Mauerfall! Kein Grund zum Feiern!

Kommentar zum 9. November | Aktuelles
von Sari Berg

Am 9. November 1989 fiel die Mauer, die viele Menschen an der Reise in den Westen hinderte 28 Jahre lang. Das sahen viele damals so und feierten den Tag wie die Kinder. Wer den frenetischen Jubel und die Tränen der Rührung sah, entdeckte das Gefühl der Befreiung. Nur wenige warnten vor dem Ausverkauf der DDR und wohl niemand sah, dass genau an jenem historischen November-Tag der Bau zahlreicher neuer Mauern begann; zwischen Ost und West, Alt und Jung, Männern und Frauen, Gewinnern und Verlierern, Ehrlichen und Unehrlichen, Berufstätigen und Sozialschmarotzern, oben und unten, Deutschen und Ausländern, Hausbewohnern Ost und Hausbesitzern West, Umweltfreund und Umweltsau ...

Die Bundestagswahl 2017 liegt kaum sieben Wochen zurück, doch sie hat viele der Bruchlinien und Mauerverläufe sehr deutlich gezeigt. Wer mit den Menschen vor Ort redet und nicht den Gesängen der gleichgeschaltet wirkenden Mainstream-Presse folgt, der weiß, wie weit weg das Gerede vom Beschäftigungswunder und wirtschaftlichem Aufstieg von der Realität ist. Viele Menschen ringen jeden Tag um ihre Existenz. Sie leben nicht auf der Straße oder auf Müllhalden, wie etwa in Indien und Brasilien, aber sie leben im freien Fall und der permanenten Angst, den Druck nicht mehr auszuhalten, die Rechnungen nicht mehr bezahlen zu können.
 
Es ist schamloser Zynismus, wenn in den großen Medien die Zahl der offiziell mehr als zwei Millionen Arbeitslosen gefeiert wird, als spräche man von Vollbeschäftigung, dabei ist die Zahl keine Kleinigkeit und überdies das Ergebnis frecher Zahlentrickserei, welche die wahren Verhältnisse verschleiert. Hinter den Fassaden der schönen Scheinwelt verschwinden unter anderem die menschenverachtender Praktiken der Jobcenter infolge der Agenda 2010, die unter der Regierung von SPD und Grünen zustande kam und unter CDU und SPD fortgeführt worden. Unsichtbar ist auch, wie der Überlebenskampf vieler Selbstständiger immer härter geworden ist, weil zahlreiche potenzielle Kunden ihre Rücklagen aufgezehrt haben und weil Krankenkassen und Finanzämter kleine und mittelständische Unternehmen gnadenlos ausplündern, während sie die Großen entgegen aller Lippenbekenntnisse weiter laufen lassen.
 
Wenige Reiche heben sich immer deutlicher von der Masse ab, Rentner wühlen nach Pfandflaschen im Müll - das ist Alltag 2017 in Deutschland! Auch in Halle. Trotzdem schämt sich die Regierung nicht, Milliarden für "Rettungsschirme" aus dem Fenster zu werfen und zu vermelden, dass die Steuereinnahmen so hoch sind wie nie zuvor. Dass Otto-Normalverbraucher inzwischen komplett die Hosen runterlassen muss, ganze Existenzen zerstört und das Tafelsilber der öffentlichen Hand verschleudert werden, bleibt weitgehend im Dunkeln. 
 
Zur unsozialen Marktwirtschaft 2017 kommt die anhaltende Zerstörung von Kultur und Natur. Die deutsche Sprache wurde verhunzt (neue deutsche Rechtschreibung), Deutschlands Städte und Straßen verfallen oder verschwinden hinter kulturlosem Einerlei und die Natur wird einer skrupellosen Industrie aus Massentierhaltung, Biotreibstoffen und Windkraft geopfert. Vögel und Insekten sterben massenhaft und auf Glyphosat werden Genpflanzen folgen.
 
Die Stasi, der allgegenwärtige Geheimdienst der DDR, ist Geschichte, doch das heutige System der totalen Überwachung kombiniert mit der Political Correctness nährt sich Zuständen wie im Roman „1984" von George Orwell. Behörden, Geheimdienste und Unternehmen wie Facebook arbeiten Hand in Hand. Der Datenschutz ist reine Makulatur und trennt im Informationskrieg nur die Privilegierten von den Benachteiligten.
 
1989 rannten viele Menschen Sturm gegen Einheitspartei und Einheitspresse, 2017 sehen sie endgültig, dass es völlig egal ist, ob sie CDU, CSU, SPD, FDP oder Grüne wählen, denn diese Parteien sind zur Einheitspartei im neuen Gewande geworden. Selbst die Linkspartei ist dort bald angekommen und die AfD führt die Abtrünnigen wieder ans System heran, auch wenn sie im ersten Schritt als "Alternative" gegen das Bestehende revoltiert. Wer die Nachrichten sieht, liest und hört, fragt sich indes, warum es so viele Kanäle gibt, wenn sie doch alle dasselbe Lied singen. 
 
Der 9. November 2017 war kein Tag zum Feiern für viele Menschen im Osten. Die meisten werden trotzdem - von Konsum betäubt und gehirngewaschen - dabei bleiben, nicht zurück zu wollen in die DDR. Tatsächlich gibt es kein Zurück, aber ein Vorwärts in eine Alternative zum heutigen System ist so dringend wie lange nicht mehr. Panzer an der russischen Grenze sind ein besonders deutliches Zeichen dafür.
 
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