Ein fast "mittelalterliches" Kochduell

Schüler vs. Lehrer | Michas Welt - Hanse
von Michael Waldow

Es waren einmal zwei Körbe, prall gefüllt mit Gemüse, Obst und allerlei weiteren Speisen. So könnte ein Märchen aus dem Schlaraffenland klingen, wenn es denn ein Märchen wär.

Aber diese Körbe voll leckerer Dinge gab es wirklich, in der Küche der Gemeinschaftsschule Heinrich Heine, was nun angesichts des Faches Hauswirtschaft nun wirklich nichts Ungewöhnliches ist. Ungewöhnlich waren dann doch die drei Gestalten, die wie aus einem anderen Jahrhundert mit ihren Kleidern wirkten. Tatsächlich gehörten die zwei Mittelalterkaufleute und die Patrizierin der Hallischen Hanse an, trugen Gewänder des späten Mittelalters.

Die scheinbar normalen Körbe hatten es aber auch in sich und das im wahrsten Sinne des Wortes. Da lugte ein großer Rettich hervor und dort kam ein großer Laib Brot zum Vorschein. Die Weidenkörbe waren voll mit frischen Kräutern, Äpfeln, Birnen, Kohl  und Eiern. Wer Kartoffeln, Tomaten, Blumenkohl und Paprika erwartete, der deutschen Küche liebstes Kind, wurde hingegen nicht fündig. Stattdessen zauberten die drei Hanseleute Erbsen, Linsen, Schmalz, Butter, Geflügel, Grieß und Hirse auf den Küchentisch und irgendwie sah alles ein wenig zu gesund aus. War es im Prinzip, wenn  auch ungewollt. Es wurde nur eingekauft, was es im Mittelalter gab. Schließlich hieß die ganze Sache auch Mittelalterkochduell zwischen Lehrern und Schülern der Schule.

Und schon war die Aufgabe klar. Jede Kochgruppe sollte eine Vor-, Haupt- und Nachspeise aus den vorhandenen Zutaten zusammenstellen oder kochen. Keiner wusste vorher, was der Hanseverein eingekauft hatte und man musste  sich von einigen Kochgewohnheiten verabschieden, wie eben von den oben genannten Zutaten zum Beispiel, die es im Mittelalter nun mal nicht gab. Übrigens gab es damals ebenfalls kein Zucker, da wurde mit Honig vorliebgenommen. Als Erasmus v. Halberstadt, der Hansekaufmann, den Startschuss für zwei Kochstunden gab, gab es auch kein Halten mehr und die Teams legten los, erst mal mit einer ausgiebigen Begutachtung der leckeren Sachen und dann einem Schlachtplan, respektive Kochplan.

Dann ging ein Tuscheln und Raunen, ein Kochgeschirr klappern und viel Lachen los. Natürlich konnte mit modernen Mitteln gekocht werden, sonst hätte wohl die Sache die doppelte Zeit gekostet. Wie viel Kreativität beide Teams an den Tag legten, war erstaunlich. Sarah, vom Schülerteam schnetzelte und schnipselte, was das Zeug hielt, während ihre Schwester Annalena sich mit profanem Grießbrei herumschlug, der letztendlich einen wundervollen neuartigen Geschmack bekam. Lena, die Dritte im Bunde fachsimpelte mit Ramona, die als gestandene Mittelalterköchin den einen oder anderen Tipp hatte. Währenddessen begutachtete Jurymitglied Justus von Dölau die Kochtöpfe und schnupperte hier und da den Kochduft ein. Er konnte gar nicht erwarten zu kosten was er sah. Was er sah, war himmlisch. Benjamin vom Lehrerteam drehte Geflügelrouladen mit getrockneten Pflaumen, Tina bereitete einen Grießturm mit Apfel-Birnen Obst zu und Stefanie köchelte an ihrem „Hexentopf“, dessen rötlicher Sud vor sich hin blubberte. So verwandelten sich die Zutaten aus Nüssen, Roggenmehl, Milch, Zwiebeln, Rote Bete und Honig langsam aber sicher in Speisen, die nur noch bewertet werden mussten.

Das taten dann auch die Juroren, Ramona und Justus. Die Entscheidung fiel denkbar knapp zugunsten der Lehrer aus, wobei die Schüler in der Rubrik Aussehen die Nase vorn hatten. Einfach war die Entscheidung nicht, wie man aus dem Seufzen der Verkoster hörte und mancher verdrehte auch seine Augen, weil der Geschmack eine Wonne war. Justus empfand sogar eine Hauptspeise, es waren die Geflügelrouladen mit Pflaumen und Brotkrumen in Schinkenausgebraten, als fürstlich. Ein hohes Lob. Eigentlich gab es nur zwei Gewinner und eben eine Menge Spaß und belohnt wurden beide Teams mit Landschaftskalender, Salzsäckchen aus der Saline, Urkunde und Hansebuch. Obendrein wird es wohl im nächsten Jahr auch eine Kochstunde mit einem Halloren geben und eine Kaffenkahnfahrt auf der Saale ist für die Teilnehmer ebenfalls angesagt.

Na, wenn das man nicht etwas ist, was man noch in Jahren erzählen und auch nachkochen kann.
Zum Video geht es hier entlang...

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