Vegetarische und vegane Ersatzprodukte - Kennzeichnung mangelhaft, Gesundheitswert teils fragwürdig

Test der Verbraucherzentralen | Verbraucher
von hallelife.de | Redaktion

Getreidebratling, Lupinen-Bratwurst oder Soja-Eis – vegetarische und vegane Ersatzprodukte haben die Regale deutscher Supermärkte erobert. Doch wie sehen Kennzeichnung und Gesundheitswert aus? In einem bundesweiten Marktcheck der Verbraucherzentralen wurden 127 vegane und vegetarische Alternativen unter die Lupe genommen. Das Ergebnis: Die Kennzeichnung ist oft mangelhaft. Auch der von vielen Verbrauchern erwartete Gesundheitswert wird längst nicht von allen Produkten erfüllt.

Immer mehr Deutsche greifen auf Ersatzprodukte für Fleisch und Wurst sowie Molkereierzeugnisse zurück. Laut einer Umfrage der Verbraucherzentralen von 2016 mit 6.000 Teilnehmern, haben rund 90 Prozent der Verbraucher diese Produkte schon einmal probiert. Als Beweggründe werden meist der ethische und gesundheitliche Aspekte genannt. „Eine bewusste Kaufentscheidung ist nur möglich, wenn der Verbraucher die wichtigsten Informationen auf der Produktverpackung leicht findet – möglichst schon auf der Vorderseite“, erklärt Christa Bergmann, Leiterin Referat Lebensmittel der Verbraucherzentrale Sachsen-Anhalt. Bei dem durchgeführten Marktcheck stand daher die Kennzeichnung der Produkte im Vordergrund.

Kennzeichnung mangelhaft, Siegel bietet kaum Orientierung

Nur circa 50 Prozent der Lebensmittel im Test werden im Produktnamen als „vegetarisch“ beziehungsweise „vegan“ ausgelobt. Stattdessen tauchen verschiedene, nicht definierte Begriffe wie „veggie“, „pflanzlich“ oder „100 % pflanzlich“ auf. Auch die Verwendung von Siegeln lässt zu wünschen übrig. Von den insgesamt 127 getesteten Produkten tragen 31 das Vegetarisch- und 47 das Vegan-Siegel des ProVeg (ehemals Vegetarierbund Deutschland). Die Vegan-Blume der Vegan Society ist auf 20 Produkten zu finden. Hinzu kommen verschiedene Symbole von Herstellern. Die Vielzahl von Labeln mit unterschiedlichen Kriterien ist intransparent. Die Bezeichnung eines Lebensmittels als „vegan“ oder „vegetarisch“ ist bisher gesetzlich nicht definiert.

„Eine klare gesetzliche Regelung könnte mehr Klarheit und eine leichtere Orientierung für Verbraucher schaffen“, sagt Bergmann.

Bei Produkten, bei denen eine charakteristische Zutat tierischen Ursprungs ersetzt wird, sollte die ersetzende Zutat gut sichtbar in Verbindung mit dem Produktnamen genannt werden wie z.B. „Sojabasis, „…mit Erbsenprotein“. Diese Ersatzzutat war aber nur bei einem Drittel der Produkte vorne auf der Verpackung zu finden.

Gesundheitswert der Ersatzprodukte teilweise fragwürdig

Etliche Verbraucher (40 Prozent[1]) erwarten, dass Ersatzprodukte eine gesündere Alternative sind. Tatsächlich zeigen sich bei den Nährwerten aber große Unterschiede. So sind Ersatzprodukte für Wurst und Fleisch zwar durchschnittlich kalorienärmer und enthalten weniger gesättigte Fette als die Originalprodukte, 80 Prozent der untersuchten Produkte enthalten jedoch zu viel Salz und sind daher nicht empfehlenswert. 90 Prozent der Produkte, die mit nährwert- oder gesundheitsbezogenen Angaben werben, weisen eine ernährungsphysiologisch ungünstige Zusammensetzung auf. Hinzu kommt, dass einige Ersatzprodukte bis zu acht Zusatzstoffe enthalten – teilweise mehr als das zum Vergleich herangezogene Originalprodukt.

 

[1]Laut einer bundesweiten Umfrage der Verbraucherzentralen im Juni 2016: 

http://www.verbraucherzentrale-niedersachsen.de/Umfrageergebnisse-vegan-vegetarische-Ersatzprodukte.pdf

 

Vegetarische und vegane Ersatzprodukte bieten somit nicht zwangsläufig eine gesündere Alternative. Verbraucher müssen daher genau hinschauen und jedes Produkt anhand der Zutatenliste bewerten.

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