Der Hanseverein mit dem "Fischer un sine Fru"

Einfach mal nur entspannen bei Fisch und frischem Wind | Michas Welt - Hanse
von Michael Waldow

 

Was geschieht, wenn der Hanseverein auf den Fischerhof am Kerner See trifft? Richtig ein zünftiges Fischessen. Man kennt sich, Ulrich Kulawik, Ingenieur für Binnenfischerei seit den 80-gern und der Hanseverein. Hat doch dieser Uli zum 11. Hansefest mit seinem Fisch lange (Fisch)Schlangen produziert und Erasmus zum lautstarken Werben für seine handgemachten Fischbrötchen verführt.

Hat doch dieser Uli zum 11. Hansefest mit seinem Fisch lange (Fisch)Schlangen produziert und Erasmus zum lautstarken Werben für seine handgemachten Fischbrötchen verführt. Und weil das Ulrich Kulawik gefiel, lud er kurzerhand die Truppe auf seinen Fischerhof ein. Das ließen sich die Quintaner (Mitglieder der Theatergruppe des Hansevereins) nicht zweimal sagen und bei einer anständigen Portion Fisch kam man nicht nur auf den Geschmack, sondern auch ins Gespräch. Uli konnte einen ganzen Schlag aus seiner bewegten Fischergeschichte erzählen.

Immerhin betreibt er seinen Fischerhof seit 2002 und musste durch Neider, Behörden und anderen bisweilen existenzbedrohenden Tatsachen hindurch. Aber dank seiner Frau Marlis und seinem Sohn Christian, der in seine Fußstapfen tritt, blieb dem Uli das Lachen nicht im Halse stecken. Für einen Außenstehenden scheinen die Mittagsmenüs ein wenig teuer, 22 € für einen Stör mit ein „bisschen“ Kartoffel- und etwas Krautsalat hat schon manchen Zweifeln lassen. Doch Uli lächelt dann immer und fordert auf, sich erst mal zu laben, bevor man urteilt: „Der Fisch soll satt machen und nicht das Beiwerk.“ Und tatsächlich ist es so, Aal, Karpfenchips, Stör, Backfisch, Zanderfilet, dazu ein leckerer Kartoffelsalat lassen alle Ressentiments fallen und der Bauch ist wohlgefüllt.

Leider lässt sich aber nicht leben von dem Essen und immerhin wollen die Verkäuferinnen und seine Helfer auch bezahlt werden. „Mantje, mantje, Timpe te, Buttje, Buttje in der See – mine Fru, die Ilsebill, will nich so als ick woll will.“, sagt das Märchen und ein Butt kommt dem Fischer zu Hilfe.  Das hat mit der Wirklichkeit nichts zu tun. Erstens will die Frau des Fischers wie der Fischer will und zweitens gibt es den Butt mit Kräuterbutter serviert. Da erfüllt nur Fischerarbeit die Wünsche der Familie Kulawik und ihrer Angestellten.

Drei Monate im Jahr tritt zudem noch eine Winterpause beim Wochenendgrillen ein und so ist das Leben des Fischers und seiner „Fru“ nicht nur eine Frage des Imbisses, sondern auch von den weitergehenden Aufgaben eines Berufsfischers geprägt. Die Idylle ist für den temporären Besucher aber perfekt: ein herrlicher See, ein besonderer Ausblick, ein Fischmahl und eine sehr gute Betreuung durch das Team. Das ist nicht nur so daher gesagt, sondern einfach auch erlebt. Da kommt der Uli leicht ins Fachsimpeln und schon tauschen Jürgen Seilkopf, seines Zeichens Segler, ein bisschen Fischkenner, Reuseninstanthalter und 2. Vorsitzender des Hansevereins, ihre Erfahrungen und Anekdoten aus. Natürlich werden die Fische in Jürgens Erzählungen immer größer, sehr zum Vergnügen der Anwesenden, und Uli erzählt aus dem Leben eines Fischers und den Besonderheiten seines Standortes hier am Kerner See, der einst zum Salzigen See gehörte. Immerhin haben die Kulawiks zwei Telefone und zwei Nummern mit unterschiedlichen Vorwahlen, dazu findet die Post ihren Standort öfters mal nicht, oder Sendungen laufen einfach mal fehl. Ist ja auch nicht so einfach, wenn die Grenzen vom Schreibtisch der Behörden ausgezogen werden (Den Satz verstehe ich nicht). Was heute für handfestes Gelächter sorgt, täuscht nicht über die Sorgen hinweg. Aber Uli hat sich im Laufe der Zeit ein dickes Fell oder besser dicke Schuppen wachsen lassen.

Doch die Kulawiks denken weiter und bieten auch für Kinder einige Programme an, was nicht immer leicht ist. Wurden früher in Klassenzimmer noch Fische und Frösche seziert, ist das heute nur noch schwierig bis unmöglich. Einige Eltern verbieten solche Anschauungen regelrecht. Erasmus, im wirklichen Leben Lehrer für Biologie, kann da mitreden, muss er doch selbst erleben, wie Kinder und Jugendliche der Natur regelrecht entwöhnt sind und es immer schwieriger wird, Schüler solche Erlebnisse nahezubringen. Naturschutz und entsprechendes Wissen ist eben halt nicht immer bei jedem vereinbar. Aber heutzutage kann man ja freitags wenigstens demonstrieren gehen, natürlich zu Recht, wir haben nur diese eine Welt, aber irgendwie bleibt das fade Gefühl zurück, das nicht bei allen auch handfestes Wissen dahintersteckt. Und so lacht die bunte Truppe auf dem Fischerhof nicht nur, sondern sinniert auch über das Leben, die Zukunft und den Niedergang des gesunden Menschenverstandes.

Natürlich kommt die Frage nach Angelmöglichkeiten für Touris auf und Kulawik lächelt vielsagend. „Es gibt ein Fischereigesetz. Jedes Bundesland hat seins. In Sachsen-Anhalt darf nur Angeln, wer einen Angelschein hat. Urlauber dürfen hier keinen Angelschein kaufen wie in anderen Bundesländern. Das ist schade. Aber 20.000 Angler, die ihr Hobby hochhalten, haben gegen 20 professionelle Fischer „gestimmt“ oder hatten mehr Gewicht einzuwerfen, da gehen die Interessen schon mal auseinander. Man warf den Fischern Dollaraugen vor, machte sein Fischereigesetz und manchen sollen es sogar bereut haben. Immerhin verschenkt man sich einen touristischen Magneten. Aber von solchen Dingen können alle Anwesenden ein Lied singen, der Lehrer, der gegen allwissende Eltern zu kämpfen hat und sich gegen Anwälte von besonders „hyperaktiven Kindern“ durchsetzen muss, die Pferdefreundin, deren Partner als Pferdetrainer arbeitet und unter Neidern, dümmlichen Gerüchten zu leiden haben und Rechtsanwälte beschäftigen müssen, der Saalebeauftragte, der gegen die Windmühlen der Bürokratie ankämpft oder dem Verein, der versucht, die Geschichte der Stadt touristisch zu nutzen und eigentlich von der eigenen Stadt und ihren bombastischen Aktionen übersehen wird.

Der servierte Kaffee und Kuchen, großzügig von Familie Kulawik als Dankeschön fürs Hansefest gespendet, natürlich selbstgemacht, vertreibt die kurz aufblitzenden Sorgen und man widmet sich wieder den angenehmen Anekdoten. Uli Kulawik kramt noch eine Broschüre namens „Luthers Heimat“ heraus.  12 Unternehmen, wie Pensionen, Landmärkte, Weingüter, Destillerie, Kloster und Mahn- und Gedenkstätten schlossen sich zusammen und gaben ein Wegweiser für den hungrigen, durstigen und geschichtsbewussten Wanderer heraus. Es gibt noch immer genügend Menschen, die einfach nur das Leben genießen wollen, ohne gleich die Welt in ihre Einzelbestandteile auflösen zu müssen.

So war es ein schöner Nachmittag und man hat gesprochen über das, was vielleicht gemeinsam gemacht werden könnte, auch wenn der Konjunktiv bis dahin noch einige Fische durchs Wasser schwimmen lässt.

Was geschieht also, wenn der Hanseverein auf den Fischerhof am Kerner See trifft? Richtig, ein fischgemütlicher Nachmittag, selbst wenn einem ein stürmischer Wind an diesem Tag um die Ohren bläst. Aber dies, so stellten alle fest, geschieht im richtigen Leben auch.

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