30.01.2016, 22:58 Uhr von Martin Schramme

Zukunftsplan für Unternehmen

„Ohne die Kleinen existieren die Großen nicht“

„Arbeitgeber müssen Menschen können“, predigt Ralf Overbeck, Diplom-Betriebswirt, Prozessoptimierer und Unternehmer. An diesem letzten Mittwoch im Januar 2016 ist er im Dorint Hotel Halle, um einige weit verbreitete Praktiken und Ansichten der Unternehmensführung zu hinterfragen und auf den Kopf zu stellen. 

Eingeladen hat ihn die SPD-Landtagsfraktion Sachsen-Anhalt. „Sachsen-Anhalt kann mehr, als früh aufstehen“, behauptet Katja Pähle in ihrer Begrüßungsrede, ein kleiner Seitenhieb auf den umstrittenen Werbeslogan „Sachsen-Anhalt – wir stehen früher auf“, den die CDU 2005 von der Berliner PR-Agentur fischerAppelt ausbrüten ließ und seither gegen die wachsende Kritik, nicht zuletzt von SPD und Linken, vehement verteidigte. Doch was Overbeck referiert , ist ein Paradigmenwechsel, für den Lippenbekenntnisse zu wenig sind.

 

Er rät dazu, die Menschen und die Kommunikation mit ihnen in den Mittelpunkt des Unternehmensmanagements zu stellen. „Wenn nur über Mitarbeiter geredet wird, dann ist das die falsche Richtung. Arbeitgeber müssen Menschen können, denn Menschen entwickeln Organisationen und machen sie attraktiv.“ Ab dem Jahr 2024 geht die Zahl der Menschen im Alter unter 50 Jahren deutlich zurück, die der Menschen über 50 deutlich nach oben, wiederholt der Referent eine Warnung, die von etlichen Fachleuten schon seit Jahren gesungen wird. Ein Umdenken in der Unternehmensführung ist erforderlich.

 

Menschen brauchen Wertschätzung

 

„Was ist gut, was weniger gut für Menschen?“, fragt Overbeck. Die Antworten ähneln sich unabhängig vom Alter der Befragten. Gut sind Anerkennung, Wertschätzung, Entwicklung, sinnstiftende Aufgaben, nicht so gut sind Überförderung und Langeweile. Dass es derzeit 326.000 offene Stellen gibt im Mittelstand, zeigt die Defizite. Overbeck plädierte für die Verbindung von Alt und Jung und eine größere Wertschätzung für die Älteren. Denn das sind die Fähigkeiten, die sich mit dem Lebensalter unter anderem entwickeln: Sozialkompetenz, realistische Selbsteinschätzung, Gelassenheit, Lebens- und Berufserfahrung, betriebsspezifisches Wissen. Was abnimmt, ist die Physis. Individuelle Fähigkeiten zu fördern, bringt alle voran. Viele junge Menschen sehen das Gesamte nicht. Wenn die Jungen mit den alten Hasen zusammenarbeiten, ist das ein Weg zum Erfolg.

 

Nach Overbecks Ansicht, ist es wichtig, das ganze zu sehen und die Kompetenzen von Männern und Frauen, Alten und Jungen, Deutschen und Einwanderern zu kombinieren. Man muss alles im Blick behalten. Zum Beispiel, dass 97 Prozent der Wirtschaft in Deutschland mittelständisch ist. „Ohne die Kleinen existieren die Großen nicht.“ Oder der Stellenabbau, der klassisch mit den Teuren an der Basis begann. Heute ist der Schnitt entlang der Unternehmenspyramide angesagt. Personalabbau, da ist Overbeck sicher, ist auch in Zukunft ein Thema, den Personalkosten sind in Deutschland 50 bis 70 Prozent aller Kosten. Da spricht, für den Moment, der kühle Betriebswirt.

 

Arbeit ist Teil des Lebens“ statt „Wir leben, um zu arbeiten“

 

Die Sicht auf die Arbeit hat sich geändert, stellt Overbeck fest. Er beginnt seine Betrachtung dazu mit den „Baby-Boomern“, also den kinderreichen Nachkriegsdeutschen (1946-1964). In der Gruppe galt die Maxime: „Wir leben, um zu arbeiten.“ Die erste Änderung kam mit der Generation X (1965-1979), die meinte: „Wir arbeiten, um zu leben.“ Der ebenfalls in den USA entstandene Begriff der Generation Y (in Englisch wird Y why, zu deutsch „warum“, gesprochen), beschreibt die Jahrgänge 1980 bis 2000 und deren Sicht: „Erst kommt das Leben und dann der Job.“ Overbeck setzt die Kette gedanklich fort und spricht ab 2001 von der Generation Z (Z für Zukunft), der er die Einsicht in den Mund legt: „Arbeit ist Teil des Lebens.“ Fest steht für ihn, dass die Begründung für Unternehmensabläufe „Das haben wir schon immer so gemacht“ beim Nachwuchs nicht mehr ankommt. „Wenn wir nicht alle (Generationen) zusammenbringen, dann sieht es schlecht aus.“ Jetzt schon brauchen Unternehmen für die Neubesetzung von offenen Stellen bis zu 18 Monate.

 

Vernetzung ist wichtig, so Overbeck. Dank der modernen Kommunikationsmittel können sich Alt und Jung so optimal unterstützen. Wenn ein junger Mann zum Beispiel eine Anlage inspizieren muss, dann kann er sich eine Kopfkamera aufsetzen und von einem älteren Kollegen, der nicht einmal mobil sein muss, gelenkt werden. Der Alte kennt sich aus, der Junge bringt die Physis mit. Alt und Jung müssen dabei nicht immer einer Meinung sein. Konflikte sind der Normalfall und Vielfalt der Nährboden für Entwicklung.

 

Vier Männer und sechs Frauen – das ist die perfekte Mischung“

 

Der gegenseitige Respekt ist ganz wichtig. Overbeck erwähnt an der Stelle alle Altersgruppen, Generationen, Geschlechter, Kulturen und Religionen. „Prüfen Sie, wie es darum steht.“ Es geht um die Gemeinsamkeiten über alle Grenzen. Nebst der Mischung von Jung und Alt spricht er für die richtige Mischung von Männern und Frauen. „Vier Männer und sechs Frauen – das ist die perfekte Mischung.“ In der Konstellation wird am effektivsten gearbeitet, meint Overbeck.

 

Schließlich appelliert der Coach nicht zuletzt an die Mittelständler, ihre Arbeitsweise auch sonst zu überdenken. Er empfiehlt eine echte Zusammenarbeit über alle Hierarchieebenen. Dafür ist Vertrauen unerlässlich. Chefs, denen ihre Mitarbeiter nicht vertrauen und die daher über ihre Mitarbeiter nichts wissen, sind schlechte Chefs. Wenn Aufgaben übergeben werden, muss das Wissen übertragen werden, doch genau das funktioniert oft nicht, so wie es praktiziert wird. Wissenstransfer kann man nicht befehlen, so Overbeck. Eine gute Atmosphäre für den Wissenstransfer besteht beim gemeinsamen Kochen.

 

Um für das Unternehmen zu werben, unter anderem in Form von Zeitungsartikeln, sollten Freiwillige eingesetzt werden, gerne junge Leute. Sehr oft jedoch sind Presseanfragen Chefsache, die nur einer abwickelt: der Chef selbst. Overbeck sieht das als antiquiert an. 

 

Sachsen-Anhalts Frühaufsteher-Kampagne kommt aus Berlin

http://www.fischerappelt.de/cases/fruhaufsteher/

Imagekampagne "Wir stehen früher auf" | fischerAppelt

www.fischerappelt.de

fischerAppelt realisiert die Imagekampagne "Wir stehen früher auf“ für das Land Sachsen-Anhalt. Grundlage war das Ergebnis einer forsa-Umfrage.

Update: 31.01.2015  13:11 Uhr

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