Fraunhofer IMWS gewinnt Hugo-Junkers-Preis des Landes Sachsen-Anhalt

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Sachsen-Anhalt | Aktuelles
von hallelife.de | Redaktion

Effizientere Methoden für die Trinkwassergewinnung zu entwickeln – das ist das Ziel der Forschungsarbeit von Dr. Ulrike Hirsch. Ein Team des Fraunhofer-Instituts für Mikrostruktur von Werkstoffen und Systemen IMWS in Halle entwickelt unter ihrer Leitung beschichtete Membranen, mit denen Salz- oder Brackwasser in Trinkwasser verwandelt werden kann.

Sie haben eine deutlich längere Lebensdauer als bisher verfügbare Lösungen. Das Projekt in Zusammenarbeit mit der der IAB Ionenaustauscher GmbH Bitterfeld wurde gestern Abend mit dem Hugo-Junkers-Preis für Forschung und Innovation in der Kategorie »Innovativste Allianz« geehrt. Auch für ein weiteres Forschungsvorhaben wurde das Fraunhofer IMWS beim Innovationspreis des Landes Sachsen-Anhalt ausgezeichnet.

Sauberes Trinkwasser steht nicht allen Ländern der Erde in ausreichender Menge zur Verfügung. Mithilfe einer Membranfiltration kann im Umkehrosmoseverfahren aus Salz- oder Brackwasser Trinkwasser gewonnen werden. Dafür werden semipermeable (halbdurchlässige) Keramik- oder Polymermembranen genutzt, durch die das Wasser gepresst wird, um das gelöste Salz vom Wasser zu trennen. In den Reversosmosemodulen, so heißen die Module zur Süßwassergewinnung, sind eine Vielzahl von Membranen übereinander angeordnet und dazwischen befinden sich Membranspacer (Nettings) als Abstandshalter. Allerdings tritt in der Praxis häufig ein Problem auf: Die Membranspacer sind anfällig für Ablagerungen löslicher Schwebstoffe, Salzkristalle und Bioorganismen – das sogenannte Biofouling. In der Folge verstopfen die Reversosmosemodule und es kommt zur geminderten Filtrationsleistung bis zum Ausfall der Module.

Dr. Ulrike Hirsch und ihr Team forschen am Fraunhofer IMWS in Kooperation mit der IAB Ionenaustauscher GmbH Bitterfeld an einem Verfahren, den Prozess des Biofoulings zu stoppen. Dafür werden die Membranspacer chemisch so konditioniert, dass weder Schwebstoffe noch Bakterien auf der Oberfläche der Spacer haften bleiben können. »Unsere Technologie bewirkt weniger Wartungszyklen, Materialschäden und -verschleiß der Module und verhilft somit vielen Menschen der Erde zu mehr Lebensqualität. Umso mehr freue ich mich, dass wir den ersten Platz gewonnen haben und dass die Jury den wissenschaftlich-praktischen Nutzen unserer Forschungsarbeit ausgezeichnet hat«, sagt Dr. Ulrike Hirsch.

»Die Auszeichnung ist ein Beleg für die Qualität der wissenschaftlichen Arbeit, die wir am Fraunhofer IMWS leisten. Besonders freut mich, dass wir in der Kategorie »Innovativste Allianz« ausgezeichnet wurden, denn damit wird deutlich, dass wir aktuelle Themen bearbeiten, die für die Unternehmen der Region wichtig sind und ihre Wettbewerbsfähigkeit steigern«, sagt Prof. Dr. Ralf B. Wehrspohn, Leiter des Fraunhofer IMWS in Halle.

Auch in der Kategorie »Innovativste Projekte der angewandten Forschung« war das Fraunhofer IMWS erfolgreich. Prof. Dr. Jens Schneider und sein Team belegten den dritten Platz. In einem Teilprojekt des Forschungsvorhaben »C3 – Carbon Concrete Composite« arbeitet er daran, neuartigen Beton mit Carbonfasern mit der Gewinnung von Sonnenstrom zu kombinieren. Da Carbonfasern leistungsfähiger sind und nicht rosten, können sie den Stahl in Stahl-Beton-Bauten ersetzen. Dies ermöglicht neue architektonische Formen, in die man unter anderem Photovoltaik-Module einpassen kann. Prof. Schneider und seinem Team ist es in Zusammenarbeit mit dem Architektur-Institut Leipzig (ai:L) der HTWK Leipzig, dem Institut für Baustoffe (IfB) der TU Dresden, der SGB Steuerungstechnik GmbH und der Solar Valley GmbH gelungen, Solarmodule mit Beton zu kombinieren und diese für Häuserfassaden zu nutzen. Diese sind nicht nur ein optischer Blickfang, sondern leisten auch einen wertvollen Beitrag zum Klimaschutz.

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