Kröllwitz

Ein kleines Fischerdorf... | Michas Welt - Geschichten aus Halle
von Michael Waldow

Kröllwitz, ein altes Fischerdorf gegenüber der Burg Giebichenstein gelegen. Schulze-Gallera nannte es einen breiten Alluvialstreifen (Schwemmböden an Flussufern), den die Wassermassen sich schnitten und der dann zur Siedlungsstätte wurde. Die Siedlung soll im 7. Jahrhundert durch Slawen entstanden sein.

Kröllwitz, ein altes Fischerdorf gegenüber der Burg Giebichenstein gelegen. Schulze-Gallera nannte es einen breiten Alluvialstreifen (Schwemmböden an Flussufern), den die Wassermassen sich schnitten und der dann zur Siedlungsstätte wurde. Die Siedlung soll im 7. Jahrhundert durch Slawen entstanden sein. Der Name Kröllwitz bedeutet Königssitz, wohl nach einem Häuptling, der hier residierte. Die Fischerei wurde hier betrieben und natürlich auch eine Art Fährbetrieb zum anderen Ufer der Saale. Eine hölzerne Brücke versuchte man 1363 zu bauen, doch die Saale rebellierte und zerstörte sie. Also war wieder Fährbetrieb angesagt, übrigens auch für Luther, der am 28.01.1546 nach Eisleben reiste. Die Fähre existierte bis 1870 und die moderne Technik, sprich eine stabile Brücke, spannte sich fortan über die Saale. Schulze-Gallera schrieb 1912, das Dörfchen sei 60 Jahre zuvor eher winzig gewesen und bestand nur aus wenigen Häuschen. Interessant war eher die Papierfabrik seit 1714 und die Petruskirche von 1900, die auf einer vorspringenden Kuppe, dem Tannenberg, steht. Hier speiste einst Karl der V. 1547 zu Mittag, kein Kostverächter und wie es scheint der Landschaft zugetan. Er hatte gut zu speisen, seine Truppen plünderten Halle und Karl genoss den Blick auf die unzerstörte Burg. Ob ihm das Dorf am Fuß aufgefallen ist, das 1291 erstmals erwähnt wurde, wissen wir nicht. Im dreißigjährigen Krieg lag das kleine Dörfchen in Schutt und Asche, genauso wie einige umliegenden Dörfer von Halle auch. Man baute auf und sah 1799 hilflos zu, wie die Saale den Ort und viele Häuser nicht nur überschwemmte, sondern zum Einsturz brachte. Ein Jahr später entstand der „Krug zum Grünen Kranze“, der in DDR-Zeiten im Fernsehen Stammgast wurde. Die Papierfabrik hat ihre eigene Geschichte, die zu erzählen an anderer Stelle geschieht. Da war ein Hauen und Schießen im Jahre 1806, als man mit den Franzosen auf Kriegsfuß stand.

Kaum sichtbar sind all diese Spuren und selbst von der Papierfabrik steht nur noch ein graffittibeschmierter Rest, das Maschinenhaus, dicht an der Saale und dämmert seinem Ende entgegen.

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