die Salzwirker hörte, konnte man die schrecklichen Waffen des Mittelalter anfassen, bestaunte das Salzkontor und bekam Lustiges über die Taverne „Zur weißen Hänne“ zu hören. Erasmus von Halberstadt, der Hansekaufmann des 15. Jahrhunderts höchstpersönlich, gab hier den Ton an und verteilte auch schon mal den Gewinnern Süßigkeiten, die sich die Kinder hart „erarbeiten“ mussten. So gab es viel Spaß, der nur einmal durch einen „alten“ Mann gestört wurde, der nicht einsah, dass Geschichte und Spiel zusammengehörten und kurzerhand die Salzkote sperrte, weil er die Situation nicht richtig einschätzte und sich halt mal kurz wichtigtat. Das störte den Spaß nur wenig und man spielte munter weiter. Die Kinder lernten viel über die Geschichte der Salzwirker, des Salzes und natürlich dem Leben im Mittelalter kennen. Das war Geschichte zum Anfassen.

Die Krönung war zum Schluss eine Fahrt mit dem Kaffenkahn über die Saale unter der Führung von Justus von Dölau alias Jürgen Seilkopf.  Jedes Kind bekam beim Aussteigen dann eine Urkunde über die Teilnahme an der Veranstaltung. Zurück blieben in der Saline ein paar Erbsen vom Erbsenspucken, ein Erbsenzähler (der „alte“ Mann) und das Lachen der Kinder. Zwei gelungene Tage oder wie eine Lehrerin beeindruckend meinte: „Das war ganz großes Kino“.

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