28. July Ao. 1555

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Ertzbischoff Sigismundi Privilegium Wolff Holtzwirthen ertheilet, eine Apothecke anzurichten.

 

Vor 1493 hat in Halle keine einzige Apotheke existiert. Medikamente wurden von Barbieren, die gleichzeitig als Ärzte fungierten, ausgegeben oder von Krämern verkauft.

28. July Ao. 1555

Im Jahre 1493 aber war Herr Simon Puster in die Stadt gekommen und hat seine Dienste als Apotheker angeboten.
Der Rat der Stadt hat daraufhin mit Erzbischof Ernst verhandelt und die Erlaubnis erwirkt, eine Apotheke in Halle einrichten zu dürfen.
Der Stadtrat gestattete Herrn Puster, eine Apotheke zu führen, verlieh ihm das Bürgerrecht zu Halle und befreite ihn von allen Abgaben im Zusammenhang mit seinem Apothekengeschäft. Für andere Vermögenswerte musste er weiter seine Steuern zahlen.

Diese erste Apotheke war die Ratsapotheke, die bis 1535 die einzige hallische Apotheke blieb. Die Ratsapotheke hat bis etwa 1665 bestanden, ist dann aber geschlossen worden.

Im Jahre 1535 erteilte Kardinal Albrecht seinem Leibarzt Dr. Johann Nicolaus von Wyhe das Privileg, eine neue Apotheke einzurichten und verfügte gleichzeitig, dass zu Halle auf ewige Zeiten nicht mehr als zwei Apotheken existieren sollen. Die Apotheke von Dr. Wyhe wurde "Zum blauen Hirsch" genannt und ist noch heute als Marktapotheke auf dem Marktplatz vorhanden.

So ist das manchmal mit den "ewigen Zeiten": sie sind allzu schnell vorüber.


Der Apotheker Wolff Holtzwirth kehrte im Jahre 1554 von seinen Studien aus Italien zurück und ehelichte die Tochter Katharina des namhaften Rechtsgelehrten und erzbischöflichen Kanzlers Dr. Melchior Kling. Mit dem Wunsch, eine eigene Apotheke zu eröffnen und seinem Beruf nachgehen zu können, trat der 32-jährige an seinen Schwiegervater heran und bat um Fürsprache bei Erzbischof Sigismund, weil seinen Wünschen ja noch immer das Privileg Kardinal Albrechts im Wege stand.

Dr. Melchior Kling trug dem Erzbischof das Anliegen vor und beschrieb die alte Ratsapotheke im Besitz des Apothekers Wolff Ludewiger als verfallen und unnütz. Außerdem gab er an, dass Wolff Ludewiger ihm das Vorkaufsrecht an seiner Apotheke eingeräumt hätte.

So erwirkte er, dass seinem Schwiegersohn Wolff Holtzwirth am 28. Juli Ao. 1555 das Privileg zur Eröffnung einer Apotheke erteilt wurde.

Erzbischof Sigismund erwähnt in der Urkunde die Verfügung seines Vorgängers, nur zwei Apotheken in Halle zuzulassen, verweist aber gleichzeitig auf die "unfleißige Haltung" der Ratsapotheke. Somit sei die Existenz der Ratsapotheke zu vernachlässigen und Wolff Holtzwirth wird ermächtigt, eine neue Apotheke aufzurichten. Fürderhin sollen keine anderen als die Apotheke des Dr. Wyhe und die des Wolff Holtzwirth in Halle existieren. Das Privileg erstrecke sich auch auf deren Erben.

Trotz des Vorwurfs gegen den Besitzer der Ratsapotheke wird diesem gnädig zugestanden, seine Apotheke bis zu seinem Ableben bewirtschaften zu dürfen.

Sollte Wolff Ludewiger seine Apotheke zu Lebzeiten veräußern wollen, nimmt der Erzbischof für sich das Vorkaufsrecht in Anspruch. Nach dem Tode des Apothekers gehe die Ratsapotheke auch ohne vorherigen Verkauf in erzbischöflichen Besitz über.

Erzbischof Sigismund kündigt in dem Dokument gleich an, die Apotheke in jedem Falle dem Wolff Holtzwirth und dessen Erben übereignen zu wollen. Wolff Holtzwirth wird dann dem Erzbischof den Kaufpreis der Ratsapotheke erstatten. Dr. Johann Nicolaus von Wyhe habe zugesagt, sich am Erwerb der Ratsapotheke für Wolff Holtzwirth mit 100 Talern beteiligen zu wollen.

Beide Apotheker versichern, einander zu ehren und zu unterstützen.

Gleichzeitig verbietet Erzbischof Sigismund mit diesem Dokument allen anderen Krämern, Badern, Barbieren und sonstigen Händlern den öffentlichen oder heimlichen Verkauf von Zubereitungen, die allein den Apotheken vorbehalten bleiben sollen. Einzig schlichte einheimische Feldkräuter dürfen noch außerhalb der Apotheken gehandelt werden.

Das Magdeburger Domkapitel gibt zu den vorgenannten Artikeln und Klauseln seine Zustimmung.

Mit solchem weitreichenden und wohlwollenden Privileg ausgestattet, richtete sich Wolff Holtzwirth am Marktplatz, genauer in der Brüderstraße, seine Apotheke ein. Als Zeichen führte sie das biblische Symbol des Königs Salomo auf seinem Thron sitzend zwischen zwei Löwen. Diese Löwen gaben der Apotheke ihren Namen, Löwen-Apotheke, unter dem sie bis heute bekannt ist.

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